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Corona-Gefahr bei Chören Vier Tote nach Chorkonzert in Amsterdam

Vier Tote und mehr als 100 erkrankte Sänger: Das ist die traurige Bilanz einer Johannes-Passion des "Gemengd Koor", einem gemischten Chor in Amsterdam. Bei den Proben und dem Konzert hatte sich das Coronavirus offenbar stark ausgebreitet. Das Konzert fand am 8. März im Concertgebouw statt, fünf Tage bevor die Konzertsäle in den Niederlanden geschlossen wurden. Entscheidend für die Ausbreitung des Virus sei jedoch nicht das Singen ansich gewesen, sagt der Experte Christian Kähler im BR-KLASSIK-Interview.

Concertgebouw Amsterdam, Konzertsaal | Bildquelle: picture alliance/imageBROKER/Hans Zaglitsch

Bildquelle: picture alliance/imageBROKER/Hans Zaglitsch

Zwei Monate war es still um "Het Amsterdams Gemengd Koor" in den Niederlanden. In einem Facebook-Post bestätigte der Chor nun einen Artikel der niederländischen Tageszeitung "Trouw": "Hier ist unsere Geschichte" schreibt der Chor in seinem Post: "Die Hintergründe eines wunderschönen Konzerts mit Trauerrahmen".

Vier Tote, viele an Corona Erkrankte

Der Amsterdams Gemengd Koor ist ein Amateurchor mit 130 Sängern, etliche davon bereits älter. Das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren. Wie die Zeitung "Trouw" berichtet, starb in der Folge der Proben und des Konzerts ein 78-jähriges Chormitglied, ebenso drei Angehörige von Chorsängern. Viele der insgesamt über 100 erkrankten Chormitglieder mussten auf Intensivstationen behandelt werden. Auch der Dirigent Paul Valk habe schwerwiegende Symptome gezeigt, genauso wie viele Musiker des begleitenden Ensembles "Holland Orkest Combinatie". Auch die Solisten hatten sich angesteckt.

Forscher: Kleine Probenräume und zu wenig Abstand waren Infektionsgrund

Ursache für die Ausbreitung des Coronavirus beim "Gemengd Chor" sei aber nicht das Singen selbst gewesen, meint der Wissenschaftler Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in München auf Anfrage von BR-KLASSIK. Kähler, der am Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik Strömungen beim Singen untersucht hat, macht die Abstände bei den Proben für die Infektionen verantwortlich. Die Proben in Amsterdam hätten zu einer Zeit stattgefunden, als die Sensibilität für die Ausbreitung des Virus über Aerosol noch nicht vorhanden gewesen sei, so Kähler im BR-KLASSIK-Interview. Die Chormitglieder hätten bei den Proben eng gedrängt in kleinen Räumen gestanden. Dort habe man somit weder Abstände eingehalten, noch auf sonstige Hygienemaßnahmen geachtet.

Aus meiner Sicht sind hier Fehler im Sozialverhalten gemacht worden.
Christian Kähler, Hochschule des Bundeswehr

Mit dem Singen ansich seien die Infektionen nicht in Verbindung zu bringen, so Kähler. Natürlich spiele auch die Klimatisierung eine Rolle. Entscheidend jedoch seien die Raumgröße und die Aufstellungsart eines Chores.

Krankmeldungen häuften sich

Bereits am Tag der Generalprobe - einen Tag vor dem Konzert - hätten sich 15 Chormitglieder krank gemeldet. Die Probe habe in einem kleineren Raum stattgefunden. In den Tagen nach dem Konzert habe es eine Krankmeldung nach der nächsten gegeben - die Angst unter den Chormitgliedern sei gestiegen, heißt es in dem Bericht. Kritik an den Gesundheitbehörden wird laut: Die Bitte, die Chormitglieder umfänglich zu testen, sei nicht ernstgenommen worden.

Konzertbesucher kaum betroffen

Eine Befragung von Konzertbesuchern habe ergeben, dass im Publikum des Konzerts kaum jemand erkrankte. Das nächste Konzert des Laienchors ist für November geplant. Wenn es stattfinden kann, werde nicht im Concertgebouw gesungen, sondern in einer Kirche, der Westerkerk, heißt es. Das Programm wird wohl geändert werden: Statt Haydns "Die Jahreszeiten" aufzuführen, überlegt der Chor momentan, als Zeichen der Trauer Mozarts "Requiem" auf das Programm zu setzen.

Sendung: "Leporello" am 11. Mai 2020 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (3)

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Dienstag, 12.Mai, 20:02 Uhr

Kreller Hartwig s

Sehr traurig, wie soll es weitergehen?

Dienstag, 12.Mai, 10:49 Uhr

zahn@kfddw.de

Corona - Singen

Soviel zum separaten Liederbuch.

Montag, 11.Mai, 20:39 Uhr

Schubert Klaus

Corona und die Konzerte

Ja, es ist schon traurig, dass sich soviele Sänger bei einem Konzert im concertgebow mit dem Coronavirus infiziert haben. Zu dem Zeitpunkt wusste man anscheinend noch nicht, wie gefährlich Chorsingen sein kann, voallem wegen der S und Z laute, die ja immer feucht ausgesprochen werden. Das Problem ist wohl in ganz EU land das Selbe, es gibt zu wenig Testmöglichkeiten bzw. sie werden nicht richtig eingesetzt.

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