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Album der Woche: Nicholas Angelich spielt Prokofjew Detailgenaues Spiel ohne Effekthascherei

Mit seinem aktuellen Album legt der US-amerikanische Pianist Nicholas Angelich eine sehr detailgenaue und klangsinnliche Sicht auf Prokofjews Klaviermusik vor. Seiner intimen und bezwingenden Erkundung kann man fasziniert folgen.

CD-Cover: Nicholas Angelich spielt Prokofjew | Bildquelle: Erato

Bildquelle: Erato

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Besessen und wütend, dann wieder unglaublich zart und zerbrechlich ist diese Klaviermusik. Geschrieben hat sie Sergeij Prokofjew, der selbst ein ausgezeichneter Pianist war und seinem Instrument gleichermaßen Virtuoses und Klangsinnliches entlocken konnte. Neun Klaviersonaten hat Prokofjew komponiert. Ihr Entstehungszeitraum erstreckt sich über sein gesamtes Leben. Die achte Sonate aus dem Jahr 1944 gehört zu den sogenannten "Kriegssonaten" und bringt extreme Ausdrucksgesten zusammen: dramatisch oder bösartig grummelnde Momente ebenso wie lyrisch verträumte.

Intime und klangintensive Erkundung

Nicholas Angelich erkundet den faszinierenden Spannungsbogen dieses gut halbstündigen Werks sehr behutsam, detailgenau und mit unglaublich differenziertem Klang. Hierfür nimmt er sich Zeit, insbesondere im ersten Satz. Ganze vier Minuten mehr als etwa Yuja Wang räumt er sich ein und drei Minuten mehr als Daniil Trifonov in seiner jüngsten Einspielung. Auch der Prokofjew-Vertraute und Zeitgenosse Swjatoslav Richter spielte diesen Kopfsatz schneller. Bei Angelich geht die zeitlich ausgedehntere Deutung aber nicht zu Lasten des Gesamtzusammenhangs. Er spielt diese Sonate auch nicht romantisierend. Es ist vielmehr eine intime und klangintensive Erkundung, der man gebannt folgt.

Kurz und bündig

Dieses Album wird lieben, wer …
… den Klavierklang liebt.

Dieses Album hat gefehlt, weil ...
... man diese Musik hört, wie man sie noch nie gehört hat.

Dieses Album ist ein Hörgenuss, weil ...
... Nicholas Angelich einen unwiderstehlichen Anschlag und Klang hat.

Sensible Anschlagskunst

Nicholas Angelich kombiniert auf seinem neuen Album die Sonate Nr. 8 mit Auszügen aus der für Klavier gesetzten Ballettsuite "Romeo und Julia" und Prokofjews "Visions fugitives". Bei diesen "flüchtigen Visionen" handelt es sich um eine Reihe von zwanzig zum Teil sehr kurzen Stücken, die keine Titel tragen, sondern nur Hinweise auf Charakter oder Bewegung. Mal gesanglich, mal trostlos, dann auch sarkastisch oder aggressiv klingen diese Miniaturen. Und mit dieser reichen Ausdrucks- und Farbpallette finden sie in Nicholas Angelich einen kongenialen Interpreten. Die sensible Anschlagskunst dieses Pianisten lässt Schattierungen hervortreten, die beeindruckend sind.

Stücke mit poetischer Dimension

So legt Nicholas Angelich mit seinem Prokofjew-Album eine äußerst detailgenaue, nie effektorientierte Sicht auf Prokofjews Klaviermusik vor. Es ist die poetische Dimension dieser Stücke, die ihn primär interessiert und die er mit seinem Spiel wunderbar transparent macht. Das tut er auf eine klarsichtige und feine Art und Weise, niemals geschmäcklerisch oder verklärend. Sein Publikum nimmt er neugierig und fasziniert mit.

Infos zur CD

Nicholas Angelich spielt Prokofjew

Klaviersonate Nr.8 op.84
Visions fugitives op.22
Zehn Stücke aus Romeo und Julia op.75 (Auszüge)

Label: Erato

Sendung: "Piazza" am 13. Februar 2021 ab 8:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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