BR-KLASSIK

Inhalt

Maurice Ravel Gaspard de la Nuit

Es gilt als das virtuoseste Stück für Klavier Solo von Ravel. Inspiriert dazu hatten ihn Gedichte von Aloysius Bertrand. Neben dem Element des Phantastisch-Grotesken enthalten sie typisch impressionistische Elemente.

Porträt Maurice Ravel | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Das starke Stück

Ravel - Gaspard de la Nuit

"Gaspard de la nuit (Schatzmeister der Nacht) - drei Gedichte für Klavier nach Aloysius Bertrand" betitelt Ravel das dreiteilige Klavierwerk 1908. In ihm hatte er versucht, den Ausdrucksgehalt der Prosagedichte des vorromantischen Schriftstellers in Klänge zu fassen. Zudem wollte Ravel damit Klavierstücke schaffen, die noch virtuoser als die Islamey Borodins sein sollten - und die Islamey galt damals als unspielbar. "Von transzendentaler Virtuosität" nannte Ravel die drei fertigen Stücke dann in Anlehnung an Franz Liszts "Etudes d´execution transcendante".

Geflecht aus Musik, Literatur und bildender Kunst

Der Figur des "Gaspard de la nuit" ist ein Symbol von Bertrand, der zu Lebzeiten unbekannt blieb, später aber Mallarmé und Baudelaire beeinflusste. Seine Prosagedichte prägen Nachtgesichte, historische Visionen, eine unruhige Phantastik - Bertrand dürfte wiederum inspiriert gewesen sein von den grotesken Kunstwerken des Kupferstechers Callot, einem Zeitgenossen Rembrandts, dessen Stiche gleiche Titel wie Bertrands Gedichte aufweisen. Ein großer Beziehungsreichtum liegt so vor zwischen Musik, Literatur und bildender Kunst.

Musikalisches Spiel mit der Sprache

Ravel faszinierte an Bertrands Gedichten vor allem die musikalische Eleganz und die geschliffene Raffinesse der Sprache -Parameter, die auch für Ravels Musik immer kennzeichnend sind. Die Gedichte "Ondine - Die Wassernixe Undine", "Le gibet - Der Galgen" und "Scarbo - Ein listiger Kobold" wählte er für seine Musik aus und ließ Bertrands Texte zusätzlich zu seiner Musik abdrucken. In der deutschen Übersetzung sind die Gedichte allerdings kein Schlüssel zum Werkverständnis, meint Herbert Schuch:

"Man ist ein bisschen enttäuscht. Ich dachte mir, wenn ich diese Gedichte übersetze, dann hab ich endlich den Schlüssel zu Gaspard und das ist eben überhaupt nicht so. Man kann sich dann schon vorstellen, um was es geht. Und man liest vielleicht auch die anderen Gedichte und wird sich dann klar, was da alles für Dinge noch in Bertrands Kopf herumgespukt haben, aber ohne die französische Sprache sind diese Sachen einfach verloren." (Herbert Schuch)

Autobiographische Spuren im Werk

Während der Schaffensphase zwischen Mai und September 1908 ging es mit Ravels Vater nach einem Schlaganfall rapide abwärts. Die Familie rechnete täglich mit seinem Tod, der einen Monat nach Fertigstellung des "Gaspard" eintrat. Die Allgegenwart dieser Stimmung ist spürbar in der Wahl der Thematik und dem Gefühlsgehalt der drei Stücke. Vielleicht sind dies Ravels einzige Stücke, die autobiographische Züge tragen. In jedem Fall zeigen und wecken sie sehr starke Emotionen und Eindrücke.

Musik-Info

Maurice Ravel : Gaspard de la Nuit. Trois poèmes für Klavier

Herbert Schuch, Klavier
Label: Oehms, LC 12424

Mehr Solomusik

    AV-Player