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Zum Tod des Dirigenten Werner Andreas Albert Anwalt der Komponisten am Rande des Repertoires

Er war Chef der Nürnberger Symphoniker, er leitete 25 Jahre das Bayerische Landesjungendorchester, er machte Karriere in Australien. Mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem Symphonieorchester des BR nahm er unzählige Werke auch weniger bekannter Komponisten auf. Jetzt ist Werner Andreas Albert, wie BR-KLASSIK aus den Kreisen der Familie erfahren hat, im Alter von 84 Jahren gestorben.

Der Dirigent Werner Andreas Albert | Bildquelle: Archivaufnahme des Bayerischen Landesjugendorchesters

Bildquelle: Archivaufnahme des Bayerischen Landesjugendorchesters

Nachruf

Der Dirigent Werner Andreas Albert

Wer ihn in den Siebziger Jahren an der Spitze der Nürnberger Symphoniker erlebte, der fühlte sich manchmal an Beethoven erinnert – eine gedrungene, stämmige Erscheinung, mit wallender Mähne über dem männlich-markanten Gesicht, ein Kraftpaket: Werner Andreas Albert, deutscher Dirigent aus der Generation von Abbado, Ozawa und Norrington. Den vollen Sound und die schnittigen Tempi liebte er. Weit ist er in der Welt herumgekommen.

Karajan- und Rosbaud-Schüler

Geboren wurde Werner Andreas Albert 1935 in Weinheim im Nordwesten Baden-Württembergs. An der Universität in Heidelberg studierte er Musikwissenschaft und Geschichte, an der Musikhochschule in Mannheim Dirigieren. Um 1960 war er Schüler von Herbert von Karajan und Protegé von Hans Rosbaud. Der vermittelte ihm sein spektakuläres Debüt 1961 in Mannheim – mit Yehudi Menuhin als Solisten von Beethovens Violinkonzert und dem Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks, dem heutigen hr-Sinfonieorchester.

Der Anfang eines Dirigenten ist immer sehr schwierig. Man soll ein guter Pädagoge, ein guter Psychologe sein, dem Orchester wirklich vorstehen, das Orchester führen.
Werner Andreas Albert

Schnell kam die Karriere in Gang: 1963 wurde Werner Andreas Albert Erster Kapellmeister der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford, 1969 deren Chefdirigent. In der gleichen Position wechselte er 1971 zum Gulbenkian Orchester in Lissabon und 1974 zu den Nürnberger Symphonikern. Bis 1978 war er Symphoniker-Chef, doch blieb er auch danach der süddeutschen Musikkultur eng verbunden – als Dirigierlehrer am Nürnberger Meistersinger-Konservatorium, als Dirigent des dortigen Orchesters und als Künstlerischer Leiter des Bayerischen Landesjungendorchesters, das ein Vierteljahrhundert, bis 2000, unter seiner Ägide stand. Mit dem Münchner Rundfunkorchester, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und mit den Bamberger Symphoniker machte er schier unzählige Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk.

Karriere in Australien

Eine rege Gastdirigenten-Tätigkeit führte Werner Andreas Albert in die USA, nach Südamerika, in die damalige Sowjetunion, nach Südafrika, nach Tokio und Peking. Daneben startete er bereits in den Achtziger Jahren eine neue Karriere in Australien. In Brisbane war er von 1983 bis 1990 Chefdirigent des Queensland Symphony Orchestra und von 1995 bis 1998 Chef des Queensland Philharmonic Orchestra. Mit den australischen Orchestern begann er sich auch in Konzert und Aufnahmestudio intensiv für Musik am Rande des gängigen Repertoires einzusetzen – eine Pionierarbeit, die er mit den Bamberger Symphonikern fortsetzte. Viele Werke von Hermann Goetz, Benjamin Frankel, Richard Wetz, Robert Volkmann und Siegfried Wagner wurden aufgenommen. Dazu entstanden Gesamteinspielungen der Orchestermusik von Hans Pfitzner, Erich Wolfgang Korngold und Paul Hindemith.

Werner Andreas Albert – unvergessen wird er an seinen vielen Wirkungsstätten bleiben. Seine Aufnahmen von ungezählten Werken weniger bekannter, vernachlässigter oder vergessener Komponisten aber werden Referenz-Status für alle Zeiten haben.

Werner Andreas Albert auf BR-KLASSIK

BR-Klassik würdigt den Dirigenten aus Anlass seines Todes mit zwei Sondersendungen:

Dienstag, 12. November, 09:05 Uhr – "Philharmonie"
Samstag, 16. November, 15:05 Uhr –
"On stage"

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