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Der Fotograf Christoph Brech Mit dem Bayerischen Staatsorchester auf Tour

Im Jahr 2016 ging das Bayeriche Staatsorchester auf eine ausgedehnte Europa-Tournee, Anfang 2018 folgten Konzerte in der Hamburger Elbphilharmonie und der New York Carnegie Hall. Begleitet hat diese Gastspiele der Videokünstler und Fotograf Christoph Brech.

Buch-Cover: Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester on Tour | Bildquelle: Schirmer/Mosel Verlag

Bildquelle: Schirmer/Mosel Verlag

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BR-KLASSIK: Musik sind Schallwellen, Sie als Fotograf haben es mit Lichtwellen zu tun. Wie Überträgt man das eine in das andere Medium?

Christoph Brech: Das ist eine komplexe Frage ...

BR-KLASSIK: Sie können es auch ganz einfach beantworten und sagen: Ich drücke auf den Knopf – und es macht Klick. (lacht)

Christoph Brech: So ähnlich ist es. Man versucht natürlich, die Situationen, die man akustisch mitbekommt, in ein Bild einzufangen. Im besten Fall gelingt das auch – und das ist auch bei einigen dieser Fotos gelungen, wie ich finde.

BR-KLASSIK: Woran erkennen Sie das? Was macht so ein Bild aus, das den Klang visualisiert?

Christoph Brech: Sehr gut eingefangen war beispielsweise ein Bild nach einer Generalprobe in Luzern. Da hat sich Kirill Petrenko nach den "Vier letzten Liedern" von Strauss noch einmal mit der Sopranistin Diana Damrau unterhalten. Das war ein so intimer Moment: Die letzten Klänge und die Atmosphäre des letzten Liedes waren noch in der Luft – und dann diese Intimität der beiden zueinander und miteinander! Man muss das eigentlich nicht hören, man kann es sehen.

BR-KLASSIK: Toll, das sieht man dann eigentlich an den Gesichtern! Mir ist aufgefallen, dass man bei Petrenko oft sieht, wie die Adern hervortreten. Es ist überhaupt nicht geschönt.

Christoph Brech: Es gab ja verschiedene Projekte, die ich auf dieser Konzertreise betreut habe: einmal die Pressefotografie, dann die Fotos für die Ausstellungen, die jetzt in der Staatsoper läuft, und gleichzeitig auch die Fotografien für das Buch. Da wurde immer ausgewählt ... So eine anstrengende Situation konnte natürlich nicht als Pressefoto 'rausgehen. Für das Buch und auch die Ausstellung hingegen waren ja gerade solche Momente besonders wichtig, die eine so intensive Arbeitsatmosphäre im Bild zeigen.

BR-KLASSIK: Wie geht es denn den Künstlern mit den Bildern? Die sind ja sonst von den Hochglanz- und Werbungsfotos eine ganz andere Bildsprache gewohnt ... Und plötzlich kommen Sie und zeigen quasi den Schweiß, der von den Gesichtern rinnt.

Christoph Brech: Petrenko beispielsweise kann manchmal schon sehr speziell sein ... Manches will er überhaupt nicht, aber dann erlaubt er andererseits wieder Sachen, wo ich selber überrascht bin, dass er sie erlaubt. Weil er in dem Bild dann etwas sieht, was authentisch ist. Und darum geht es ja letztlich – und nicht darum, irgendwelche eigenen Fantasien umzusetzen, sondern trotz aller künstlerischen Freiheit doch eine gewisse Dokumentation dieser Reise zu machen, wenn auch vielleicht aus einem speziellen Blickwinkel.

BR-KLASSIK: Aber der Fotografierte soll sich ja darin wiedererkennen. Haben Sie da ein Beispiel, wo Kirill Petrenko zuerst skeptisch war und dann doch sein OK gegeben hat?

Christoph Brech: Na ja, ich war zuerst skeptisch, ob er beispielsweise das Cover-Foto des Buchs erlaubt: Da ist er ja in einer fast aggressiven Pose zu sehen, so wie ein Torero. Sein Dirigentenstab geht wie ein Speer in die Luft. Da dachte ich, dass wir das nicht genehmigt bekommen. Aber Petrenko meinte, das sei wunderbar. Da war ich überrascht.

BR-KLASSIK: Sie sind ja auch ausgebildeter Gärtner. Ich stelle mir vor, dass man da ja sehr geduldig und sorgfältig mit den Pflanzen umgeht. Kann man da in den anderen Beruf etwas mitnehmen – oder hat das gar nichts miteinander zu tun?

Christoph Brech: Ich sag mal ganz ehrlich: In einer Gärtnerei ist man nicht sehr sorgfältig und auch nicht sehr geduldig mit dem Pflanzen, sondern die müssen einfach funktionieren, wie wir uns das vorstellen. Da ist nicht viel mit Abwarten. Aber ich bin ja nach wie vor Hobbygärtner und pflege auch den großen Garten meiner Eltern. Und da ist genau dieser beobachtende Moment ganz wichtig: Wie verhält sich Licht und Schatten, die Jahreszeiten ... Das ist alles ganz wichtig, wenn ich im Museum oder in Gärten fotografiere. Wenn man mit dem Orchester unterwegs ist, dann ist das schon anders: Da geht es tatsächlich auch um Zeit, und Sie müssen genau den richtigen Moment einfangen. Da hat man weniger Geduld. Und ich kann auch nicht so lang warten, wie wenn ich in einem Palast fotografiere oder in einer Kirche auf den richtigen Moment warte, dass das Licht stimmt und dass das beleuchtet ist, worum es mir geht. Das funktioniert natürlich nicht beim Orchester: Das ist eine ganz andere Art zu fotografieren.

Informationen zum Buch

Das Bayerische Staatsorchester mit Kirill Petrenko on tour
Photographien von Christoph Brech

Mit Texten von Nikolaus Bachler und Reinhard Brembeck
176 Seiten
76 Photographien in Farbe

ISBN 978-3-8296-0851-0
39,80 Euro

Sendung: Leporello am 23. Januar 2019 ab 16:05 auf BR-KLASSIK

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