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Starke Stücke Tschaikowsky - Rokoko-Variationen

Diese Komposition widmete Tschaikowsky seinem Freund, dem deutschen Cellisten Wilhelm Fitzenhagen. Ihm hat er auch erlaubt, die "Variationen" nach Belieben zu bearbeiten. Darauf veränderte Fitzenhagen noch einiges am Original. Barbara Doll hat sich mit der argentinischen Cellistin Sol Gabetta über das Starke Stück unterhalten.

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky | Bildquelle: "Pjotr Iljitsch Tschaikowsky", hrsg. vom Staatlichen Haus-Museum P. I. Tschaikowski in Klin, Leipzig 1978

Bildquelle: "Pjotr Iljitsch Tschaikowsky", hrsg. vom Staatlichen Haus-Museum P. I. Tschaikowski in Klin, Leipzig 1978

Das starke Stück

Tschaikowsky - Rokoko-Variationen

"Ich habe dieses Thema mit zwölf Jahren in romantischem, russischen Tschaikowsky-Stil gespielt (...). Natürlich wurde es mir damals so beigebracht mit Zwölf, dass dieses Stück ein romantisches Stück von Peter Iljitsch Tschaikowsky ist - und dass man es so spielt: Viel Klang, mit viel Sahne (...)." (Sol Gabetta, Cellistin)

Es scheint, als blicke Tschaikowsky in den Rokoko-Variationen wie durch ein Fernglas zurück in eine längst versunkene Welt. In eine Welt, die er offenbar als heil und unbeschwert empfunden hat - und die in extremem Gegensatz steht zur düsteren Atmosphäre der Fantasie "Francesca da Rimini". Dieses Stück hat Tschaikowsky unmittelbar vor den Rokoko-Variationen komponiert - im Spätherbst 1876, in einer besonders sorgenvollen Lebensphase.

"Was ist ein Rokoko-Stil?, kann man sich überlegen. Also erstmal die Purheit dieses Themas ist das Schwierigste, was es überhaupt gibt (...). Und dann, was alles dazu kommt, mit allen diesen Verzierungen. Das ist für mich Rokoko. Rokoko muss für mich auch einen Stil haben. Eine Art von Stil, eine Feinheit (...), sehr artikuliert, sehr klar gezeichnet, galant - genau!" (Sol Gabetta)

Die Cellistin Sol Gabetta | Bildquelle: Uwe Arens Sol Gabetta hat die Rokoko-Variationen mit dem Münchner Rundfunkorchester eingespielt. | Bildquelle: Uwe Arens Dass Tschaikowsky ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die Rokoko-Variationen verfasst, spricht von der Sehnsucht nach einer anderen Gegenwart, einer anderen Welt. Damit ist aber nicht die höfische Rokoko-Welt mit Perücke, Puder und Tanz gemeint - sondern eine bestimmte Klangwelt, die Tschaikowsky kurzerhand mit dem Begriff "Rokoko" bezeichnet hat: Die Klangwelt des 18. Jahrhunderts - und zwar vor allem die von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Musik dieses "sonnigen Genies" rühre ihn "zu Tränen", schrieb Tschaikowsky einmal.

1887, elf Jahre nach den Rokoko-Variationen, hat er sogar selbst Hand angelegt an die Musik seines Vorbilds: Für die "Mozartiana"-Suite bearbeitete und verschmolz Tschaikowsky vier kleinere Mozart-Werke. Freilich, das Thema der Rokoko-Variationen stammt nicht aus Mozarts Feder, es ist vielmehr eine stilistische Hommage. Und diese zunächst simpel anmutende Hommage spickt Tschaikowsky mit allerhand Virtuositäten für das Solo-Cello.

Musik-Info

Peter Tschaikowsky: Rokoko-Variationen

Sol Gabetta, Violoncello
Münchner Rundfunkorchester
Leitung: Ari Rasilajnen
Label: RCA

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