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Was heute geschah – 09. September 1836 Chopin hält um die Hand von Maria Wodzińska an

Sie sagt ja, oder besser gesagt: ja aber, die Mutter von Maria Wodzińka, bei der Chopin – gemäß der Etikette – um die Hand ihrer Tochter Maria anhält. Das ABER wiegt schwer, denn nicht nur die Mutter von Maria, auch der Vater, Graf Wodzińki muss seine Zustimmung geben. Er steckt hinter der Idee, dass Chopin sich von einem Pariser Arzt untersuchen lassen soll und in einem Jahr sei dann alles geklärt, sprich: in einem Jahr könne man heiraten.

Gemälde von Eugene Delacroix (1838) | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Die Sendung zum Anhören

Die Wodzińkis kennen Chopin schon seit Kindertagen, sie wissen auch um seine labile Gesundheit. Chopin schwebt trotzdem im siebten Himmel, jetzt ist er ja offiziell verlobt mit seiner gerade mal 17-jährigen Maria und kehrt hoffnungsvoll nach Paris zurück.

Bleib gesund, denn davon hängt alles ab.
Maria Wodzińskas Mutter an Chopin

Pantoffeln und Wollstrümpfe

Aber dort beginnt das Warten. Das Warten auf die Ich-vermiss-Dich-so sehr-Briefe von Maria, die nicht kommen. Stattdessen schreibt ihre Mutter: "Denke nicht, dass ich mein Wort zurücknehme, aber ich bedaure, dass wir die Vorgehensweise nicht näher besprechen konnten. Bis dahin bitte ich Dich zu schweigen. Bleib gesund, denn davon hängt alles ab". Passenderweise lässt Maria ihm schön bestickte Pantoffeln mitschicken und Wollstrümpfe, aber keine heißen Liebesschwüre.

Ignorierte Abschiedsworte

Frédéric Chopin: Valse, op. 69, Nr. 1; Manuskript (Mit Widmung an Marie Wodzinska). | Bildquelle: picture alliance/akg-images Frédéric Chopin: Valse, op. 69, Nr. 1; Manuskript (Mit Widmung an Marie Wodzinska). | Bildquelle: picture alliance/akg-images Chopin sendet seiner Verlobten einige seiner Kompositionen, die sie unbedingt haben wollte, ein Heft in dunkelrotem Saffianleder, Maria steht mit goldenen Buchstaben darauf. Und endlich reagiert sie: "Nehmen Sie bitte meinen allerherzlichsten Dank entgegen. Seien Sie versichert, dass unsere ganze Familie, insbesondere aber Ihre schlechteste Schülerin und Ihre Freundin aus Kindertagen, Ihnen aufrichtig zugetan ist. Mama umarmt sie herzlich…Leben Sie wohl und vergessen Sie uns nicht." Abschiedsworte, die Chopin ignoriert. In den folgenden Monaten leidet er, denn Maria meldet sich nicht, regiert nicht auf seine Briefe. Im Frühjahr 1837 stellt ein Freund von Chopin fest: "Ihre Seele und Ihr Körper haben die Grenzen der Belastbarkeit erreicht. Wenn der Kummer sich in Krankheit verwandelt, gibt es keine Rettung mehr."

Unglück in Papier

Aber ein Ende, denn Mariass Mutter löst die Verlobung wegen seiner labilen Gesundheit auf. Es wird keine Heirat mit Maria geben. Chopin ist am Boden zerstört, irgendwann rafft er sich auf, wickelt alle Briefe der Familie Wodziński in einen großen Papierbogen, schnürt ein hellblaues Stoffband darum, steckt eine getrocknete Rose hinein und schreibt auf den Umschlag die Worte: "mein Unglück".

WAS HEUTE GESCHAH

Unsere Reihe "Was heute geschah" zu bemerkenswerten Ereignissen der Musikgeschichte können Sie auch um 8.30 Uhr und um 16.40 Uhr auf BR-KLASSIK im Radio hören. Weitere Folgen zum Nachhören finden Sie hier.

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