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Vokalensemble Sjaella "Wir haben eine gemeinsame Seele"

2005 gründete sich die Leipziger a-cappella-Formation Sjaella. Repertoiregrenzen scheren die sechs Musikerinnen herzlich wenig, und ein gewisses Risiko gehört für sie beim Musizieren einfach dazu. Beim Musikfest Schloss Dürrenmungenau geben sie zwei Konzerte - das eine davon mit den Herren des Vokalquartetts Quartonal.

Sjaella Vokalensemble | Bildquelle: © Jörg Singer

Bildquelle: © Jörg Singer

Das komplette Interview zum Anhören

BR-KLASSIK: Der Name des Ensembles "Sjaella" ist entlehnt vom nordischen Wort für "Seele". Da schwingt etwas Ätherisches mit, etwas Märchenhaftes, etwas Romantisches. Beschreiben Sie uns doch einmal Ihre Vorstellung von Seele.

Franziska Eberhardt: Die Seele ist für uns das, was wir zum Klingen bringen; sie ist der tiefste Ursprung von allem, was beim Musikmachen herauskommt. Und wir haben festgestellt, dass wir nicht nur sechs verschiedene Seelen besitzen, sondern dass wir auch eine gemeinsame Seele als Gruppe haben und eine gemeinsame musikalische Idee vertreten. Somit ist es nicht nur eine personifizierte Seele, sondern auch die Seele unserer Musik.

BR-KLASSIK: Was die Zuhörer immer unglaublich fasziniert, ist, dass man den Eindruck hat, diese sechs Seelen atmen aus einer Brust. Wie macht man das, dass man kein Atemzeichen hört, sondern dass das alles so ineinanderfließt?

Franziska Eberhardt: Die Kunst daran ist, dass das nach Jahren des gemeinsamen Praktizierens einfach funktioniert. Dazu gehört natürlich, dass man sich traut und kleine Risiken eingeht. Das hat uns damals John Potter vom damaligen Hilliard Ensemble gelehrt. Seitdem probieren wir das immer wieder und es klappt - wie Magie.

Es gibt Rollenverteilungen innerhalb einer Gruppe, die natürlich entstehen.
Viola Blacher und Franziska Eberhardt von Sjaella

BR-KLASSIK: Gibt es denn eine von den sechs, die so ein bisschen mehr das Ruder in der Hand hat?

Viola Blacher: Es gibt natürlich gewisse Rollenverteilungen innerhalb einer Gruppe, die ganz natürlich entstehen, wenn man so lange zusammen singt. Es gibt bei uns keine Chefin, aber es hat sich einfach herauskristallisiert, welche Stärke bei wem liegt. Wir beide beispielsweise haben die meisten Klavierkenntnisse und können die Proben musikalisch am Klavier leiten und andere bringen dafür eher kreative Sachen ein, wieder andere übernehmen gewisse organisatorische Aufgaben. Das hat sich ganz natürlich so verteilt.

Care Workshop Charlotte Jordanien | Bildquelle: © Raphael Hustedt

Bildquelle: © Raphael Hustedt

Sjaella in Jordanien

Ein Workshop im Flüchtlingscamp

BR-KLASSIK: Das Repertoire ist ja unglaublich groß. Gibt es da innerhalb des Ensembles jemanden, der in Richtung Jazz geht - oder auch in Richtung Soul oder Klassik?

Franziska Eberhardt: Ja, da gibt es auf jeden Fall Verteilungen. Gerade Viola und ich studieren beide klassischen Gesang, bzw. Viola studiert Alte Musik. Und das ist dann natürlich auch so eher unser Bereich, in dem wir sehr viel Input geben können. Und dann gibt es Ensemble-Mitglieder, die im Jazz, Blues und Soul groß geworden sind - auch im Elternhaus. Da bringt jeder ganz unterschiedliches Repertoire und unterschiedliche Ideen ein.

Wir sind mehr oder weniger miteinander aufgewachsen.
Viola Blacher und Franziska Eberhardt von Sjaella

BR-KLASSIK: Und die Klassiker rümpfen nicht die Nase, wenn jemand mit einem Pop-Arrangement kommt?

Franziska Eberhardt: Nein, überhaupt nicht. Uns liegt allen gleichermaßen viel an den verschiedenen Genre und daran, dass wir wirklich mehrgleisig fahren. Wir sind ja auch mehr oder weniger miteinander aufgewachsen und haben unsere gegenseitigen Musikgeschmäcker auch sehr geprägt und gegenseitig beeinflusst.

BR-KLASSIK: Für das Konzert in Schloss Dürrenmungenau kommen vier Männerstimmen dazu - von Quartonal. Wie hält man denn da die Balance?

Viola Blacher: Das ist eigentlich von der Natur aus gegeben, weil sechs Frauenstimmen und vier Männerstimmen zusammen sehr schön harmonieren. Man kann herrliches zehnstimmiges Repertoire machen und der Klang ist ausgeglichen.

Franziska Eberhardt: Dazu kommt im Fall Quartonal, dass alle wirklich phantastisch ausgebildete Solosänger sind. Alle können in unterschiedlichen Bereichen sehr viel beitragen - sprachlich und stilistisch. Das ist eine wahnsinnige Erleichterung für uns.

Die Fragen stellte Sylvia Schreiber für BR-KLASSIK.

Sjella beim Musikfest Schloss Dürrenmungenau

Das Musikfest Schloss Dürrenmungenau findet vom 15. bis 17. September 2017 statt.
Die Vokalgruppe Sjella gibt dort zwei Konzerte:

Doppelkonzert mit der männlichen a-cappella-Formation Quartonal
Samstag, 16. September, 20:30 Uhr

Kinderkonzert
Sonntag, 17. September, 11:00 Uhr

Infos zu Programm und Vorverkauf finden Sie hier.

Sendung: Leporello am 15. September ab 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK.

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