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CD - Ruby Hughes Arien von Händels letzter Primadonna Giulia Frasi

Kennen Sie Ruby Hughes? Wenn nicht, sollten Sie das schleunigst nachholen. Auf ihrer aktuellen CD widmet sie sich Händels letzter Primadonna Giulia Frasi und singt Sopranarien von Händel, Arne, Smith und Hayes. Bezaubernd schön und voller Einfühlungsvermögen.

CD-Cover: Händels letzte Primadonna - Giulia Frasi in London | Bildquelle: © Chandos

Bildquelle: © Chandos

Der CD-Tipp zum Nachhören

Die Mailänder Sopranistin Giulia Frasi war die Lieblingsprimadonna des alten Händel in London. Die letzten zehn Jahre bis zu Händels Tod 1759, sang die junge Frasi in zahlreichen Händel-Uraufführungen, etwa im Messias oder in den Oratorien Susanna, Jephta und Theodora.

Ihre Popularität beim Publikum war so groß, dass auch andere Londoner Komponisten auf die Sopranistin aufmerksam wurden. Händels Konkurrent Thomas Arne etwa. Oder sein letzter Schüler John Christopher Smith, der als Johann Christoph Schmidt in Ansbach geboren wurde. Beide Komponisten schrieben Giulia Frasi Rollen in ihren Opern und Oratorien auf den Leib, mit denen sie große Erfolge feierte.

Hughes lässt Frasi wiederauferstehen

Die junge walisische Sopranistin Ruby Hughes erinnert jetzt zusammen mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment unter der Leitung des Altmeisters Laurence Cummings an die heute ziemlich vergesse Barocksängerin. Unter dem Titel "Händels letzte Primadonna - Giulia Frasi in London" versammelt sie Arien aus Opern und Oratorien von Händel, Arne, Smith, Hayes und Ciampi. Doch was heißt versammelt. Ruby Hughes lässt Giulia Frasi auf dieser hinreißenden CD wiederauferstehen. Und es scheint gut möglich, dass Ruby Hughes Giulia Frasi sogar noch toppt. Denn der berühmte Londoner Musikschriftsteller Charles Burney beschrieb Giulia Frasi als "jung und interessant von der Person her, mit einer süßen, klaren Stimme und einem geschmeidigen und schlichten Gesangsstil, der obwohl kalt und ohne Leidenschaft, dem natürlichen Gehör gefällig war und den Angriffen der Kritiker entging".

Kunst der Hochleistungskoloratur

Auch die 1980 geborene Ruby Hughes, die zuerst in London das Cellospiel studierte, ehe sie sich glücklicherweise an der Musikhochschule München im Fach Gesang ausbilden ließ, hat eine süße, klare, souveräne, gut ausbalancierte, ja engelsgleiche Stimme mit dezent eingesetztem Vibrato. Aber Kälte und mangelnde Leidenschaft kann man ihr gewiss nicht vorwerfen. Gerade in den vielen langsamen und traurigen Arien auf dieser CD zeigt Ruby Hughes, die natürlich auch die Kunst der Hochleistungskoloratur beherrscht, ihr wahres Können. Soviel Authentizität, so viel schmerzvoller Ausdruck, so viel echtes Gefühl hört man selten bei einer Sängerin. Ein bezauberndes Album voll bittersüßer Melancholie. Die Briten fragen sich schon lange, wer der legendären Star-Sopranistin Emma Kirkby, ihrer Königin der Alten Musik, einst nachfolgen soll. Mit Ruby Hughes könnten sie sie gefunden haben.

Händels letzte Primadonna - Giulia Frasi in London

Sopran-Arien von Georg Friedrich Händel, Vincenzo Ciampi, Thomas Augustine Arne, John Christopher Smith und Philip Hayes
Ruby Hughes (Sopran)
Orchestra of the Age of Enlightenment, Laurence Cummings
Label: Chandos

Sendungsthema aus "Tafel-Confect" vom 22. April 2018, 12.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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