BR-KLASSIK

Inhalt

Mittagsmusik - Thema der Woche Astor Piazzolla – Revoluzzer am Bandoneon

Als Astor Piazzolla 1954 mit einem Stipendium nach Paris ging, um Komposition zu studieren, verschwieg er seiner Professorin Nadia Boulanger zuerst, dass er in seiner Heimat Tangos gespielt und komponiert hatte. Seine Professorin aber blieb hartnäckig, suchte nach Piazzollas individueller Handschrift und fand diese auch, als sie ihn das erste Mal am Klavier Tango spielen hörte.

Astor Piazzolla | Bildquelle: © picture alliance/dpa Fotografia

Bildquelle: © picture alliance/dpa Fotografia

Ihre Reaktion war deutlich: "Du Idiot! Merkst Du nicht, dass dies der echte Piazzolla ist, nicht jener andere?“ Du kannst die gesamte andere Musik fortschmeißen!"

Jugend und Kindheit in New York

Astor Piazzolla wurde am 11. März 1921 in Argentinien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Schon bald zog die Familie wegen der schlechten Wirtschaftslage Argentiniens nach New York, wo Piazzolla 17 Jahre seiner Kindheit und Jugend verbachte. Diese Zeit hat ihn sehr geprägt, besonders musikalisch.
Er trieb sich mit seinen Freunden im Stadtteil Harlem herum, stand vor dem berühmten "Cotton Club", um Cab Calloway spielen zu hören und erlebte die Musik von Ellington, Gershwin und Benny Goodman im Radio. Den Tango kannte er nur von den alten Schellackplatten seines Vaters. Eigentlich sollte er ja Bandoneon spielen lernen, doch er entschied sich zuerst für das Klavier. Bei seinem Lehrer lernte er die Musik von Bach kennen und lieben.

Zurück in Argentinien

Astor Piazzolla: Liveauftritt des argentinischern Bandoneon-Spielers, Komponisten und Tango Nuevo -Begruenders in den 80er Jahren. | Bildquelle: © picture alliance/Jazz Archiv Bildquelle: © picture alliance/Jazz Archiv Nach 1936 lebte die Familie wieder in Argentinien. Neben Bach und dem Jazz machte Piazzolla nun seine dritte große Entdeckung: Er hörte ein Konzert des Sextetts von Elvino Vardaro und war sofort von dessen besonderer Tango  Interpretation begeistert.
In Bueons Aires verdiente er sein Geld als Bandoneon Spieler und Arrangeur im berühmten Tango-Orchester von Anibal Troilo, bildete sich parallel aber bei Alberto Ginastera weiter. Die folgenden Jahre waren geprägt von der Suche nach seinem eigenen Stil. Er wollte klassische Werke komponieren, studierte die Musik von Béla Bartók und Igor Strawinsky, und legte zeitweilig sogar sein Bandoneon ganz zur Seite.

Erst die Begegnung mit Nadia Boulanger 1954 öffnete ihm die Augen, und ihm wurde klar, dass er sich nicht zwischen Tango und anspruchsvoller, klassischer Musik entscheiden musste. Er wollte vielmehr versuchen, die Struktur der klassischen Musik mit der Leidenschaft des Tangos zu verknüpfen. Mit seiner Rückkehr aus Paris im Jahr 1955 war damit der Tango Nuevo geboren.

Tango Nuevo

Astor Piazzolla. Ein Bild aus dem Jahre 1990. | Bildquelle: © picture alliance/dpa Bildquelle: © picture alliance/dpa Piazzolla kreierte mit seinem Tango Nuevo eine komplett eigene Musiksprache. Er spickte seine Kompositionen mit rebellischen Elementen aus dem Jazz und der Avantgarde und orientierte sich strukturell an klassischen Werken. Außerdem experimentierte er mit verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen und bezog zeitweilig auch elektronische Instrumente mit ein. Dass er damit bei den Puristen des argentinischen Tangos auf extremen Gegenwind stieß, war zu erwarten. Sein Opus besteht heute aus über 1000 Werken und beeinflusst und inspiriert bis heute Musiker aller Generationen.

Am 5. Juli jährt sich sein Todestag zum 25. Mal. Aus diesem Anlass beschäftigen wir uns in dieser Woche in der Mittagsmusik mit fünf besonderen Stationen seiner Karriere:

Wir werfen einen Blick auf Piazzollas frühe Kompositionen,  auf seine Studienzeit bei Nadia Boulanger in Paris und seine ersten Erfolge mit dem neu entwickelten Tango Nuevo.  Am vierten Tag dreht sich alles um die Geschichte des Tango, musikalisch dargestellt in Piazzollas Tango-Suite "Histoire du tango". Und zum Abschluss der Piazzolla-Woche geht es um Mariá, die Hauptfigur der kleinen Tango-Oper "Mariá de Buenos Aires", die in Buenos Aires ihr Glück sucht, aber inmitten von Bettlern und Zuhältern sterbend zur mythischen Gestalt und zur Verkörperung des Tangos wurde.

    AV-Player