BR-KLASSIK

Inhalt

Oscar 2016 Endlich - Filmmusik-Oscar für Ennio Morricone

Ennio Morricone erhält seinen ersten regulären Oscar für seine Musik zum Tarantino-Western "Hateful Eight". Einen Oscar für sein Lebenswerk hat er schon. Eine ungewöhnliche Reihenfolge. Zuvor war Morricone schon fünfmal mit einem Soundtrack nominiert, bis es nun endlich klappte. Eine Gratulation von BR-KLASSIK Filmmusikredakteur Matthias Keller.

bei der Oskarverleihung 2007 | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Es kommt nicht allzu oft vor, dass ein Künstler den Oscar für sein Lebenswerk bekommt, bevor er den ersten "regulären" erhält. Noch bevor Ennio Morricone 2007 den "Honorary Award" ("in recognition to the magnificent and multifaceted contributions to the art of film music") entgegen nehmen durfte, hatte er sich in seinen persönlichen Schmollwinkel zurückgezogen. Denn er war seit seiner Nominierung 1978 für die Musik zu "Days of Heaven" gleich fünfmal grandios gescheitert. Keinen Oscar bekommen zu haben, so Morricone damals, sei die eigentliche Auszeichnung. Denn mit ihr setze man sich vom großen Hollywood-Mainstream mit seinen stereotypen Kriterien ab.

Der Ehrenoscar ändert alles

Ennio Morricone bekommt den Oscar aus den Händen von Quincy Jones | Bildquelle: EPA/AARON POOLE/ dpa-Bildfunk Bildquelle: EPA/AARON POOLE/ dpa-Bildfunk Verständlich, dass der römische Maestro mit Erhalt des Ehrenoscars seine Meinung revidierte. Wenn eine seiner inzwischen über 500 Film- und Fernsehkompositionen den Academy Award verdient hätte, dann wohl die zu Roland Joffés Historienfilm „The Mission“. Das sehen nicht nur seine Fans so, sondern auch Morricone selbst. Aber damals, 1986, war Herby Hancocks Soundtrack zu „‘Round Midnight“ der große Gewinner. Und auch danach wurden weder "The Untouchables“ (1987), "Bugsy“ (1991) noch "Malena“ (2000) prämiert.

Seltsam auch, vor allem aus deutscher und europäischer Sicht, dass Schlüsselwerke wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ und andere berühmte Italo-Western mit Morricones Musik oder Sergio Leones "Es war einmal in Amerika" beim Oscar nicht einmal ein Thema waren.

Hollywood und Europa - ein gespaltenes Verhältnis

Hollywood und die Amerikaner haben offenbar einen gänzlich anderen Blick auf das cineastische Europa. Und der Römer Morricone seinerseits hielt sich immer auf Distanz zur amerikanischen Umtriebigkeit - er spricht bis heute auch kein Wort Englisch.

Keiner hat diesen Oscar so verdient wie Morricone

Diese Sprachbarriere kam auch am vergangenen Freitag zum Tragen bei der Verleihung des Sterns für Morricone auf dem berühmten Hollywood Walk of Fame. Die Zeremonie: ein geschickter Schachzug. Denn ohne dieses vorgeschaltete Event wäre es vielleicht gar nicht gelungen, Morricone mit seinen 87 Jahren ein weiteres Mal in die Filmmetropole zu locken, mit der er doch so fremdelt. Aber Tarantino, diese amerikanische Ausnahmeerscheinung mit italienischen Wurzeln, hat es schließlich fertig gebracht, sich im dritten Anlauf nicht nur von Morricone eine Originalmusik für „The Hateful Eight“ schreiben zu lassen, sondern kraft seiner guten Kontakte zu Leuten wie Harvey Weinstein auch alle weiteren Weichen in Hollywood zu stellen. Manche sprechen von abgekartetem Spiel. Wahr ist aber auch: Jeder andere Ausgang wäre für diesen begnadeten Komponisten eine Beleidigung gewesen. Und wenn ein Filmkomponist einen zweiten Oscar verdient hat, dann sicherlich Morricone. Auguri, Maestro!

    AV-Player