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24-Stunden-Musikandacht im Augsburger Dom "Wer singt, betet doppelt"

Gottesdienste sind erlaubt, Konzerte nicht. Warum also nicht in der Kirche musizieren? Der Bariton Thomas E. Bauer hat diese Idee nun im Augsburger Dom umgesetzt. Am Freitagabend startete dort ein 24-stündiges musikalisches Gebet, das online übertragen wurde.

Der Hohe Dom in Augsburg | Bildquelle: BR/Sylvia Bentele

Bildquelle: BR/Sylvia Bentele

24 Stunden geistliche Musik erklingen ab Freitag, 20. November 18:00 Uhr, im Augsburger Dom. Musiker und Musikerinnen aus dem In- und Ausland treten unter dem Titel "Palestrina – A Global Prayer for the People" in unterschiedlichen Formationen an. Gemeinsam gestalten sie in jeweils einstündigen Etappen eine Andacht, die in voller Länge online gestreamt wird.

Mit dabei Singer Pur und die Augsburger Domsingknaben

Eröffnet wird der Gottesdienst von Bischof Bertram Meier. Er hat die Umsetzung seiner Idee ermöglicht, erzählt Thomas E. Bauer im Gespräch mit BR-KLASSIK. Die Mitwirkenden sind unter anderen Sigiswald Kuijken, der Chor der KlangVerwaltung, Singer Pur, die Choralschola St. Ottilien, das Solistenensemble vom Konzerthaus Blaibach sowie die Augsburger Domsingknaben.

Das ist kein Marketing-Gag, um das Konzertverbot zu umgehen.
Thomas E. Bauer

Nach dem Vorbild Palestrinas

Bariton Thomas E. Bauer | Bildquelle: Marco Borggreve Bariton und Ideengeber der musikalisichen 24-Stunden-Andacht: Thomas E. Bauer | Bildquelle: Marco Borggreve Thomas E. Bauer hat den italienischen Renaissance-Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina als Namensgeber für das Projekt auserkoren. Dahinter steht nicht nur die Verehrung für Palestrinas Musik, sondern auch seine historische Bedeutung für die Kirchenmusik an sich. Denn die stand 1562 beim Konzil von Trient auf dem Prüfstand. Damals debattierten die Glaubenshüter darüber, welche Rolle Kirchenmusik in den Gottesdiensten spielen sollte. Es wird überliefert, dass bestimmende Kräfte auf dem Konzil den mehrstimmigen Gesang endgültig aus den Kirchen verbannen wollten. Das aber habe – auch wenn es dafür keine stichhaltigen historischen Belege gibt – Palestrina zu verhindern gewusst. Er habe bewiesen, dass Vielstimmigkeit und Textverständlichkeit keine Gegensätze seien.

Eine spirituelle Übung – auch online

Außerdem bezieht sich Thomas E. Bauer auf ein Zitat des Kirchenvaters Augustinus: "Wer singt, betet doppelt". Bei der 24-Stunden-Andacht sollen geistliche Werke Palestrinas erklingen, die sich mantraartig wiederholen –, die die Singenden in eine Art Trance versetzen, sagt Bauer. Das sei auch als Innenschau für die Künstler selbst gedacht: "Wie soll es weitergehen, was ist mein Beruf – das Singen? Eine spirituelle Übung, bei der man zu sich kommen kann. Egal ob man religiös ist oder nicht." Über den Stream können sich die Hörer, so Bauer, dann in diese spirituelle Übung "hineinsingen" lassen – so lange sie eben wollen. Die Chance besteht 24 Stunden lang, und ist kostenlos. Die Übertragung des Gottesdienstes finden Sie hier.

Für das Aufeinandertreffen der Formationen im Augsburger Dom gibt es ein strenges Hygienekonzept. Außerdem müssen sich alle Künstlerinnen und Künstler vorab auf Corona testen lassen.

Sendung: "Leporello" am 19. November 2020 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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