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West Side Story in München Getanzter Bandenkrieg im Deutschen Theater

Sharks gegen Jets, und dazu Hits und heiße Tänze: Vor 60 Jahren wurde die "West Side Story" am New Yorker Broadway uraufgeführt. Das Musical ist ein Plädoyer für Verständnis und Toleranz, und deshalb nach Ansicht von Choreograph Joey McKneely heute aktueller denn je. Jetzt ist Leonard Bernsteins Erfolgsstück wieder in München zu Gast und ab dem 25. April im Deutschen Theater zu erleben.

Seit März tourt die Compagnie des Choreographen Joey McKneely wieder einmal um die Welt – 145 Kisten im Gepäck, verladen auf fünf Lastwagen. Insgesamt sind die Tänzer und Sänger 15 Monate lang unterwegs. Eineinhalb Tage dauert es, an einem neuen Spielort das Brooklyn der 50er Jahre aufzubauen. Das Bühnenbild besteht aus großen Gerüsten rechts und links, mit den typischen New Yorker Hinterhof-Feuertreppen und -Balkonen. Dazwischen ein eigens verlegter Tanzboden und eine Filmleinwand, auf die später Schwarz-Weiß-Fotos projiziert werden: Häuserschluchten aus dem Brooklyn der 50er Jahre.

Wenn man diese Musik nur einmal hört, hat man sie für immer drin.

Faszination West Side Story

Joey McKneely | Bildquelle: Alastair Muir Joey McKneely | Bildquelle: Alastair Muir Die Musik der "West Side Story" sei Kult und übe eine eine große Faszination aus, sagt Regisseur und Choreograph Joey McKneely. Er war Schüler des Uraufführungs-Choreographen Jerome Robbins. Die "West Side Story" auf die Bühne zu bringen geht nur mit Auflagen: Nur ausgesuchte Compagnien dürfen sich das Stück mit den Originaltänzen von Jerome Robbins erarbeiten. Denn die Ur-Choreographien dürfen nicht ohne Weiteres verändert werden. Zu den Glücklichen, die die West Side Story produzieren dürfen, zählt McKneely – deshalb gehen seine Tänzer und Sänger seit 14 Jahren regelmäßig mit diesem Musical auf Tournee.

Nah am Original

McKneely passt die Choreographie an die Fähigkeiten der Tänzer an – denn die hätten sich seit der Uraufführug deutlich verbessert, meint der Compagnie-Chef. Für ihn geht es darum, das Alte zu bewahren und die West Side Story an die Jetztzeit anzupassen. Denn die Geschichte sei nach wie vor aktuell, wenn man etwa an Israel und die Palästinenser denke.

Die West Side Story lehrt uns, dass wir, wenn wir so weiter machen, das kaputt machen, was das Heilmittel für viele Konflikte wäre: die Liebe.
Joey McNeely

50er-Jahre-Look

32 Tänzer und Sänger sind bei der Produktion dabei. Ihr Bühnenoutfit orientiert sich am Look der 50er Jahre. Beim Aufwärmen allerdings tragen alle noch Trainingshose und Schlabberpulli. Auf der Bühne werden für die Aufwärmübungen Ballettstangen aufgestellt: Ganz klassisch bringen sich die teils blutjungen Darsteller mit allerlei Pliés und Dehnübungen in Form.
Die 25-jährige Keely Beirne singt und tanzt die Rolle der Anita. Sie ist überzeugt: "Jerome Robbins war einer der ersten Musical-Choreographen, die den Tanz wirklich dazu benutzt haben, um damit eine Geschichte zu erzählen." Wenn die Jets etwa Krawall machten, sei das genauestens gestaltet – nicht etwa improvisiert. Damit habe Robbins die Welt der Musical-Choreographien verändert: das sei wirklich revolutionär gewesen.

Szene aus West Side Story am Deitschen Theater München | Bildquelle: Deutsches Theater München/Johan Persson

Bildquelle: Deutsches Theater München/Johan Persson

West Side Story: Der Trailer

Sendung: "Allegro" - 20. April 2017 6:05 Uhr

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