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Odysseus Held der griechischen Mythologie

Odysseus, der König von Ithaka, der listenreiche Bezwinger der Trojaner. Seine abenteuerliche "Odyssee" durch die antike Welt steht heute sprichwörtlich für jede Art von Irrfahrt und inspirierte zahlreiche Komponisten.

H.J.Draper, Odysseus und die Sirenen | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Odyssee ist ein Epos, dessen Ursprünge vermutlich bis in spätmykenische Zeit um 1200 vor Christus zurückreichen. Während man es bereits in der Antike als Werk des Sänger-Dichters Homer ansah, geht man heute davon aus, dass auf dem Weg von der mündlichen Überlieferung zur schriftlichen Fixierung mehrere Autorenhände beteiligt waren. Für unsere Zeit sind die homerischen Epen Literatur, aber sie wurden von ihren Dichtern, den sogenannten Rhapsoden, singend vorgetragen.

Fahrende Sänger

Wie die Bänkelsänger des Mittelalters zogen die griechischen Rhapsoden von Hof zu Hof und trugen zur Unterhaltung des Adels Abenteuergeschichten ihrer Vorfahren vor - in einer Art Erzählgesang mit Instrumentalbegleitung. Es gibt über den Gesang der Rhapsoden keine Zeugnisse, erhalten sind nur die Texte der Epen.

Liebe und Abenteuer

"Die Irrfahrten des Odysseus" wird der Titel der Odyssee meist übersetzt - in völliger Verkennung des eigentlichen Themas dieses epochalen Epos. Denn nicht um die Irrfahrten geht es, sondern um die Heimkehr des Totgeglaubten und die unerschütterliche Treue seiner Ehefrau. Das erkannten schon Claudio Monteverdi und sein Librettist Giacomo Badoaro. Sie brachten um 1640 die erste Odysseus-Oper "Il ritorno d'Ulisse in patria" - "Die Rückkehr des Odysseus in die Heimat" heraus.

Nach der Initialzündung durch Monteverdi wurde die Odyssee zu einem beliebten "Steinbruch" für Opern-Librettisten und Komponisten, darunter etwa Nicola Porpora oder Christoph Willibald Gluck. Vor allem die exotischen Geschichten waren beliebt; die Nymphen, Zauberinnen, einäugigen Riesen und wundersamen Völker boten Stoff für das sensationshungrige Publikum.

Faszinierender Charakter

Odysseus fasziniert als Figur durch den zweischneidigen Charakter, den Homer von seinem Helden in dem früheren Epos der "Ilias" zeichnet. Ein glänzender Redner, geschickter Vermittler bei Streit, aber auch rücksichtslos und hinterlistig. Odysseus als listiger Erfinder des trojanischen Pferds rückte aber gegenüber dem Abenteurer und Helden erst später in den Fokus der Oper: in "Les Troyens" von Hector Berlioz.

Sendungsthema aus "Tafel-Confect" vom 8. April 2018, 12.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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