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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 30. August 2018

Tara Erraught über ihr Salzburg-Debüt Schlaflos aber glücklich

Noch schnell den Bart ankleben, und dann war Tara verschwunden. Die irische Mezzo-SopranistinTara Erraught gab gerade ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen - in einer Hosenrolle, als Jüngling "Siébel" in Charles Gounods Oper "Faust". Exklusiv für BR-KLASSIK erzählt die irische Mezzo-Sopranistin, wie sie ihr erstes Mal bei den Festspielen erlebt hat.

Mezzo-Sopran Tara Erraught | Bildquelle: Kristin Speed

Bildquelle: Kristin Speed

Im September 2005, zu Beginn meines zweiten Studienjahres an der Royal Irish Academy of Music in Dublin, habe ich mir zusammen mit meiner Gesangslehrerin im Fernsehen die "Traviata"-Übertragung mit Anna Netrebko und Rolando Villazón von den Salzburger Festspielen angeschaut. Das war eine der inspirierendsten Aufführungen, die ich jemals gesehen habe, und ich werde nie vergessen, wie wir uns darüber unterhalten haben, welch harte Arbeit und Hingabe es wohl braucht, um dort zu singen. Eines Tages beschloss ich, selbst wenn es sich um eine Rolle mit nur einem Wort handeln würde, dass ich Teil dieser magischen Festspiele werden wollte.

Das Angebot aus Salzburg

Etwas später, vor drei Jahren, bekam ich einen Anruf von meinem Manager. Er teilte mir mit, dass ein Angebot vorläge für mein Debüt bei den Festspielen, das im Rahmen einer Premierenproduktion auch noch mein Rollendebüt sein sollte! Ich habe mich so darüber gefreut.

Ich war zu der Zeit sehr glücklich darüber, in Deutschland, genauer gesagt in München, leben und arbeiten zu können und nicht nur wunderbare Erfahrungen zu sammeln und Chancen ergreifen zu können, sondern mit einer Reihe von talentierten Künstlern bei außergewöhnlichen Aufführungen mitwirken zu dürfen. Damals ahnte ich nicht, dass ich so viele von ihnen bei den Salzburger Festspielen treffen würde.

Tara Erraught und die Bayerische Staatsoper

  • von Herbst 2008 an war sie Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper
  • seit 2010 gehört sie zum Ensemble

Festspielalltag in der Mozart-Metropole

Während ich durch Salzburg spaziere, diese wunderschöne kleine Stadt, in der Mozart jeden Stein berührt hat, treffe ich unweigerlich immer wieder auf Kollegen. Das ist das Schönste an den Festspielen. Bei den Proben war die Stimmung so warmherzig und entspannt, dass wir am Ende eines jeden Tages gemeinsam Eis essen gingen oder uns am Fluss trafen. Ganz besonders war für mich, dass meine beste Freundin, Angela Brower, auch in Salzburg war. Sie gab ihr Festspieldebüt mit der Dorabella in "Cosi fan tutte". Ich hatte außerdem das Glück, dass ich bei anderen Proben und Aufführungen vorbeischauen konnte: Cosi, Nozze, Don Giovanni … Das war wunderbar!

Gänsehaut mit den Wiener Philharmonikern

Mezzo-Sopran Tara Erraught | Bildquelle: Monika Rittershaus Szene aus Gounods "Faust" bei den Salzburger Festspielen 2016 | Bildquelle: Monika Rittershaus In der letzten Woche gab es die technischen Proben, (Bühnen-Orchester-Probe, Orchesterhauptprobe, Generalprobe ...) für den "Faust". Da wurde mir klar, dass das hier ein sehr, sehr besonderes Projekt ist. Dieses Stück wurde noch nie bei diesen Festspielen aufgeführt, alleine das war schon sehr aufregend. Als ich aber meine Kollegen in der Sitzprobe mit dem Orchester hörte, den Wiener Philharmonikern, wusste ich, dass ich für die gesamte Dauer der Festspiele Gänsehaut haben würde.

Kein Schlaf vor der Premiere

Es war eine Ehre, auf der Bühne neben Maria Agresta, Piotr Beczala und Ildar Abrazakov zu sitzen. Ich erlebte gerade, wovon ich geträumt hatte, seit ich die "Traviata" 2005 sah! Wie Sie sich also vorstellen können, war es schwer, die Aufregung in Grenzen zu halten. Ich konnte die ganze Nacht zwischen Generalprobe und Premiere nicht schlafen.

Zur Premiere sind meine wunderbare Familie, einige unglaubliche Fans aus Irland, mein Freund und mein Manager angereist. Ich hatte also die volle Unterstützung. Was kann man sich mehr wünschen?!

Und dann war Tara verschwunden

Mezzo-Sopran Tara Erraught | Bildquelle: Monika Rittershaus Tara Erraught als Siébel | Bildquelle: Monika Rittershaus Ein kleines Detail habe ich bisher ausgelassen: Ich betrat die Bühne mit einer ziemlich aufwändigen Maske, einem Bart. Das Team hinter der Bühne war ganz wunderbar. Es dauerte fast zwei Stunden, mich in den Jüngling namens Siébel zu verwandeln. Während die Maske anlegt wurde, spürte ich, wie der Charakter der Rolle mich langsam erfüllte. In der Sekunde, in der ich das Theater betrat, zog ich die Schuhe an und erlaubte es dem Charakter, mich voll und ganz in Besitz zu nehmen. Bereits während ich meine Stimme aufwärmte, lief ich anders, lief ich wie Siébel, bewegte ich mich wie Siébel - und Tara war verschwunden.

Ich bin dann also auf die Bühne gegangen und habe gewusst, dass es jetzt meine Aufgabe ist, etwas zurückzugeben, und ich habe einfach fürs Publikum gesungen. Meine Kollegen und ich haben eine ganz besondere Geschichte erzählt, finde ich - in einer Aufführung, die ich nie vergessen werde.

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