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Ennio Morricone Die absolute Best-of-Playlist

Es gibt unzählige großartige Film-Soundtracks vom Komponisten Ennio Morricone. BR-KLASSIK-Redaktion hat die fünf besten ausgesucht.

Platz 5: The Untouchables - Die Unbestechlichen

Für das Al-Capone-Spektakel "The Untouchables" kam 1987 auf der Leinwand alles zusammen, was Erfolg verheißt: das elegante Krimi-Chicago der 30er, ein Zitat der legendären Treppensequenz aus "Panzerkreuzer Potemkin", Regie-Star Brian de Palma, eine unfassbare Besetzung mit Kevin Costner und Sean Connery (der für diese Rolle seinen einzigen Oscar gewann) und als ihr Gegenspieler Al Capone Robert de Niro - und natürlich ein grandioser Score. Ennio Morricone machte die Panflöte zur Protagonistin und steuerte einen für die 30er angemessenen, stilvoll-symphonischen Score bei und wurde dafür für den Oscar und den Golden Globe nominiert.

Platz 4: Es war einmal in Amerika

Ein "Amerika-Epos von ausufernder Pracht, klassischem Format und mythischer Wucht", so urteilte das ehrenwerte "Lexikon des internationalen Films" über den letzten Spielfilm von Sergio Leone. Der ramponierte im dritten Teil seiner Amerika-Trilogie (nach "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Todesmelodie") den Amerikanischen Traum endgültig, indem er die Geschichte des Berufsverbrecher Noodles (gespielt von Robert De Niro) von den 20ern bis in die 60er Jahre erzählt. Da die Dreharbeiten ungewöhnlich lange dauerten, hatte Morricone viele der Musiken bereits vor Abschluss des Drehs fertiggestellt. So konnten Teile des Soundtracks am Set eingespielt werden.

Platz 3: Canone Inverso - Making Love

Canone Inverso ist ein echter Geheimtipp: eine italienische Literaturverfilmung mit französischer und englischer Besetzung aus dem Jahr 2000, die in Deutschland zu Unrecht kaum jemand kennt. Im Prag des Jahres 1968, also in der Zeit des Prager Frühlings, spielt ein Geiger in einer Bar einen Kanon, eben jenen "Canone Inverso", und damit beginnt die Erzählung der Geschichte seiner Geige und wie sie von Besitzer zu Besitzer gelangt ist. Ein Film über Freundschaft in der Tschechoslowakei zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, über die Liebe eines Mannes zu einer Frau - und die Liebe dieses Mannes zur Musik. Die Handlung gipfelt in der Aufführung des wunderschönen Violinkonzertes "Concerto Romantico Interrotto" von Ennio Morricone.

Platz 2: Once upon a time in the West - Spiel mir das Lied vom Tod

Ganz zweifelsohne ist der Showdown aus "Spiel mir das Lied vom Tod" eines der wenigen cineastischen Produkte, ja, eines der wenigen Dinge auf der Welt, von denen man sagen könnte, sie seien eines: perfekt. Die Langsamkeit mit der sich die Protagonisten in der staubigen Landschaft bewegen, das Mimenspiel der unerbittlichen Blicke, die daraus erzeugte Spannung, die sorgsame Bildgestaltung in Linie und Farbe und die gezielt eingesetzte Zeitlupe finden ihre Vollendung durch die Musik, auf die Spiel, Schnitte und Bewegungen akribisch abgestimmt wurden. Auch hier war der Score beim Dreh bereits komponiert und Leone konnte direkt zur Musik inszenieren.
Und dabei ist das Hauptthema von genialer Einfachheit: Eine fallende große Terz mit aufsteigender kleiner Terz und anschließender kleiner Sekunde, auf der Mundharmonika geklagt, dazu ein pathetisch einsetzendes Orchester mit einer Art raunendem, strahlenden Schicksalschor.
Weder hat Morricone damals das Mundharmonika-Idiom neu erfunden, noch die Verwendung von Chor und Sinfonieorchester in der Wildwestprärie. Es gab sie längst auch in Hollywoodproduktionen. Aber Morricone hat die Lesarten neu definiert, hat, was angesichts typisch amerkanischen underscorings oftmals zur Hintergrundtapete geriet, aus seinem akustischen incognito befreit, ja mitunter zur Hauptdarstellerin gemacht.
So wurde aus einer gelungenen Westerninszenierung eine epische Wild-West-Oper die bis heute ihresgleichen sucht.
Und ja, wir wissen, dass Morricone nicht dauernd darauf reduziert werden möchte - aber perdono, Maestro, das haben Sie einfach zu gut gemacht!

Platz 1: The Mission

Nach einer Geige und einer Mundharmonika in der Hauptrolle findet sich auf unserem Platz eins eine Oboe als Hauptdarstellerin. Denn diese Oboe spielt Jeremy Irons in seiner Rolle als Missionar Gabriel, der durch sein Instrument den Guaraní den christlichen Glauben nahebringt, und versucht sie zu beschützen, bevor diese von portugiesischen Bandeirantes dahingemetzelt werden (in der anderen Hauptrolle ist übrigens Robert De Niro zu sehen, merken Sie was?). Als "Geschichtsklitterung der klerikalen Art" und "Missions-Romantik" wurde der Film kritisiert. Dass er dennoch von Bedeutung blieb, ist u.a. Morricones eindringlichem Score zu verdanken, für den er den Golden Globe erhielt. Drei Kernideen leiteten Morricone:
"Erstens die vom Hauptdarsteller gespielte Oboe. Da er aus Europa kommt, ist klar, dass das Thema ein Post-Renaissancestück sein musste, eben entsprechend der Instrumentalentwicklung im damaligen Europa. Zweitens: was brachten die Priester, die Jesuiten nach Südamerika, wenn nicht ihre musikalisch-liturgische Kultur!? Also vor allem Chormusik, die aus dem Tridentinischen Konzil hervorgegangen ist. Folglich musste ich etwas schreiben, das der liturgischen Musik nach dem Konzil entsprach. Drittens: die Musik des Volkes vor Ort, der Indios. Im Finale ist die einzige Stelle, wo alle drei Elemente zusammenkommen: die Oboe, der liturgische, motettenartige Chor und das Folklore-Element. Das war vielleicht keine absolut historische Bedingung, aber eine moralische."

Entsprechend nennt Morricone dieses Finale eine Kommunion der Kulturen. In ihrer komplexen polyrhythmischen Schichtung ist diese Schlussmusik zugleich eine konstruktive Meisterleistung, weit herausgehoben aus dem üblichen Filmmusik-Vokabular!

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