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Corona-Virus Kulturelle Zwangspause in Hongkong

Die Angst vor einer Verbreitung des Corona-Virus ist groß in Hongkong. Das hat starke Auswirkungen auf den Kulturbetrieb. Konzertsäle, Schulen, Theater und Bibliotheken haben geschlossen, Festivals werden abgesagt. Die Stimmung in der Bevölkerung droht zu kippen.

Modell des Corona-Virus 2019-nCoV  | Bildquelle: picture alliance/ZUMA Press

Bildquelle: picture alliance/ZUMA Press

"Bis auf weiteres geschlossen". So steht es auf Englisch und Kantonesisch an den verriegelten Glastüren von Hongkongs Kulturzentrum in Kowloon direkt an der Hafenpromenade. Unmittelbar daneben das Hong Kong Museum of Art. Es ist ebenfalls geschlossen, wie überhaupt alle Museen und Konzertsäle in öffentlicher Hand, alle Schulen, Universitäten und Bibliotheken.

Ohne soziale Kontakte keine Viren

Bildung und Kultur müssen sich dem neuartigen Corona-Virus beugen, denn wo sich keine Menschen versammeln, da können sich keine Viren ausbreiten. So lässt sich die Strategie der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam zusammenfassen, soziale Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren. Diese Strategie macht es unmöglich, den Orchestermanager des Hongkong Philharmonic Orchestra an seinem Arbeitsplatz zu besuchen. Für Benedikt Fohr ist Heimarbeit angesagt – und eine kulturelle Zwangspause. "Es ist alles geschlossen. Man weiß nicht mehr, was man abends tun kann. Da wird einem bewusst, was fehlt."

Asientournee auf der Kippe

Das Boston Symphony Orchestra sagte virenbedingt seine Asientournee ab. Neben Shanghai, Taipeh und Seoul sollte das Orchester auch in Hongkong spielen. Aber auch die Hongkonger Philharmoniker können nicht wie geplant reisen. "Wir haben selber auch Tournee-Projekte nach Korea und Japan, erklärt Fohr. "Im Moment sind wir mit den Botschaften in Kontakt und hoffen, dass wir eine Zusage für die Reise bekommen, zumal wir für die Tournee auch eine Vorbereitungszeit brauchen. Ein Orchester, das drei Wochen nicht gespielt hat und dann auf Tournee geht, ist fragwürdig." Benedikt Fohr hofft, dass Ende Februar wieder ein Saal zur Verfügung steht, in dem die Philharmoniker proben können. Dies ist allerdings abhängig davon, wann der "Peak" kommt, also der Höhepunkt der Corona-Virus-Ausbreitung.

Zunehmend isoliert

Noch gibt es im Vorverkauf Tickets für die Art Basel Hong Kong ab Mitte März. Dagegen musste das Hong Kong Arts Festival bereits einen Teil seines Programms absagen. Keine Eröffnung am Sonntag, kein Programm bis einschließlich 18. Februar. Ob die weiteren Termine bis März stattfinden können, ist noch unklar. Dabei wäre Kultur doch gerade jetzt wichtig, sagt Fernando Cheung. Er ist im Hongkonger Parlament der einzige Abgeordneter der sozialdemokratisch orientierten Labour Party. "Wir Menschen brauchen Verbindungen, Kontakte, Treffen. Zumindest also sollten wir auf Technologie setzen. Jeder hat ein Smartphone, Zugang zu Social Media. Das müssen Organisationen stärker nutzen." Sonst, so Cheung, wächst das Gefühl der Isolation in der 7-Millionen-Einwohner-Metropole.

Es ist nicht nur langweilig, es fehlt nicht nur Abwechslung, sondern die Stimmung droht zu kippen in Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit.
Fernando Cheung, Parlamentsabgeordneter in Hongkong 

Für den Manager der Hongkonger Philharmoniker ist die gegenwärtige kulturelle Zwangspause keine neue Erfahrung. Vor knapp einem Jahr trat Benedikt Fohr sein Amt in der Sonderverwaltungszone Hongkong an. Kurz darauf legten die monatelangen Massenproteste die Stadt vorrübergehend lahm.  "Ich wüsste nicht, was jetzt noch kommen kann. Die Straßen sind leer, man nimmt nur Atemmasken wahr in der Stadt. Es ist wirklich nicht mehr lustig, muss ich sagen."

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