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Zum Tod des Komponisten Walter Haupt Der Tausendsassa

Er schrieb Musik, er dirigierte sie und er brachte sie auf die Bühne. Walter Haupt war ein musikalischer Vielseitiger. Und ein Mann für die große Show. Hunderttausende sahen seine Licht-Spektakel bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Jetzt ist der Komponist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Walter Haupt | Bildquelle: Philip Brunnader/ Landestheater Linz

Bildquelle: Philip Brunnader/ Landestheater Linz

Priester wollt er mal werden. Und weit entfernt davon ist er am Ende eigentlich auch nicht gelandet. Immerhin gehört das Spektakel zur DNA des Katholizismus. Und mit dem Spektakel hatte es Walter Haupt. Die Olympischen Spiele 1972 in München eröffnete er mit einer Lichtshow. In Linz rief er Ende der Siebziger die "Klangwolken" ins Leben, ein Open-Air-Musikfestival, das es noch heute gibt. Und seine Oper "Marat", 1989 zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution uraufgeführt, versammelte nicht weniger als 150.000 Zuschauer auf dem Münchner Königsplatz.

Walter Haupt: getrieben von einer "krankhaften Neugier"

Eine beinah krankhafte Neugier treibe ihn an, hat Haupt mal BR-KLASSIK erzählt. "Ich muss alles wissen, alles hinterfragen, auch beim Komponieren. Das ist wirklich ein wichtiger Charakterzug bei mir." Aufgewachsen ist dieser zeitlebens Getriebene im kriegszerstörten München. Während Gleichaltrige zwischen den Ruinen Fußball spielen, sitzt er am Klavier. Bis zu fünf Stunden täglich, die ehrgeizige Mutter immer an seiner Seite. Schwäche gibt's nicht. Krank? Egal! Geübt wird immer. Und Walter mutiert zum "Wunderkind".

Nach der Schule dann das Studium an der Musikhochschule München und am Mozarteum in Salzburg. Und nach dem Studium: Reisen. 16 Jahre lang ist er in der Weltgeschichte unterwegs, sieht fast 50 Länder, meistens vom Dirigentenpult aus, und schreibt Musik. Es habe Zeiten gegeben, da sei das Komponieren sein Lebensinhalt gewesen, erinnerte sich Haupt mal in einem Interview. "Es hat aber auch Zeiten gegeben, da wollte ich viel lieber dirigieren – und dann auch Zeiten, da wollte ich inszenieren. Das wechselte sich eigentlich ständig ab." Kein Wunder, dass der Tausendsassa Haupt in Herbert von Karajan ein Vorbild fand. "Der hat mich in dieser Sache bestätigt", erzählte er. "Der Karajan hat mir erzählt: 'Ich hab' genauso das Gefühl, ich muss dirigieren und inszenieren.' Komponiert hat er halt nicht, das hab' ich ihm vorausgehabt." Sprachs – und kicherte.

Haupt war vieles, nur Lehrer war er nicht

Es gibt ein paar große Namen, die die Lebensgeschichte von Walter Haupt flankieren. Nicht nur Karajan. Auch der Komponist Carl Orff ist dabei, ein Mentor von Haupt. Oder die Wagner-Erbin Winifred, eine giftige Kritikerin seines Werks. Und, ja, auch Uwe Ochsenknecht – der Schauspieler gab den Graf Dracula in einem von Haupts Musicals. Nicht zu vergessen natürlich August Everding, der eine Weile lang sein Chef war: Walter Haupt leitete über ein Jahrzehnt die Experimentierbühne im Münchner Nationaltheater, spielte außerdem als Schlagzeuger im Bayerischen Staatsorchester.

Haupt war also vieles im Lauf seines langen Lebens. Eines war er aber nicht: Lehrer. Zu ungeduldig sei er dafür, sagte er, ein Choleriker halt. Gemerkt habe er das jedes Mal, wenn er dirigiert habe. "Meine Kollegen haben immer gesagt: 'Als Kollege ist er wunderbar, aber wenn er oben am Pult steht, ist er ein Schwein'." Am Pult sei er ein Diktator, gestand Haupt, ein Getriebener seiner eigenen musikalischen Vorstellung. Nun ist dieser Getriebene im Alter von 88 Jahren verstorben.

Sendung: "Leporello" am 23. Mai ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (2)

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Freitag, 26.Mai, 16:52 Uhr

Herbert Hanko

Walter Haupt

Er gehörte zu der Garde der zeitgenössischen Komponisten, die ich vor 24 Jahren bat, für mein Projekt „Salon 2000“ ein Stück für Salonorchester zu schreiben. Florian Sonnleitner stellte es aus der Riege des Symphonieorchesters zusammen.
Leider gab es nur wenige Aufführungen, da wenig Unterstützung durch den BR.
Immerhin wurde ein Mitschnitt gemacht, aus dem immer noch Teile gesendet werden, auch sein Beitrag.
Walters (ich war bis zuletzt befreundet mit ihm) Czardas war sensationell und entsprach seinem hier geschilderten Naturell.
Auch das könnte er,
Wir behalten ihn in bester Erinnerung.

Dienstag, 23.Mai, 18:21 Uhr

Selma Bergmann

Wie traurig

Ich hatte das Glück, Walter kennengelernt zu haben: er war ein warmherziger, offener, lieber Mensch und ein großartiger, leidenschaftlicher Musiker.
Wir werden ihn schmerzlich vermissen!

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