BR-KLASSIK

Inhalt

Antonín Dvořák Violinkonzert

Zwischen dem Beginn der Komposition am 5. Juli 1879 und ihrer Uraufführung am 14. Oktober 1883 vergingen mehr als vier Jahre. Der Grund lag darin, dass der Geiger Joseph Joachim, dem das Konzert gewidmet war und den Dvořák auch zu Rate zog, immer wieder Verbesserungsvorschläge machte.

Portrait Antonin Dvorak | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Das starke Stück

Antonín Dvorák - Violinkonzert

Schon sehr früh in ihrer musikalischen Ausbildung beschäftigte sich Arabella Steinbacher mit Dvořáks Violinkonzert. Einerseits war die 13-Jährige fasziniert von den slawischen Melodien, andererseits fiel ihr aber auch auf, dass das Stück durchaus nicht so in die Finger geht wie andere Konzerte der Violinliteratur.

Es ist von der physischen Kraft doch recht anstrengend, weil es symphonisch komponiert ist.
(Arabella Steinbacher)

Tschechische Volkslieder

Gleich von Beginn des ersten Satzes an ist die Violine am musikalischen Geschehen beteiligt und sticht in virtuosen Akkordpassagen und Kantilenen aus dem Orchesterklang heraus. Und doch hat sie sich gegen die kraftvoll symphonische Begleitung zu behaupten.

Die Themen sind tschechische Volkslieder, die Dvořák in der klassischen Sonatenform verarbeitet hat, beziehungsweise im dritten Satz in Rondoform. Doch nimmt sich der Komponist Freiheiten von dieser Form heraus.

Joseph Joachim kritisierte Werk

Eine Rolle spielte hierbei auch der Einfluss des Geigers Joseph Joachim, der schon die Violinkonzerte von Brahms und Bruch uraufgeführt hatte. Auf seine Änderungsvorschläge zur ersten Fassung des Violinkonzertes hatte Dvořák sogleich mit einer zweiten reagiert. Aber auch über diese war Joachim nicht glücklich. In seinem Brief an Dvořák vom 18. August 1882 bemerkt er sogar ganz unverhohlen:

"Wenn ich das in aller Aufrichtigkeit sage, verehrter Herr Dvorák, so darf ich - ohne Gefahr, von Ihnen missverstanden zu werden - gestehen, dass ich das Violinkonzert in seiner jetzigen Gestalt noch nicht reif für die Öffentlichkeit halte." (Joseph Joachim)

Es ist vor allem der dichte Orchestersatz, der Joseph Joachim befürchten ließ, die Solovioline könne sich in Dvoráks Violinkonzert nicht durchsetzen. Am 27. Dezember 1882 konnte Dvorák schließlich die endgültige Version mit der Einwilligung Joachims und der Widmung an ihn in Druck geben.

Dennoch fand die Uraufführung am 14. Oktober 1883 nicht mit Joachim statt, sondern mit dem tschechischen Geiger František Ondříček und dem Orchester des Prager Nationaltheaters unter Leitung von Mořic Anger. Ondricek war es dann auch, der Dvořák Violinkonzert in Wien und London bekannt machte.

Musik-Info

Antonín Dvořák - Konzert für Violine und Orchester a-Moll, op.53, B 108

Arabella Steinbacher, Violine
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Marek Janowski

Mehr Orchestermusik

    AV-Player