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Brexit zwingt EU-Barockorchester zum Umzug Runter von der Insel

Premierministerin Theresa May beantragte am Mittwoch offiziell den Austritt ihres Landes aus der EU. In zwei Jahren wird Großbritannien als Mitglied ausscheiden. Fünf vor Zwölf - wie das Barockorchester der Europäischen Union findet, um konkret seinen Umzug nach Antwerpen zu planen.

Die Europaflagge und Englandflagge wehen im Wind. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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1985, also vor nunmehr 32 Jahren, wurde das Barockorchester der Europäischen Union (EUBO) mit Sitz nahe Oxford gegründet, mit dem Ziel, jungen Musikern aus Europa jeweils für ein halbes Jahr zu ermöglichen, wie Profis in einem Barockorchester mitzuspielen. Mit dem EU-Ausstieg Großbritanniens sieht das EUBO sich allerdings nun gezwungen, eine neue Heimat zu suchen. Das teilte das Orchester Mitte Februar offiziell auf seinen Online-Seiten mit.

"Als die Abstimmung über den Brexit im vergangenen Jahr stattfand, war dies für uns eher eine Frage, wann wir umziehen und weniger, ob überhaupt", erklärte der britische Generaldirektor Paul James gegenüber der dpa. 2018 wird das EUBO ins belgische Antwerpen umziehen. Damit verbleibt es, wenn Großbritannien 2019 als Mitglied ausscheidet, im Staatenbund.

Jugendorchester der EU - spezialisiert auf Barock

Das Barockorchester der Europäischen Union (EUBO) ist eine Initiative der Europäischen Union. Es wurde zur Feier des 300. Geburtstags von Johann Sebastian Bach, Domenico Scarlatti und Georg Friedlich Händel im Jahr 1985 gegründet. Es formiert sich jedes Jahr neu aus 20 jungen Musikern aus den EU-Mitgliedsländern - und soll ihnen den Einstieg ins internationale Berufsleben erleichtern. Seit seiner Gründung leitet Paul James das EUBO. Nach dem Brexit-Votum, so James im dpa-Interview, habe er sich physisch krank gefühlt. Die Abstimmung habe ihn hart in der Magengegend getroffen.

EUBO Mortensen - Echternach | Bildquelle: © EUBO Das Barockorchester der Europäischen Union (EUBO) | Bildquelle: © EUBO Niemand kann sicher vorhersagen, was passieren wird, wenn das Vereinigte Königreich den Staatenbund verlässt. Die Zugehörigkeit zur EU hatte Künstlern und Musikern fast grenzenlose Bedingungen verschafft, um reisen und arbeiten zu können. Viele befürchten nun Visa-Vorschriften. Zudem stellt sich die Frage, ob für die Mitnahme von Musikinstrumenten durch den Ärmelkanal spezielle Dokumente benötigt werden. Das alles gilt umgekehrt auch für britische Künstler.

Ungewisse Zukunft für freischaffende Durchschnittsmusiker

"In unserer Welt sind die meisten Musiker Freischaffende, die darauf angewiesen sind, dass sie sich frei bewegen können, sowohl für Auftritte als auch für Proben und Privates", sagte James weiter. Topstars unter den Musikern hätten zwar Berater und Assistenten, die die erforderlichen Formalien mit Arbeitsgenehmigungen oder Visa erledigen könnten.  Doch wie sieht es in Zukunft für den freischaffenden Durchschnittsmusiker aus?

Die Folgen für die britische Musik- und Kunstszene werden weitreichend sein.  Auch andere künstlerische Institutionen fürchten mit dem Brexit negative Folgen. Das Jugendorchester der EU (EUYO) mit Sitz in London erwägt ebenfalls einen Umzug. Die britische Regierung sagt zwar, dass der Brexit dem Land erlauben werde, seine internationalen Horizonte zu erweitern, neue bilaterale Partnerschaften zu bilden und ein wahres "globales Großbritannien" zu werden. Doch viele Briten, die in der EU verbleiben wollen, befürchten das Gegenteil.

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