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Der Dirigent Jakub Hrůša "Ich fühle mich in Bamberg zu Hause"

Deutsche Musik, böhmische Musik, tschechische Musik - Jakub Hrůša, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, sieht hier vor allem das Gemeinsame. Und die Strömungen fließen für ihn zusammen im Werk Gustav Mahlers, das ihm sehr nahe steht. Am 20. und 21. September eröffnet er die Saison in Bamberg mit Bach, Wagner und Suk. Anschließend wird er vegetarisch essen gehen.

Dirigent Jakub Hrůša | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

BR-KLASSIK: Jakub Hrůša, Sie sind seit einem Jahr Chefdirigent der Bamberger Symphoniker. Was hat Sie in diesem ersten Jahr am meisten erfreut?

Jakub Hrůša: Also, die Verbindung mit den Musikern und dem Publikum in Bamberg ist etwas Besonderes. Ich wusste, dass die sogenannte Familie Bambergs wunderbar sein würde, aber es ist sogar noch schöner als erwartet. Ich habe das Gefühl, dass ich in Bamberg tatsächlich musikalisch und menschlich zu Hause bin, und - obwohl das vielleicht einfach klingt - das ist wirklich ein Geschenk.

Typisch zentraleuropäisch?

BR-KLASSIK: Bei Ihrem Antritt haben Sie angekündigt, viel tschechisches Repertoire dirigieren zu wollen. In der neuen Spielzeit kombinieren Sie zum Beispiel Dvorák mit Brahms, Smetana und Dvorák mit Sibelius, Mozarts "Prager" Symphonie mit Dvoráks Achter - das sind jetzt ein paar Beispiele. Welche Eigenschaften, welche Leidenschaften hat tschechische Musik?

Jakub Hrůša: Mehr und mehr fühle ich, dass die Unterschiede in Sachen Leidenschaft nicht so groß sind. Trotzdem muss ich sagen, dass ein Programm wie zum Beispiel in dieser Woche - mit Suks "Asrael" und Wagners "Karfreitagszauber" aus "Parsifal" - in der Nähe und gleichzeitiger Verschiedenheit der Werke eine inspirierende Kombination darstellt. Aber das ist nur, weil wir diese Konfrontation ganz klar machen. Wenn Sie zum Beispiel die Musik von Suk - oder auch die von Dvorák oder Brahms - in den USA oder England aufs Programm setzen, dann würde man diese Werke eher als typisch zentraleuropäisch einordnen als böhmisch oder deutsch. Ich glaube wirklich, all dies entstammt derselben Familie - musikalisch gesehen.

Brahms und Dvorák haben viel voneinander gelernt.
Jakub Hrůša

BR-KLASSIK: Also passen Brahms und Dvorák, die sich ja auch persönlich gekannt haben, ganz gut zusammen und ergänzen sich irgendwo?

Jakub Hrůša: Ja, sie passen zusammen, und man bemerkt ganz klar, dass Brahms vielleicht ein bisschen mehr Ratio, also Vernunft, benutzt hat, Dvorák hingegen etwas mehr Instinkt und Emotion - aber auch, dass jeder vom jeweils anderen viel gelernt hat. Diese Verbindungen sind wirklich interessant.

Hoffnung und Schönheit

Jakub Hrusa, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker | Bildquelle: BR/Andreas Herzau Bildquelle: BR/Andreas Herzau BR-KLASSIK: Im ersten Konzert starten Sie mit einem großen Aufgebot; es geht um Passionen, um Askese, um den Tod. Sind Sie ein Mensch, den derartige Extreme immer wieder beschäftigen?

Jakub Hrůša: Wissen Sie, ich finde das nicht extrem. Ich habe festgestellt, dass diese Musik - vor allem Wagner und Suk - so von Hoffnung und Schönheit erfüllt ist, von leichten Klängen auch. Nach den Proben bin ich sehr zufrieden und in einer wunderbaren Stimmung - als ob ich das gesündeste Essen gegessen hätte. Dasselbe wünsche ich dem Publikum: dass die Leute aus diesem Konzert mit etwas sehr Schönem nach Hause gehen werden.

BR-KLASSIK: Sie haben das gute, gesunde Essen angesprochen. Nach dem Konzert werden Sie wahrscheinlich essen gehen - und was gibt es dann bei Ihnen?

Jakub Hrůša: Also in diesem Fall vielleicht etwas Vegetarisches (lacht)

Das Essen balanciert die Musik

BR-KLASSIK: Wegen Wagner?

Jakub Hrůša: Ja, wegen Wagner - aber auch, damit das Essen die Musik ein wenig balanciert, obwohl die ja auch ihre leichten Elemente hat: Es geht nicht nur um den Tod und solche Sachen. Für uns Musiker ist ein solches Konzert spannend; wir werden wirklich müde. Daher essen wir nichts Großes, aber trinken sicher ein Glas Bier!

Mahlers Musik steht den Bamberger Symphonikern genetisch sehr nahe - und mir auch.
Jakub Hrůša

BR-KLASSIK: Mahler war ja auch Vegetarier. Den werden Sie auch dirigieren. Sie haben gesagt, Mahler muss sein. Warum muss Mahler sein?

Jakub Hrůša: In Mahlers Musik fließen die Traditionen zusammen, für die die Bamberger Symphoniker stehen. Sie steht dem Orchester genetisch wirklich sehr nahe - und mir auch. Wenn wir über Dvorák und Brahms sprechen, ist das schön, aber Mahler steht der Vergangenheit des Orchesters noch näher. Es wäre schade und traurig für mich, wenn wir als neues Team diese Tradition nicht weiterverfolgen und deren Schönheiten nicht weiterhin gemeinsam entdecken. Im letzten Jahr haben wir die Erste Symphonie gespielt. Das war so toll, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dort aufzuhören.

Die Fragen stellte Sylvia Schreiber für BR-KLASSIK.

Sendung: "Leporello" am 19. September 2017, 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Erstes Saisonkonzert der Bamberger Symphoniker

Mittwoch, 20. September 2017, 20:00 Uhr
Donnerstag, 21. September 2017, 20:00 Uhr
Bamberg, Konzerthalle

Johann Sebastian Bach:
Toccata und Fuge d-Moll BWV 565,
Fassung für Orchester von Leopold Stokowski
Richard Wagner:
"Karfreitagszauber" aus "Parsifal"
Josef Suk:
"Asrael", Symphonie für großes Orchester op. 27

Bamberger Symphoniker
Dirigent: Jakub Hrůša

Daten und Fakten rund um die Spielzeit 2017/2018 der Bamberger Symphoniker finden Sie auf der Homepage des Orchesters.

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