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Stichwort - Claudio Monteverdi Der Mann, der die Oper erfand

Dass er die allererste Oper geschrieben haben soll, ist strenggenommen eine Notlüge - erfunden von der Musikgeschichtsschreibung. Und trotzdem: Den Titel "Opern-Erfinder" hat Claudio Monteverdi sich mit seinem "Orfeo" von 1607 verdient.

Claudio Monteverdi | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Das Stichwort vom 14.05.2017

Claudio Monteverdi

Zugegeben: Wenn man es chronologisch genau nimmt, dann ist Claudio Monteverdis "L‘Orfeo" nicht das erste musikdramatische Werk. Trotzdem gilt er vielen als der Vater der Oper und sein "Orfeo" als das Schlüsselwerk der jungen Gattung. Nie zuvor wurden Madrigale und akkordisch begleiteter Sologesang mit Balletti und instrumentalen Ritornellen so kunstvoll zu einem Gesamtkunstwerk zusammengefügt. Entstanden ist der "Orfeo" während Monteverdis Jahren am Hof der Gonzaga in Mantua.

Kulturell in der ersten Liga

An welchem Tag Monteverdi genau geboren wurde, ist unbekannt. Aber in Cremona wurde er am 15. Mai 1567 getauft. Er wuchs als Sohn eines Arztes in behüteten Verhältnissen auf und wurde von Marc'Antonio Ingegneri unterrichtet. Nach Mantua führte ihn seine erste Anstellung. Dort arbeitete er sich vom einfachen Viola-Spieler bis in das Amt des Hofkapellmeisters hoch. Er heiratete und gründete eine Familie. Mantua war zu dieser Zeit zwar nicht der Nabel der Welt, doch spielte die kleine Residenzstadt dank Vincenzo Gonzage, seit 1587 Herzog von Mantua, kulturell in der ersten Liga. Außerdem kam Monteverdi trotzdem in der Welt herum: Er begleitete seinen Fürsten auf einen Feldzug nach Ungarn und - weniger kriegerisch motiviert, sondern vielmehr schon damals zu Wellness-Zwecken - in den flämischen Badeort Spa.

Kapellmeister bei San Marco

22 Jahre lang stand Monteverdi in den Diensten der Gonzaga, doch beschwerte er sich zuletzt immer häufiger über die Kümmernisse seines Alltags: das feuchte Klima, seine schlechte Bezahlung und die geringe Wertschätzung seiner künstlerischen Leistungen. Im Zuge von Sparmaßnahmen bei Hof wurde ihm schließlich gekündigt. Doch hatte er sich ohnehin schon nach alternativen Arbeitgebern umgesehen. In Venedig trat er schließlich seine zweite Lebensstellung an: Bis zu seinem Tod 1643 prägte er dort das Amt des Kapellmeisters bei San Marco und schuf eine Unzahl von Werken für den Gottesdienst.

Neue Art und Weise des Komponierens

Dass er für Neues immer aufgeschlossen blieb, das bewies Monteverdi, als er sich auf seine alten Tage hin noch einmal der Gattung Oper widmete und an die Erfolge von "L'Orfeo" anknüpfte. Überliefert sind uns von seinen zehn Opern nur drei und dazu eine Vielzahl von Madrigalen, Motetten und Messen. Seinen Platz in den Musikgeschichtsbüchern verdankt Monteverdi auch einem unerbittlich ausgetragenen Diskurs mit dem Musikgelehrten Giovanni Artusi. Dieser hatte die Madrigale des Komponisten kritisiert und ihm einen falschen Umgang mit dissonanten Intervallen vorgeworfen. Monteverdi betitelte seine Kompositionsweise kurzerhand als "seconda pratica", eine neue Art und Weise des Komponierens also, die neben dem überlieferten Stil gleichberechtig sei. Monteverdi ebnete so den Weg für neue, bis dato ungehörte Klangwelten.

Sendungsthema aus "Tafel-Confect" am 14. Mai 2017, 12.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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