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Kritik – Glucks "La Clemenza di Tito" in Bayreuth Mächtig lebendig

Mozarts "Tito" ist weltbekannt. Christoph Willibald Gluck hat schon 40 Jahre vorher eine Oper über den römischen Kaiser komponiert. Sie erklang zur Eröffnung der Gluck Festspiele im Marktgräflichen Opernhaus Bayreuth. Eine Entdeckung!

Ensemble in der Aufführung von "La Clemenza di Tito" von Christoph Willibald Gluck im Marktgräflichen Opernhaus Bayreuth im Mai 2024. | Bildquelle: Beth Chalmers

Bildquelle: Beth Chalmers

Mit großer Kraft drängt Christoph Willibald Glucks Musik hier in der Ouvertüre seiner Oper "La Clemenza di Tito" wieder an die Öffentlichkeit. Lange hat sie auf ihre Wiederentdeckung gewartet, und die Erwartung des Festspielpublikums auf diese Wiedererweckung im Markgräflichen Opernhaus von Bayreuth wurde zuvor noch durch die im geistlichen Stil von der barocken Proszeniumsloge gepredigte Eröffnungsrede von Pater Anselm Grün überspannt. Auch die eigentliche Aufführung beginnt mit gesprochenem Wort: Der Schauspieler Thorsten Danner übernimmt die Rolle des Erzählers locker und unterhaltsam in heutigem Duktus und ist ein großer Gewinn für den dadurch trotz seiner Länge kurzweiligen Opernabend.

Das Orchester brodelt unter Michael Hofestetters Leitung

Obwohl der Gluck'sche "Tito" konzertant gegeben wird, bietet das Markgräfliche Opernhaus mit seinem prachtvollen bis ins Unendliche reichenden historischen Bühnenprospekt die ideale Kulisse für diese Aufführung, die von atemberaubend virtuosen Bravourarien im Wechsel der Gefühle aller sechs Protagonisten geprägt ist. Das Barockorchester der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach pulsiert und brodelt unter Michael Hofstetters Leitung. Gefühlvoll in den zarten Klagen, dramatisch in den Zornesausbrüchen. Es menschelt mächtig in dieser Musik.

Kunst mit klarer politischer Message

"Über die Menschlichkeit der Mächtigen", so lautet auch das Motto der diesjährigen Gluck-Festspiele. Die 1752 in Neapel uraufgeführte Version der Gluck-Oper über den vergebenden römischen Kaiser kommt in Konzertversion erstmals nach über zweihundert Jahren wieder auf eine Bühne. Wie später auch Wolfgang Amadeus Mozart, hat Christoph Willibald Gluck für seinen Tito das Libretto des Dichters Metastasio gewählt, in dem Titus seinem Freund Sesto den Mordversuch verzeiht. Der Stoff galt damals als ideales Stück im Geist der Aufklärung, um die Herrschenden zur Nachahmung dieser selbstlos milden Haltung zu erziehen. Es ist Kunst mit klarer politischer Message.

Sesto erstmals wieder von einem Mann gesungen

In Bayreuth kann nun zum ersten Mal die Rolle des Sesto wieder von einem männlichen Sopran gesungen werden. Gluck hatte sie in Neapel für den Kastraten Caffarelli geschaffen, und Bruno de Sà fasziniert mit seinen weichen Piani und extremen Spitzentönen in jeder der großen Arien.

Wiederentdeckung zur rechten Zeit

Auch die vier großartigen Sopranistinnen und Tenor Aco Bišćević als Tito fesseln mit immer neuen gestalterischen Finessen. Dafür bietet Glucks Opera Seria kaum Ensembles, er hat aber in seiner "Iphigenie in Aulis" eine Sesto-Arie zum Ensemble umkomponiert. Dieses erklingt als herrliche Zugabe vor der Pause, gesungen von Robyn Allegra Parton, Hannah-Theres Weigl und Maria Hegele. Glucks "La Clemenza di Tito" sollte man kennen, die Wiedererweckung des Werkes in dieser besonderen Konzertversion kommt zu rechter Zeit.

Sendung: "Leporello" am Freitag, 10. Mai, ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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