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Georg Philipp Telemann Tafelmusik

Heute wird der umfangreiche Zyklus der Tafelmusik von Georg Philipp Telemann ziemlich selten in seiner Gesamtheit gespielt. Warum das so ist, darüber hat sich Julika Jahnke mit Reinhard Goebel unterhalten, dem Gründer und langjährigen Leiter des Alte Musik-Ensembles Musica Antiqua Köln.

Porträt Georg Philipp Telemann | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Das starke Stück

Telemann - Tafelmusik

"Sie wird nun sehr selten gespielt, weil sie diese völlig heterogene Besetzung hat", erklärt Reinhard Goebel. "Also es ist ja in jedem Stück eine andere Besetzung und die Konzerte sind für Aufnahmen und für Kenner sind das wahre Perlen. Ich glaube, man kennt mehr den Titel als den wirklichen musikalischen Inhalt."

Die "Musique de Table", die "Tafelmusik", ist der große Werkzyklus von Georg Philipp Telemann: aufgeteilt in drei Teile, die er "Production" nennt. Jeder Teil beginnt mit einer Ouvertüre, dann folgen jeweils ein Quartett, ein Konzert, ein Trio, ein Solostück und schließlich – die Conclusion.

Verbindung einzelner Sätze 

Reinhard Goebel | Bildquelle: Christina Bleier Reinhard Goebel | Bildquelle: Christina Bleier Reinhard Goebel beschäftigt an dem Zyklus vor allem die Vielschichtigkeit:

"Man muss natürlich auch wissen, dass die sich untereinander auch wieder brückenmäßig oder bogenmäßig irgendwie ergänzen, dass also immer irgendwie Beziehungen zu einem Schwesterwerk da sind. Das ist das hervorragende da dran. Also man kann da im Grunde ein ganzes Leben lang dran analysieren und wühlen. Und das ist das, was mich immer wieder zu diesem Werk zurückführt." (Reinhard Goebel)

Einzigartig an diesem Werk ist auch, wie raffiniert Telemann die verschiedenen Nationalstile der Zeit miteinander verschmilzt. Recht französisch muten etwa die Ouvertüren der drei Teile an - doch ganz wie von einem Pariser Streichorchester dargeboten klingen sie dann doch nicht. Telemann reiht also nicht einfach musikalische Formen aneinander oder lässt die typischen Instrumente der jeweiligen Länder anklingen. Er verarbeitet all das zu etwas ganz Neuem.

Keine Unterhaltungsmusik beim Essen

Der Name "Musique de Table" klingt ziemlich schlicht, als habe Telemann diese Musik zur Unterhaltung beim Essen geschrieben. Aber das war sicher nicht sein Anliegen. Er wollte hier vor allem eine hohe Schule des Ensemblespiels bereitstellen. Nur um sie zu verkaufen, dafür hatte sich Telemann wahrscheinlich eben einen schlagkräftigen und bunten Titel gesucht: "Tafelmusik" eben. Denn als guter Geschäftsmann, suchte er auch bei diesem Werk ganz aktiv nach Abnehmern. Schließlich galt es, den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern. Seine Kundschaft waren dabei nicht nur Profis, sondern auch Liebhaber. Für die waren diese Werke zwar eigentlich zu schwer. Doch mit diesem Zyklus war überhaupt zum ersten Mal Orchestermusik von Telemann im Druck erhältlich. So dass auch viele Laien gerne zugriffen.

Musik-Info

Georg Philipp Telemann: Tafelmusik in drei Teilen

Musica Antiqua Köln
Reinhard Goebel, Leitung

Label: Archiv Produktion

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