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Ballett Premiere "Chansons" - Mainfranken Theater Würzburg Dominique Dumais besteht ihre Feuerprobe

Das Mainfranken Theater Würzburg befindet sich im Umbruch, und das in mehrfacher Hinsicht: An dem gut 50 Jahre alten Haus beginnt gerade die Generalsanierung. Außerdem hat zur neuen Spielzeit die komplette Tanzsparte gewechselt. Am Wochenende gab das neue Ensemble unter der Leitung der Frankokanadierin Dominique Dumais sein Debüt.

Szene aus "Chansons" am Mainfranken Theater Würzburg | Bildquelle: © Nik Schölzel

Bildquelle: © Nik Schölzel

TV-Beitrag: Ballett-Premiere "Chansons" - Mainfranken Theater Würzburg

Im Mainfranken Theater Würzburg wird zur Zeit nicht nur auf der Bühne gearbeitet: Während Bagger im Zuge der Generalsanierung die Grube für den Anbau schürfen, geht es im Theater mit Proben und Aufführungen der neuen Saison weiter. Die Proben werden oft von Baulärm begleitet, was nicht immer angenehm ist, bekennt Intendant Markus Trabusch.

Aufbruch mit neuer Tanzkompagnie

Zum inhaltlichen Aufbruch gehört ganz zentral die neue Tanzkompagnie. 12 Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt hatten nur wenige Wochen, um zu einem Ensemble zusammen zu wachsen. Vor ihrem Würzburger Debüt mit dem Titel "Chansons" herrscht daher höchste Anspannung. Ebenso für Markus Trabusch, denn viele Ballettfans hatten es ihm persönlich übel genommen, dass die altbewährte Tanztruppe samt Publikumsliebling Anna Vita gehen musste.

Dem Publikum ganz nah

Szene aus "Chansons" am Mainfranken Theater Würzburg | Bildquelle: © Nik Schölzel Marcel Casablanca und Dávid Kristóf in "Chansons", Mainfranken Theater Würzburg | Bildquelle: © Nik Schölzel Und so lastet auf den Schultern der neuen Ballettdirektorin Dominique Dumais ein hoher Erwartungsdruck, den sie erstaunlich gut im Griff hat. Konzentriert verfolgt sie die Generalprobe zu "Chansons", einer Abfolge von meist – aber nicht nur – französischen Titeln. Die sechs Tänzerinnen und sechs Tänzer übersetzen die Musik in kurze Geschichten. Diese Suite, die Dominique Dumais bereits in Mannheim auf die Bühne brachte, schien der neuen Tanzchefin für den Start ideal: "Ich dachte, wir können mit Chansons die Verbindung zum Publikum herstellen, da die Tänzerinnen und Tänzer dem Publikum sehr nah sind. Natürlich sind auch diese Chansons zeitlos, es gibt viele Solos, Duette und Pas de Deux. Und jeder Tänzer, jede Tänzerin hat einen ganz besonderen Moment auf der Bühne. Das ist für mich ein guter Weg zum Kennenlernen."

Mich begeistert es herauszufinden, was mich berührt. Darin besteht der wirkliche Ausdruck.
Dominique Dumais

Szene aus "Chansons" am Mainfranken Theater Würzburg | Bildquelle: © Nik Schölzel Marcel Casablanca und Maya Tenzer in "Chansons", Mainfranken Theater Würzburg | Bildquelle: © Nik Schölzel 26 ganz unterschiedliche Chansons übersetzt die Tanzkompagnie in hochsensible Körpersprache. Beim Duett zu Leonard Cohens "Halleluja" knistert es spürbar: Liebe und Leidenschaft, Täuschung und Enttäuschung gehen Hand in Hand. Und kurz darauf toben die Männer der Truppe wie Lausbuben über die Bretter: zu dem Titel "Les Cornichons", "Die Gürkchen", der eigentlich ein verregnetes Picknick beschreibt. Aber die Choreografie will nicht den Text in Szene setzen, sondern Stimmungen beschreiben, sagt Dominique Dumais.

Steine purzeln vom Herzen

Spannend blieb bis zur Premiere, wie das Würzburger Publikum auf das neue Ensemble reagieren würde. Zumal viele noch immer der alten Truppe nachtrauern. Es schien, als erobere die Tanzkompagnie mit jedem Chanson ein Stück mehr die Herzen vor der Bühne. Der Mut zum Szenenapplaus wuchs zusehens. Und spätestens mit dem Schlussvorhang fielen auch die letzten Zweifel beim Publikum. Und hinter der Bühne konnte man die Steine purzeln hören, die der neuen Tanzchefin und dem Intendanten vom Herzen fielen. Kein Zweifel: Dominique Dumais und ihr Ensemble haben die Feuerprobe bestanden.

Weitere Infos und Termine zu "Chansons" gibt es auf theaterwuerzburg.de

Sendung: "Leporello" am 1. Oktober 2018 ab 16:05 auf BR-KLASSIK

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