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Die Zukunft der Thurnauer Musiktheaterforschung Unsicherer Weg

Unmut in Schloss Thurnau: Budget-Kürzungen und Stellenabbau der Universität Bayreuth treffen auch das Forschungsinstitut für Musikwissenschaft. Dort fürchtet man um die Zukunft einiger Projekte.

Schloss Thurnau | Bildquelle: picture alliance / Volker Rauch/Shotshop | Volker Rauch

Bildquelle: picture alliance / Volker Rauch/Shotshop | Volker Rauch

"Das ist der Raum, wo wir unsere Archive haben, die derzeit nicht bearbeitet werden können", sagt Anno Mungen. Mit besorgtem Blick steht der Musikwissenschaftler und Professor am Forschungsinstitut für Musikwissenschaft Schloss Thurnau (fimt) vor vielen gestapelten Kisten. Meist Schenkungen. "Hier ist zum Beispiel der Nachlass eines relativen bekannten Regisseurs, der vor allem in der DDR gearbeitet, Siegfried Schoenbohm", erklärt Mungen, der zuletzt ein Buch über die Verindungen von Wieland und Wolfgang Wagner zu Hitler veröffentlicht hat. Klavierauszüge seien das, in denen entsprechende Eintragungen sind. "Was damit geschehen soll – weiß ich nicht!" Denn es fehlt an Personal. Die Kisten stehen in einem der zahlreich verschachtelten Räume des fimt-Instituts im oberfränkischen Thurnau, das zur Universität Bayreuth gehört.

Erste Konsequenzen: Das Programmheftarchiv kann nicht weiterbetrieben werden

Der Grund für die Sorgenfalten des Institutsleiters: Wegen Sparmaßnahmen innerhalb der Universität musste das Institut eine halbe Stelle abgeben. "Da wir ohnehin einen kleinen Stellenplan haben ist das für uns wirklich existenziell bedrohlich. Das ist die zweite für uns relative große Kürzung seit 2014. Gerade hier draußen in Thurnau ist es schwierig die Arbeit aufrecht zu erhalten." Betroffen von der Streichung ist eine Stelle, die für Öffentlichkeitarbeit und die Herausgabe der "Thurnauer Schriften" zuständig war. Die Arbeit wurde bereits umverteilt sagt Anno Mungen, aber dafür musste die Zeitschrift ACT! – eine Onlinezeitschrift für Musik und Performance, die seit 2010 existiert, erstmal eingefroren werden. Und die andere Konsequenz: Das Programmheftarchiv hat derzeit 40.000 Einheiten, in die den letzten zehn Jahren in Ordnung gebracht wurde, das kann jetzt nicht weitergeführt werden, weil das Personal fehlt, um das Archiv weiter zu betreiben.

Der Unmut in Thurnau ist groß. Auch Richtung Universitätsleitung

Gegründet wurde das fimt mit Empfehlung des Strukturbeirates des Freistaates Bayern 1976. Als Institut, dass Oper und Musiktheater als interdisziplinäre Phänomene untersucht. Schon ein Jahr später zog es in eine der größten Schlossanlagen in Nordbayern. Teile davon stammen aus dem 13. Jahrhundert. Begonnen hat man in Thurnau mit einem Stellenplan von acht Mitarbeitern – damals noch ohne Lehrauftrag. Nun sind es neben der Professur von Anno Mungen noch drei Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiter und eine halbe Stelle für nicht-wissenschaftliches Personal. Der Unmut in Thurnau ist daher groß. Auch Richtung Universitätsleitung. 

Schuld an der Kürzung: geänderte Mittelverteilungen

Der Präsident der Hochschule, Stefan Leible, beschwichtigt. Er sagt: Schuld an der Kürzung seien geänderte Mittelverteilungen. "Es waren keine Einsparungen des Bayerischen Freistaates, sondern aufgrund von Bundesvorgaben eine andere Verteilung innerhalb der bayerischen Universitäten. Das heißt einige bayerische Universitäten haben dazu gewonnen, andere mussten abgeben – darunter die Universität Bayreuth. Das tut natürlich weh."  Insgesamt 23 Stellen mussten in Bayreuth gestrichen werden. Welche das waren, das habe die Hochschulleitung gemeinsam mit den Fakultäten entschieden. Dabei betont Leible: "Ich sehe keine ernsthafte Bedrohung der Arbeit des fimt, aber die Arbeit wird sicher schwieriger werden, aber da müssen wir durch, aber wo wir unterstützen können tun wir das und haben es auch immer schon getan."

Für die Mitarbeitenden am Instituts stellen sich Zukunftsfragen

Die Stimmung in Thurnau ist dennoch angespannt. Musikwissenschaftlerin Silvia Bier hat eine Planstelle und will mit ihrer Habilitation beginnen. Doch auch sie stellt sich nach der weiteren Kürzung die Frage: Wie sieht die Zukunft des Instituts aus? "Es ist einfach eine grundsätzliche Verunsicherung – man würde sich lieber auf vollständig auf Forschung und Lehre konzentrieren ohne diese Sorgen im Rücken zu haben", erklärt Bier. Die Hoffnung in Thurnau daher: Dass es nicht noch stiller auf den historischen Gängen wird.  

Sendung: "Leporello" am 3. Februar 2023 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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