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2. Oktober 1943 - Zerstörung des Münchner Nationaltheaters Oper mitten im Krieg

Es ist kein schöner Anblick, der sich Richard Strauss da bietet: Bis auf die Umfassungsmauern ist das Nationaltheater abgebrannt. Ein Verlust für das ganze Kulturleben in München. Doch dabei wird es nicht bleiben.

Die Bayerische Staatsoper zu NS-Vergangenheit: Das historisch undadierte Foto zeigt das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Nationaltheater in München. | Bildquelle: (c) dpa

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Ein Opernabend im Nationaltheater am Münchner Max-Joseph-Platz: Auf dem Programm steht "Tiefland" von Eugen d'Albert, eine von Hitlers Lieblingsopern. Noch spielt man in der bayerischen Landeshauptstadt - mitten im Krieg. Noch, aber nur wenige Stunden später wird alles anders sein.

Luftangriff auf München

In der Nacht werfen Flugzeuge der britischen Royal Aire Force (RAF) 958 Tonnen Spreng- und Brandbomben auf München. Auch das Nationaltheater, Stätte zahlreicher Mozart- und Wagner-Uraufführungen, wird völlig zerstört. Selbst die eiserne Bühnenkonstruktion schmilzt in der Hitze. Am nächsten Morgen stehen nur noch die Umfassungsmauern.

Ein Jahr zuvor hatte Richard Strauss an dieser Stelle die Premiere seiner letzten Oper "Capriccio" erleben dürfen. Jetzt blickt er resigniert auf einen Trümmerhaufen: "Der Brand des Münchner Hoftheaters (…), wo mir am Ende des Lebens 10 Straussinscenierungen Erfüllung kühnster Autorenträume brachten - es war die größte Katastrophe, die je in mein Leben eingebrochen ist, dafür gibt es keinen Trost."

Mein schönes Dresden-Weimar-München, alles dahin!
Richard Strauss

Doch es kommt noch viel schlimmer: Englische und amerikanische Bomber fliegen über 70 weitere Luftangriffe auf München, die neben zerstörten Baudenkmälern vor allem Tausende von Toten, Verletzten und Obdachlosen hinterlassen. In anderen Städten sieht es nicht anders aus. "Mein schönes Dresden-Weimar-München, alles dahin!" - Strauss denkt nur an die deutschen Opernhäuser. Was wird aus seinem Lebenswerk? In München versuchen die Künstler immerhin im leicht beschädigten Prinzregententheater weiterzumachen. Aber nach 28 Vorstellungen ist auch hier Schluss. Im Sommer 1944 wird der Spielbetrieb an allen deutschen Theatern eingestellt.

Ausweichspielstätte Prinzregententheater

Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel während seiner kurzen Festrede vor der Schlüsselübergabe am 21.11.1963 im Nationaltheater in München. Mit der Übergabe des Hauses aus den Händen der das Land Bayern vertretenden Regierung an die Intendanz begann am Vormittag des 21. November 1963 die Reihe der festlichen Veranstaltungen zur Eröffnung des wieder erstandenen Münchner Nationaltheaters. | Bildquelle: (c) dpa - Bildarchiv Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel während seiner kurzen Festrede vor der Schlüsselübergabe am 21.11.1963 im Nationaltheater in München. | Bildquelle: (c) dpa - Bildarchiv Nach dem Krieg muss das Prinzregententheater den Münchnern weiterhin als Opernhaus dienen. Im rekonstruierten Bau am Max-Joseph-Platz hebt sich erst zwei Jahrzehnte nach der Zerstörung wieder der Vorhang: Der Verein der Freunde des Nationaltheaters hat sich stark dafür gemacht, das Theater am alten Ort wiederaufzubauen und unermüdlich Spenden gesammelt. Die erste Vorstellung: Strauss' "Frau ohne Schatten", in der es heißt: "Gepriesen, der die Finsternis nicht kennt."

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