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Ludwig van Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur

Es ist ein Werk der Reife. Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur entstand 1805, in der gleichen Zeit, in der Beethoven an der fünften und sechsten Symphonie arbeitete. In dieses vierte Konzert ist tatsächlich viel vom symphonischen Geist eingeflossen, mit dem Beethoven seinerzeit schwanger ging. Mehr als in alle bis dahin entstandenen Klavierkonzerte der abendländischen Musikgeschichte.

Ludwig van Beethoven | Bildquelle: Wikimedia

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Das starke Stück

Ludwig van Beethoven - Klavierkonzert Nr.4 in G-Dur

Das Konzert beginnt in der Grundtonart G-Dur. Was hier aber so zart daherkommt und sogleich in ätherisches H-Dur hinüberträumt, das bedeutete bei der Uraufführung nichts desto weniger eine Revolution. "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", dichtete einst Hermann Hesse in seinem Stufengedicht. Recht hatte er. Nie zuvor in seiner Geschichte, hatte ein Klavierkonzert ohne Orchestervorspiel direkt mit einem Solo des Klaviers angefangen.

Eine außergewöhnliche Idee

Jewgeni Kissin | Bildquelle: picture-alliance/dpa Der Pianist Jewgenij Kissin | Bildquelle: picture-alliance/dpa Nicht das der Feuerkopf Beethoven jemals ein Problem damit gehabt hätte gegen Regeln zu verstoßen, aber wenn er es tat, dann immer um eine außergewöhnliche Idee zu verwirklichen. Dass diesem Konzert so eine solche außergewöhnliche Idee zugrunde lag, das ahnte bereits die Zeitgenossen. Schon Robert Schumann pries das Stück als "Beethovens vielleicht größtes Klavierkonzert". Die Begeisterung hält bis heute an.

"Von alle Beethovenkonzerten finde ich das Vierte das Schönste. Wenn man sagt, der Kopfsatz des fünften Klavierkonzertes zeichne sich durch Erhabenheit und Größe aus, der des Dritten durch Dramatik, dann herrschen im ersten Satz des vierten Klavierkonzertes lyrischer Atem und Schönheit." (Jewgenij Kissin)

Das Orpheusprogramm

Immer wieder sind es Worte wie "Schönheit" und "lyrisch" die im Zusammenhang mit dem Konzert auftauchen. Und immer wieder ist auch von der Rätselhaftigkeit des Stückes die Rede, vor allem im Zusammenhang mit dem zweiten Satz. Was hat es auf sich mit diesen bedrohlich gezackten Unisono-Figuren der Streicher, was mit der feierlich besänftigenden Antwort des Klaviers?

Die Hörer des Jahres 1808 fühlten sich sogleich an die Musik in Christoph Willibald Glucks Oper "Orfeo e Euridice" erinnert. Mit dem Spiel seiner Leier besänftigt der tragische Sänger Orpheus die Furien der Unterwelt. Davon ausgehend hat der Musikwissenschaftler Owen Landers das gesamte Klavierkonzert als "Musik mit einem geheimen Programm" gedeutet.

Beethovens "Orpheus-Konzert"

"So beruhigend schön sang und spielte der mythische Sänger, dass die Tiere des Waldes sich zu ihm gesellten und sogar Flüsse ihren Lauf änderten, um ihm zu lauschen. Die Musik verzaubert den gesamten Kosmos." Eine Vorstellung die so Recht zu dem Idealisten Beethoven passt.

Doch die Orpheusgeschichte geht nicht gut aus. Nach der gescheiterten Rückholung Eurydices aus der Unterwelt, habe der Sänger zukünftig den Frauen angeschworen, berichtet der römische Dichter Ovid in seinen Metamorphosen. Wodurch sich besonders wilde Weiber, die Mänaden, so beleidigt gefühlt hätten, dass sie den Künstler in Stücke rissen.

Eine Aura des raserisch Gewaltsamen lässt sich dem Einsatz von Pauken und Trompeten im Rondo des G-Dur Konzertes nicht absprechen. Aber reicht die Vorstellung von der Ermordung des Orpheus tatsächlich, um die auch hier reichlich vorhanden lyrischen Passagen zu erklären?

Immerhin habe sich Orpheus, so die Sage, im Schattenreich endlich wieder und nun für immer mit seiner Eurydice vereint. Seine Leier aber sei als Sternenbild an den Himmel versetzt worden. Als bleibendes Denkmal für die Macht der Musik, die alles in Schönheit versöhnt. Und gleichgültig, ob man sich nun auf das Orpheusprogramm einlassen mag oder nicht, daran jedenfalls lässt Beethovens schönstes Klavierkonzert keinen Zweifel.

Musik-Info

Ludwig van Beethoven - Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58

Titel: The complete Piano Concertos
Solist: Jewgenij Kissin (Klavier)
Orchester: London Symphony Orchestra
Leitung: Sir Colin Davis Label: EMI

Orchestermusik

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