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Art Blakey zum 100. Geburtstag Blues, Soul und Drive

Art Blakey war eine besondere Integrationsfigur für den Jazz: In seiner berühmten Band "The Jazz Messengers" spielten viele Größen des Jazz, bevor sie bekannt waren – Art Blakey machte sie erst groß. Am 11. Oktober 2019 wäre er 100 Jahre alt geworden.

Der Schlagzeuger Art Blakey | Bildquelle: picture alliance/Keystone

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Art Blakey zum 100. Geburtstag

Blues, Soul und Drive

Vom ersten Takt an ein klares Statement: griffiges Thema, markanter Rhythmus, starke Dynamik – so klang Musik unter der Leitung des Schlagzeugers Art Blakey. Sie hatte mitreißenden Schwung. Die Melodien waren einfacher und klarer umrissen als noch ein Jahrzehnt zuvor, als der "Bebop"-Stil die Töne und manchmal auch die Auffassungsgabe der Zuhörer mächtig durcheinandergewirbelt hatte. Diese Musik hier wollte sich mitteilen, Hard Bop nannte man sie wegen der härteren Konturen. Sie hatte Blues und Soul, viel archaische, schwarze Musik schwang im Hintergrund mit bei diesem Jazz-Stil, für den Art Blakeys Band die Keimzelle wurde.

Jazz, der Luft holt und sich aufrichtet

Die berühmtesten Stücke seines Repertoires hatte nicht Blakey selbst komponiert, sondern Bandmitglieder wie der Pianist Bobby Timmons und der Saxophonist Benny Golson. Doch die Energie in epochemachenden Aufnahmen dieser Stücke war ganz die seine. Dieser Musiker schaffte es, einen Schlagzeug-Wirbel so klingen zu lassen, als hole die Musik tief Luft und richte sich auf. Und er hatte offenbar eine besondere Begabung als Integrationsfigur für afroamerikanisches Selbstbewusstsein. Als einer, dessen Spiel in jedem Takt signalisierte: Nehmt eure Kräfte zusammen und zeigt sie auch. Nicht von ungefähr spielten Musiker wie der Trompeter Lee Morgan bei Blakey oft noch ein bisschen energiegeladener und inspirierter als in anderen Aufnahmen. Lee Morgan legte so als 20-Jähriger in der Aufnahme "Moanin'" ein vielbeachtetes Glanzstück hin.

Art Blakey geht nach Afrika

Der Schlagzeuger Art Blakey | Bildquelle: picture alliance/Heritage Images Art Blakey 1973 in London. | Bildquelle: picture alliance/Heritage Images Art Blakey, der früh seine Mutter verlor, bei Verwandten aufwuchs und schon während der Schulzeit in Fabriken und als Musiker arbeitete, hatte zunächst als Pianist angefangen. Als er einen so überragenden Pianisten wie Erroll Garner erlebte, wechselte er ans Schlagzeug, er brachte es sich selbst bei. Erste Sporen verdiente er sich in New York, wo er bei Fletcher Henderson und Mary Lou Williams spielte. Er reiste nach Afrika, um die Wurzeln schwarzer Musik zu spüren. Erst Mitte der 1950er Jahre nahm jene Gruppe Gestalt an, die man danach über 30 Jahre lang mit dem Schlagzeuger identifizieren sollte: Erst war noch der Pianist Horace Silver der Chef dieser Band, aber als der sie verließ, wurden "Art Blakey & The Jazz Messengers" zu einer großen Marke. Vor allem in der Besetzung von 1958 mit Saxophonist Benny Golson, Trompeter Lee Morgan, Pianist Bobby Timmons und Bassist Jymie Merritt. Doch es folgten viele namhafte Mitglieder.

Jazz, der auch Rockfans mitriss

Wayne Shorter, Freddie Hubbard, Woody Shaw, Wynton Marsalis, Branford Marsalis, Joanne Brackeen, Keith Jarrett, Mulgrew Miller und viele mehr kamen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte in die immer wieder erneuerte Besetzung der Jazz Messengers. Alle diese Musiker lernten bei Art Blakey und machten von da an Karriere, manche überflügelten später ihren einstigen Chef. Der hatte ihnen mit seinen ungemein gleichmäßigen Rhythmen, seinem Drang zum Ekstatischen und Explosiven eine Lebendigkeit eingetrommelt, die auch die Hörer aus dem Rock- und Blues-Genre ansprang. Der Autor dieser Zeilen war, als er zum ersten Mal die Jazz Messengers zufällig in einer Kneipe hörte, noch eiserner Rockfan – doch dann kamen neuneinhalb Minuten "Moanin'" in der Aufnahme von 1959, und die Platte musste sofort gekauft werden.

Um seine Musiker und die Fans mitzureißen, musste Art Blakey seinem Instrument gar nicht immer solch einen Donner entlocken wie in der "Drum Thunder Suite", die ihm Saxophonist Benny Golson einst auf den Leib schrieb. Er hatte nämlich nicht nur in der eine packende Power, dieser Art (oder eigentlich: Arthur) Blakey, der bis kurz nach seinem 71. Geburtstag im Jahr 1990 lebte und am 11. Oktober 2019 hundert Jahre alt geworden wäre. Sein Drive war ansteckend.

Sendung: "Leporello" am 10. Oktober 2019 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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