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Eröffnung der Barenboim-Said-Akademie in Berlin Musikhochschule als Friedensprojekt

Am 8. Dezember wurde in Berlin die Barenboim-Said-Akademie eröffnet. Dort sollen vor allem junge Musiker aus dem Nahen Osten studieren. Allerdings geht es Daniel Barenboim nicht allein um die musikalische Ausbildung. Er möchte aus den jungen Musikern auch "Botschafter des Friedens" machen.

Digitales Model der Barenboim-Said Akademie in Berlin | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Es ist ein Experiment. Die neu gegründete Barenboim-Said-Akademie ist mehr als eine private Musikhochschule. Junge Musiker aus dem Nahen Osten - von der Türkei über Israel bis zum Iran - sollen hier in Berlin zusammen studieren: Juden, Moslems und Christen. Daniel Barenboim möchte für die Studenten einen geschützten Raum schaffen - fern vom Kriegs- und Krisenalltag. Außerdem sollen die jungen Menschen auf diese Weise lernen, einander zuzuhören, so Barenboims Hoffnung. Diesen Gedanken verfolgte auch der verstorbene amerikanisch-palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said.

Humanismus ist die einzige und letzte Verteidigungslinie.
Edward Said

Kulturelles Versöhnungsprojekt

Mit Edward Said gründete Daniel Barenboim 1999 schon das West-Eastern-Divan Orchestra, in dem israelische und arabische Musiker miteinander musizieren. Mit der Eröffnung der Barenboim-Said-Akademie geht nun ein weiterer lang gehegter Wunsch des 74-jährigen Dirigenten in Erfüllung: Grenzen zu überwinden. Denn selbst wenn verschiedene Kulturen und politische Ansichten aufeinander prallen, würde die Musik doch alle miteinander verbinden - davon ist Barenboim überzeugt.

Wir haben etwas Gemeinsames: Leidenschaft für die Musik.
Daniel Barenboim

Außerdem möchte Barenboim aus den Studenten nicht nur Profimusiker machen, sondern auch "Botschafter des Friedens". Deshalb gehören zum Lehrplan nicht nur Instrumentalunterricht und Musiktheorie, sondern auch Fächer wie Philosophie und Ethik. Darin unterscheide sich die private Musikhochschule von vielen anderen, sagt Barenboim.

"Musik ist abstrakt", erklärt er. Man könne eigentlich nicht über Musik sprechen, sondern nur über unsere Reaktionen auf die Musik. Daraus folgert Barenboim: "Ein Musiker, der kein inneres Leben hat, hat keine Assoziationen und bleibt abstrakt." Man könne kein Künstler sein ohne ein reiches inneres Leben.

Finanzierung der Barenboim-Said-Akademie

Bereits seit Oktober lernen im früheren Magazingebäude der Staatsoper Unter den Linden nun schon 42 Musiker unter einem Dach. Ab der Saison 2018/19 soll die Studentenzahl auf 90 steigen. Das Lernzentrum mit Seminar- und Übungsräumen ist auf drei Ebenen angelegt. Rund 200 Kubikmeter Beton und 700 Tonnen Stahl wurden verbaut.

Die Baukosten betrugen knapp 34 Millionen Euro. 20 Millionen davon hat das Bundesministerium für Kultur und Medien übernommen. Den Rest brachten private Stifter auf. Das Herzstück der Akademie ist ein Konzertsaal, der Pierre-Boulez-Saal, entworfen von Stararchitekt Frank Gehry. Er bietet Platz für über 600 Zuhörer. Um die Akustik hat sich der Japaner Yasuhisa Toyota gekümmert, der auch die Elbphilharmonie vorbereitet hat. Der Saal wird allerdings erst im März eingeweiht - später sollen neben Aufführungen von Studenten auch Konzertprogramme mit Gastkünstlern stattfinden.

Der Aufbau der Barenboim-Said-Akademie in Bildern.

Die Kosten - Akademie wird zum Vorzeigeprojekt

Das Land Berlin hat das Gebäude für 99 Jahre zur Verfügung gestellt. Der Bund übernimmt auch die Betriebskosten, das Auswärtige Amt zahlt Stipendien. Die laufenden Kosten von fünfeinhalb und später sieben Millionen Euro wird das Kulturministerium übernehmen.

Und tatsächlich - das gibt es auch in der Hauptstadt: Der Kostenrahmen für das Projekt ist eingehalten, der Zeitrahmen sowieso. Damit wird die Barenboim-Said-Akademie zum Berliner Vorzeigeprojekt.

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