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Filmbesprechung "Jota - mehr als Flamenco" Neuer Tanzfilm von Carlos Saura

Mit seiner spanischen Heimat beschäftigt sich Carlos Saura immer wieder – und mit Musik: Er schuf surrealistische Künstlerporträts und setzte dem Flamenco, dem Tango und dem Fado filmische Denkmäler. Jetzt kommt sein neuester Film in die deutschen Kinos, und diesmal geht es um die "Jota", einen spanischen Volkstanz.

Szene aus dem Film "Jota - mehr als Flamenco" von Carlos Saura | Bildquelle: ©Cine Global

Bildquelle: ©Cine Global

Neuer Tanz-Film von Carlos Saura

"Jota - mehr als Flamenco"

"Weine nicht, genieß‘ das Leben": Ganz puristisch beginnt dieser Film: mit einer Sängerin im schwarzen Kleid und einem Gitarristen. Ganz klar: Auch diese Musik berichtet, wie so viele andere, vom Schmerz, vom Glück, von der Trauer und von der Liebe. Die Jota, ein spanischer Volkstanz, erklingt bei Beerdigungen, auf Hochzeiten oder einfach auf der Straße.

Musikalisch von Region zu Region

Szene aus dem Film "Jota - mehr als Flamenco" von Carlos Saura | Bildquelle: ©Cine Global Bildquelle: ©Cine Global Sauras Jota-Hommage ist ein inszenierter Tanzfilm, er spielt nicht draußen, sondern drinnen, auf der Bühne. In einer unwirklichen Welt. Geheimnisvoll ausgeleuchtet, mit gemalten Prospekten an den Wänden. Wie in einem Adventskalender öffnet sich Türchen für Türchen – und unterschiedliche Ensembles bringen uns musikalisch von Region zu Region.

Los Cantereros, Zaragoza oder Navarra: Jede Ortschaft, jede Stadt hat ihre eigene Jota. Die bewegliche Kamera schwebt durch den Raum und bildet genau das ab, was diesen ursprünglich höfischen, stilisierten Tanz ausmacht: Die zarte Balance zwischen Nähe und Distanz. Abgezirkelte Schrittfolgen bestimmen den Tanz auch heute noch, mit intensivem Blickkontakt, aber fast ohne Berührungen. Wenn beide nah zusammen tanzen, gehen seine Hände und Arme diskret nach hinten, auf den Rücken. Formvollendete Ästhetik im Dienste der Konvention. Eine Konvention, mit der natürlich – auch das gehört dazu – zur rechten Zeit lustvoll gebrochen wird. "Geht nur näher zusammen", heißt es da in einer gesungenen Jota Flamenca, "denn mit großem Abstand tanzen ist so, als würde man trockenes Brot essen!"

Ein Tanz für jede Generation

Die Spiegel in den oft in warmem Gold gehaltenen Räumen sind ein weiteres Stilmittel in Carlos Sauras Tanzfilmen. Da verdoppeln und verdreifachen sich die Tänzer und Musiker – und der eigentlich so intime Tanz weitet sich visuell zur Gruppenszene. 

Szene aus dem Film "Jota - mehr als Flamenco" von Carlos Saura | Bildquelle: ©Cine Global Bildquelle: ©Cine Global Die Jota war eine Art Überlebenstanz im Spanischen Bürgerkrieg. Denn sie ist seit langem ein Tanz des Volks. Immer wieder bindet der Regisseur, neben seinen Stars, auch ältere Paare in das Geschehen ein. Und zeigt uns einen Jota-Tanzkurs für den Nachwuchs. Drei Dutzend Kinder und Jugendliche proben mit heiligem Ernst und stolzer Körperhaltung. Aber nichts wirkt verkrampft. Hände an die Hüften – und los geht’s.

"Cinco, seis, siete, ocho …"

Szene aus dem Film "Jota - mehr als Flamenco" von Carlos Saura | Bildquelle: ©Cine Global Bildquelle: ©Cine Global Carlos Saura serviert uns in diesen 90 Minuten Film ganz unterschiedliche Choreographien, klassische und moderne. Kontrollierte Tänze und leidenschaftlich ausufernde. In einer der schönsten Szenen singt (in einer Aufnahme von 1935) eine Flamenco-Legende vom Kirchgang eines jungen Mädchens mit ihrer Mutter. Und von den Blicken der Männer. Und die Musik erzählt mit klitzekleinen Verzögerungen und kurzen Pausen vom Begehren und vom Zurückweisen, von Unschuld und Erotik. Das zum Schluss im Studio inszenierte Straßenfest hätte man allerdings lieber in einer echten Straße in einem echten spanischen Dorf mitgetanzt.

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