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125. Geburtstag von Duke Ellington Music beyond category

Er hat als Komponist, Bigband-Chef und Pianist den Jazz auf immer geprägt: Duke Ellington. Die BR-KLASSIK Jazzredaktion hat eine Auswahl an Kompositionen von Duke Ellington zusammengestellt, die Sie kennen sollten.

Duke Ellington 1969 in Berlin | Bildquelle: Ludwig Binder/Referat Jazz

Bildquelle: Ludwig Binder/Referat Jazz

"Music beyond category", so bezeichnete Duke Ellington den Jazz immer wieder und das gilt für das gesamte Lebenswerk des Jahrhundertmusikers: Klänge jenseits aller Kategorien.
Edward Kennedy "Duke" Ellington (29. April 1899 – 24. Mai 1974) war auch ein Musiker jenseits aller Kategorien, als Pianist, Bigband-Chef und Komponist setzte er Maßstäbe und bis heute hat sein Werk imensen Einfluss auf die Jazzszene. Von manchen wird er als der bedeutendste afroamerikanische Komponist überhaupt angesehen. Hier eine ganz persönliche Auswahl der BR-KLASSIK Jazzredaktion von Kompositionen von Duke Ellington, die Sie kennen sollten.

Caravan

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Caravan | Bildquelle: Ella Fitzgerald - Topic (via YouTube)

Caravan

Fast bedrohlich knarren die Posaunen und tiefen Saxophone gleich zu Beginn. Dann schlängelt sich die göttliche Stimme von Ella Fitzgerald durch die Melodie von "Caravan". Der markante A-Teil stammt wohl komplett von Posaunist Juan Tizol, der 1929 zu Ellingtons Orchester kam und bis in die 40er-Jahre immer wieder dort spielte. Dieses orientalisch anmutende Thema wurde zu einer von Ellingtons Erkennungsmelodien. Den swingenden Zwischenteil fügte der Duke hinzu und ein genialer Ohrwurm war geboren. "Caravan" ist in unendlich vielen Versionen hinreißend, wenn aber Ella Fitzgerald den Text von Irving Mills singt, dann wird es magisch!

Come Sunday

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Part IV (Come Sunday) (feat. Mahalia Jackson) (Remastered) | Bildquelle: Duke Ellington - Topic (via YouTube)

Part IV (Come Sunday) (feat. Mahalia Jackson) (Remastered)

Magisch! Über weite Strecken einfach nur eine Gesangsstimme – ganz allein. Nur am Anfang und zwischendurch schaltet sich kurz das Klavier ein – wie um mal kurz zu unterstreichen, wie felsenfest die Sängerin den Ton hält und im Metrum bleibt. Die Gospel-Queen Mahalia Jackson singt – oder besser, feiert und jubiliert Duke Ellingtons Lied "Come Sunday" im Jahr 1958, mit homöopathisch dosierter Klavierbegleitung des Komponisten. Ursprünglich war "Come Sunday" gar kein Lied, sondern ein Instrumentalstück: eine fesselnde Kantilene für das fein schweifende Altsaxophon von Johnny Hodges in der Suite "Black, Brown and Beige", die Duke Ellington 1943 bei seinem ersten Konzert in der noblen New Yorker Carnegie Hall uraufführte. "Come Sunday" wurde die berühmteste Melodie daraus: ein bedeutendes Statement auch für den Trost und den Schutzraum, den rassistisch unterdrückte Afro-Amerikaner in der Religion fanden.

Cotton Tail

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"Cotton Tail" (1940) Duke Ellington and Ben Webster | Bildquelle: Natalie Zirpolo (via YouTube)

"Cotton Tail" (1940) Duke Ellington and Ben Webster

Hier geht es gleich mit Volldampf los! Was für ein mitreißendes Thema, immer wieder leicht versetzt, unendlich swingend, dabei absolut trickreich. Dann bratzt die Trompete über den B-Teil, ein für 1940 ziemlich modern klingender viertaktiger Tuttisatz, und Ben Webster legt los. Der Tenorsaxophonist schnurrt sich durch zwei Chorusse dieser als "Rhythm Changes" bezeichneten Akkordfolge: tief bluesgetränkt und mit lässiger Power. Dann steigt die ganze Band ein und veredelt das Stück mit großartigen Linien, Gegenstimmen, Unisono-Passagen und Kurzsoli von Baritonsaxophonist Harry Carney und Duke Ellington am Klavier. Kurzum: "Cotton Tail" in der Einspielung von 1940 ist ein Meisterwerk!

Diminuendo in Blue and Crescendo in Blue

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Diminuendo and Crescendo in Blue, Ellington at Newport 1956 | Bildquelle: Ron Murvihill (via YouTube)

Diminuendo and Crescendo in Blue, Ellington at Newport 1956

Das Konzert am 7. Juli 1956 beim Newport Jazz Festival stand unter keinem guten Stern: Es gab Verzögerungen, das Publikum war genervt, die Musiker gereizt, erst kurz vor Mitternacht betraten sie die Bühne. Eine Suite, die Ellington extra für das Konzert geschrieben hatte, brachte keine Stimmung. Dann kam "Diminuendo in Blue and Crescendo in Blue" und Ellington forderte den Tenorsaxophon-Solisten Paul Gonsalves heraus: "Geh raus und blas Dir die Seele aus dem Leib!" Das tat der Saxophonist, 27 Blues-Chorusse lang. Das Publikum war kaum zu halten und tanzte, jubelte und schrie. Ein magischer Moment des Jazz.

In a Mellow Tone

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1940 HITS ARCHIVE: In A Mellotone - Duke Ellington | Bildquelle: The78Prof (via YouTube)

1940 HITS ARCHIVE: In A Mellotone - Duke Ellington

Gleich mehrere legendäre Jazzmusiker dürfen in der Originalaufnahme von "In a Mellow Tone" auftrumpfen: Zu Beginn Duke Ellington selbst als Pianist. Seine kraftvollen Blockakkorde lösen sich am Ende des Intros in einer romantischen Tongirlande auf, und das coole Thema beginnt. Die Saxophone spielen die Melodie, das Blech die Gegenstimmen. Erster Solist ist Trompeter Cootie Williams. Katzenhaft geschmeidig, mit Einsatz eines Plunger-Dämpfers, schleicht und maunzt er sich durch die Harmonien. Altsaxophonist Johnny Hodges übernimmt und schnurrt rasende 16tel-Noten durch sein Saxophon. Heimlicher Star aber ist Jimmy Blanton, der baumstark swingende Kontrabassist.

In a Sentimental Mood

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Duke Ellington & John Coltrane - In a sentimental mood | Bildquelle: nardewww (via YouTube)

Duke Ellington & John Coltrane - In a sentimental mood

Man könnte folgenden Vergleich ziehen: Johann Sebastian Bach trifft Ludwig van Beethoven und sie spielen gemeinsam aus dem Wohltemperierten Klavier. Hier sind es Duke Ellington und John Coltrane. Jeder vielleicht der prägende Jazzmusiker seiner Generation und gemeinsam spielen sie "In a Sentimental Mood". Ellington am Klavier mit modernen, fast avantgardistischen Begleitfiguren, Coltrane am Tenorsaxophon mit elegant-bluesigem Swing. Beide scheinen sich gegenseitig voreinander zu verneigen und dazu noch vor dieser knisternd subtilen Komposition. Ein Jahrhundertwerk aus der Feder von Duke Ellington.

Isfahan

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Duke Ellington - Isfahan | Bildquelle: Neil Bomb'd (via YouTube)

Duke Ellington - Isfahan

1963 tourte das Duke Ellington Orchestra mit Unterstützung des US-Außenministeriums durch Jordanien, Indien, Pakistan, dem Iran und anderen asiatischen Ländern. Diese aufregenden und neuen Eindrücke verarbeitete Ellington zur "Far East Suite". Wohl das bekannteste Stück aus diesem Werk ist eine Widmung an die iranische Stadt Isfahan. Altsaxophonist Johnny Hodges ist der alleinige Solist des Stücks und mit unendlicher Gelassenheit und klanglicher Schönheit beschreiben diese Töne die Stadt Isfahan. Im Video aus dem Jahr 1965 besonders skurril: Ellington hält Hodges das Notenblatt hin, da er das Thema der ziemlich neuen Komposition noch nicht auswendig spielen kann.

Money jungle

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Duke Ellington - Money Jungle | Bildquelle: JazzTuna (via YouTube)

Duke Ellington - Money Jungle

Die Stimmung ist mies am 17. September 1962 im Studio! Duke Ellington soll als Pianist mit Bassist Charles Mingus und Schlagzeuger Max Roach eine Trioplatte einspielen. Drei ziemlich starke Persönlichkeiten mit klaren musikalischen Ansichten treffen aufeinander und wenn die Mikrophone aus sind, fliegen die Fetzen. Immer wieder steht die Session auf der Kippe und einer der drei will das Studio verlassen. Sie raufen sich aber zusammen und klären den Zwist in der Musik. Harsche, kantige, sich reibende Klänge sind das, in denen man ein kreatives Gegeneinander hört. Bei Musikern dieser überragenden Qualität entsteht dann aber ein Kunstwerk für die Ewigkeit: "Money Jungle".

Mood indigo

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1931 HITS ARCHIVE: Mood Indigo - Duke Ellington (Victor version) | Bildquelle: The78Prof (via YouTube)

1931 HITS ARCHIVE: Mood Indigo - Duke Ellington (Victor version)

Duke Ellington kannte immer die richtigen Leute: Klarinettist Barney Bigard hatte das Thema von "Mood Indigo" von seinem Klarinettenlehrer gelernt. Ellington arrangierte es und schrieb einen B-Teil dazu. Andere mögliche Entstehungsgeschichte: Ellington erzählte wohl, die Melodie sei ihm zugeflogen, als er bei seiner Mutter zuhause am Küchentisch auf das Essen wartete. Sicher ist, 1930 lief es als "Dreamy Blues" im Radio und die Leute liebten es. Es bekam den Titel "Mood indigo" und wurde ein Hit. Der Musikforscher und Komponist Gunter Schuller attestierte "Mood Indigo" den "gleichen Rang für die afroamerikanische Musik, wie die Nocturnes und Balladen Chopins für die europäische".

Prelude to a Kiss

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Prelude To A Kiss | Bildquelle: Duke Ellington - Topic (via YouTube)

Prelude To A Kiss

Duke Ellington war ein bahnbrechender Bigband-Leiter und ein alles überragender Jazz-Komponist. Er war aber auch über Genregrenzen hinweg ein fantastischer Komponist und das hört man in vielen Aufnahmen in kleinen Besetzungen, es tritt aber immer ein bisschen in den Hintergrund. Wenn Ellington ein Ellington-Stück spielte, hatte es fast eine klassische Anmutung, wie etwa bei "Prelude to a Kiss" in der Trioaufnahme aus dem Jahr 1953. Der Pianist spielt bei "Prelude to a Kiss" eigentlich nur das Thema, ein Durchgang und dann ab dem B-Teil in den Schluss. Keine große Sache, kein richtiges Solo, aber eine Lehrstunde, wie eine Melodie phrasiert, gestaltet und variiert werden kann, damit sie unwiderstehlich swingt!

Sendung: "Jazztime" am 29. April 2024 ab 23.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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