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Regisseurin Doris Dörrie "Es war alles so verrückt und fremd"

Doris Dörrie ist Deutschlands bekannteste Filmregisseurin. Nebenbei schreibt sie noch Bücher und hat bereits sieben Opern inszeniert. Seit 7. März läuft ihr neuer Film "Kirschblüten und Dämonen" in den Kinos. In der Sendung "Meine Musik" verrät die 63-jährige, was sie an Japan fasziniert, warum sie den Opern-Skandal des Jahres an der Bayerischen Staatsoper auslöste und wie man sich als Frau in der von Männern dominierten Regiewelt durchschlägt.

Regisseurin Doris Dörrie | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Sieben Opern hat Doris Dörrie mittlerweile auf die Bühne gebracht, darunter "Madame Butterfly" von Giacomo Puccini, Verdis "Rigoletto" und zuletzt "Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit allen Produktionen verbindet sie persönliche Geschichten.

"Madame Butterfly" und "Kirschblüten und Dämonen"

Inszenierung von Doris Dörrie am Gärtnerplatztheater 2005 | Bildquelle: © Oliver Gerds / dpa Doris Dörrie inszeniert "Madame Butterfly" am Münchner Gärtnerplatztheater. | Bildquelle: © Oliver Gerds / dpa Nicht nur in ihrem aktuellen Kinofilm "Kirschblüten und Dämonen" wird deutlich, dass Doris Dörrie eine Leidenschaft für die japanische Kultur hat. Schon in anderen cineastischen Werken wie "Kirschblüten – Hanami" oder "Grüße aus Fukushima" bewies sie ihr großes Interesse am Land der aufgehenden Sonne. Auch in ihrer Inszenierung zu Giacomo Puccinis "Madame Butterfly" am Münchner Gärtnerplatztheater 2005 baute sie diverse popkulturelle Bezüge zu Japan ein. Seit ihrer ersten Reise 1983 ist sie von dem Land fasziniert.

Doris Dörrie über Japan

"Es war alles so verrückt und so fremd. Ich fand es aber auch so schön, dass mir alles fremd war und ich nichts mehr lesen und verstehen konnte. Ich musste mich ganz anders verhalten und kommunizieren, weil mir die Sprache gefehlt hat. Das war eine besondere Erfahrung. Ich bin nach diesem Gefühl fast süchtig geworden, einerseits ganz fremd und gleichzeitig ganz vertraut zu sein. Und jedes Mal habe ich ein ganz neues Japan kennengelernt."

"Rigoletto" - Das Opern-Ärgernis des Jahres

Doris Dörrie inszeniert 2005 "Rigoletto" an der Bayerischen Staatsoper | Bildquelle: © Wilfried Hösl / dpa Verdis "Rigoletto" als spektakuläres Science-Fiction-Epos an der Bayerischen Staatsoper. | Bildquelle: © Wilfried Hösl / dpa An der Bayerischen Staatsoper inszenierte Doris Dörrie 2005 Giuseppe Verdis "Rigoletto". Sie versetzte die Opernhandlung in die dystopische Science-Fiction-Welt aus "Planet der Affen". Die Figur des Rigoletto steckte sie in einen Astronauten-Anzug, die Rolle der Gilda verwandelte sie in Prinzessin Leia aus "Star Wars". Die Inszenierung stieß zunächst auf große Ablehnung und wurde von der Zeitschrift "Opernwelt" zum Ärgernis des Jahres gewählt. Doris Dörrie habe sich den Titel später auf ein T-Shirt drucken lassen, erzählt die Regisseurin heute augenzwinkernd. Nach der Premiere war ihr jedoch nicht zum Lachen zu Mute.

Doris Dörrie über "Rigoletto" in München

"Es war Absurd. Es gab so einen Buh-Sturm, es war ein richtiger Wind, der vom Publikum kam. Wenn jeder im Saal 'Buh' schreit, außer meiner eigenen Familie, dann spürt man das körperlich. Ich war sehr erstaunt. Zubin Mehta, der Dirigent, hat mich ganz fest umarmt und hat über beide Backen gelacht. Der fand das toll, dass die Leute sich so aufgeregt haben. Das war aber auch nur beim Premieren-Publikum so. Vor allem bei den Jüngeren wurde die Inszenierung später sehr beliebt, das war so eine Kult-Produktion."

"Don Giovanni" - Das Ende der alten, weißen Männer

"Don Giovanni" an der Staatsoper Hamburg. Inszeniert von Doris Dörrie. | Bildquelle: © Markus Scholz / dpa Der alte, weiße Mann ist am Ende: Doris Dörrie inszeniert 2011 Mozarts "Don Giovanni" an der Staatsoper Hamburg. | Bildquelle: © Markus Scholz / dpa Oft sei sie weit und breit die einzige Frau gewesen, sagt Regisseurin Doris Dörrie über ihre Arbeit beim Film. Mit einer gewissen Stur- und Frechheit habe sie sich in der von Männern dominierten Regiewelt durchgeboxt. Mit Dirigentin Simone Young hat sie 2011 Wolfgang Amadeus Mozarts "Don Giovanni" auf die Bühne gebracht. Don Giovanni sei der Prototyp des alten, weißen Mannes, der die ganze Zeit versuche vor dem Tod davonzulaufen, sagt die Regisseurin. Ein Unterfangen, das zwangsläufig scheitern muss. Nicht nur das Ende des Patriachats beschäftigt Doris Dörrie in ihrer Arbeit, sondern die Vergänglichkeit im Allgemeinen.

Doris Dörrie über Vergänglichkeit

Das beschäftigt mich immer wieder in meiner Arbeit. Wir tun sehr viel, um nicht daran denken zu müssen, wie Don Giovanni zum Beispiel durch Sex. Aber irgendwann erwischt es jeden. Auf der anderen Seite hat man auch etwas mehr Freude im Leben, wenn man sich das klar macht. Weil man weiß, dass es nicht ewig dauert und dass man sich verdammt nochmal daran freuen sollte.

Sendung: "Meine Musik" am Samstag, 9. März 2019 ab 11:05 Uhr auf BR-KLASSIK.

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