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Peter Tschaikowsky Symphonie Nr. 5

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky | Bildquelle: "Pjotr Iljitsch Tschaikowsky", hrsg. vom Staatlichen Haus-Museum P. I. Tschaikowski in Klin, Leipzig 1978

Bildquelle: "Pjotr Iljitsch Tschaikowsky", hrsg. vom Staatlichen Haus-Museum P. I. Tschaikowski in Klin, Leipzig 1978

Das starke Stück

Tschaikowskys 5. Symphonie

"Nach jeder Aufführung komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass meine letzte Symphonie ein misslungenes Werk ist....Es hat sich herausgestellt, dass sie zu bunt, zu massig, zu unaufrichtig, zu lang, überhaupt wenig ansprechend ist. Sollte ich mich schon ausgeschrieben haben? Sollte wirklich schon der Anfang des Endes begonnen haben?" (Peter Tschaikowsky)

Anfang des Endes?

Im Dezember 1888 schreibt Peter Tschaikowsky diese Zeilen an seine Brieffreundin Nadeshda von Meck. Gemeint ist seine 5. Symphonie, die "Schicksals-Symphonie", der musikalische Spiegel einer krisendurchbebten Zeit. Ist wirklich schon der Anfang des Endes über den 48jährigen Komponisten hereingebrochen?

Aus künstlerischer Sicht befindet sich Tschaikowsky auf der Höhe seines Erfolgs. Als Dirigent ist er international gefragt, seine Kompositionen werden von Publikum und Kritik endlich anerkannt. Seelisch aber schwankt er zwischen Höhenflügen und tiefer Verzweiflung.

Tönendes Signum des Schicksals

Andris Nelsons | Bildquelle: picture-alliance/dpa Andris Nelsons | Bildquelle: picture-alliance/dpa Seine drei letzten Symphonien versieht er mit persönlichen Kommentaren, einer Art psychologischem Programm. Ebenso wie in der 4. stellt Tschaikowsky auch seiner 5. Sinfonie ein tönendes Signum des Schicksals voran, das alle vier Sätze durchzieht.

Der Komponist kommentiert dieses Schicksalsmotiv als "Vollständiges Sich-Beugen vor dem Schicksal oder was dasselbe ist, vor dem unergründlichen Walten der Vorsehung." Der lettische Dirigent Andris Nelsons berücksichtigt in seiner Interpretation zwar Tschaikowskys persönliche Notiz, weist aber über sie hinaus.

"Das ist vorbei, dass man sagt, in der 4. symphonie meint er das schicksal, in der 5. auch und die 6. ist dann das Requiem. Aber ich denke so ist es nicht. In seinem Leben gabs wie bei jedem unterschiedliche Momente und Gefühle. Ich glaube, es ist am besten nicht alles in Worte zu zwängen und zu erklären. Er wollte im grunde nicht genau sagen, worum es in dieser Musik geht, gut einiges hat er aufgeschrieben, aber Musik ist eben mehr als eine Notiz." (Andris Nelsons)

Schatten der Vorsehung

Gleich zu Beginn der Symphonie stellt Tschaikowsky das Schicksalsthema vor, intoniert von den Klarinetten, zum Klang der tiefen Streicher. Die düstere e-moll Stimmung, gleicht dem Schatten der Vorsehung. Obwohl dieses Motiv die gesamte Symphonie dominiert und in allen Sätzen präsent ist, ist es weder ein Erinnerungsmotiv noch eine Ideé fixe.

Tschaikowsky gibt vielmehr schon mit den Anfangstakten die auswegslose Grundstimmung vor, die unausweichlich in der Erfüllung des Schicksals im letzten Satz gipfelt. Oder anders: Von vornherein gibt es kein Entrinnen. Beschwingte oder aufbrausende Abschnitte sind lediglich retardierende Momente.

"Dynamit: Den langsamen Satz überschreibt Tschaikowsky mit der Frage 'Soll man sich dem Glauben in die Arme werfen?' Melancholische Schönheit, und eine schwerelose Klarinettenmelodie, die zu versprechen scheint, dass alles gut wird. Fast ist alles gut, dann bricht das Schicksalsthema ein." (Andris Nelson während einer Probe)

Das Finale erinnert an den Anfang

Andris Nelsons | Bildquelle: picture-alliance/dpa Andris Nelsons | Bildquelle: picture-alliance/dpa Tschaikowskys eigenes und das Schicksal seiner 5. Symphonie scheinen besiegelt, dennoch:Eer schreibt einen Walzer. Seine persönliche Vorliebe für diese Form bricht auch in die todesschwangere Atmosphäre des Werks, wie ein Lichtstrahl ein. Fast ein wenig grotesk erscheint auch das Schicksalsmotiv zum Tanz.

Das Finale erinnert an den Anfang, aber die Stimmung ist trügerisch nach E-Dur aufgehellt. Auch hier wieder das Ringen zwischen Todesahnung und Lebenshunger. Triumphal erscheint das Schicksalsthema in den Blechbläsern und siegt, unterwirft sich alles. Aber ist es wirklich ein Sieg?

"Ich denke es ist ein unerfülltes Finale. Es steht in E-Dur, trotzdem empfinde ich es so, dass der vierte Satz vom Anfang bis zur Apotheose der Tanz des Bösen ist. Das klingt jetzt sehr einfach, natürlich die Idee ist der Sieg des Schicksals , aber am Schluss gibt es einen Konflikt. Wir wissen nicht, wie er sich entscheidet. Soll er weiterkomponieren? soll er sterben? Dieser letzte Satz reflekiert die konflikte seines Lebens." Andris Nelsons

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