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Was heute geschah – 10. August 1900 Gustav Mahler verliert auf einer Radtour seine Tasche

Veldes, 10. August 1900. Gustav Mahler ist zur Sommerfrische in Kärnten und fährt Fahrrad wie ein Berserker. Sein Bewegungsdrang ist extrem. Mahler akzeptiert keine körperlichen Grenzen. Und doch stößt er immer wieder an diese. Aber die Sucht nach dem nächsten Adrenalinkick übertüncht jeden Schmerz.

Komponist Gustav Mahler | Bildquelle: imago/Leemage

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Die Sendung zum Anhören

Da ist zunächst einmal ein nie enden wollender Muskelkater, der ihn seit der Dolomitentour in Oberschenkeln und Waden zwickt. Diverse Kratzer von kleineren Stürzen sind dagegen eher Peanuts. Etwas haariger das Ende einer seiner Touren rund um den Wörthersee, immerhin vierzig Kilometer. Mahlers Vertraute Natalie Bauer-Lechner erinnert sich: "Mahler jagte, um möglichst viel Bewegung in kurzer Zeit zu machen, zu Rad um den ganzen See herum, wobei er zwei Mal stürzte und sich die Hand so zerriss, dass er acht Tage damit gequält und an allen Gliedern wie zerschlagen war."

Bummelpartie? Von wegen!

Mahler nutzt die Woche der Rekonvaleszenz, um sich für seine nächste Tour zu rüsten. Dafür studiert er einen Baedeker-Reiseführer und Kartenmaterial. Um die Bedenken von Natalie Bauer-Lechner und seiner Schwester Justine zu beschwichtigen, verspricht er bloß eine "Bummelpartie" zu unternehmen. Insgeheim aber will er den Loiblpass bezwingen, eventuell auch die Tscheppaschlucht besichtigen. Er packt also seine Radtasche und strampelt los. Doch irgendetwas lief schief bei der Planung. Vermutlich hat er die Höhenlinien auf der Karte übersehen. Natalie Bauer-Lechner: "Mahler war so schlecht orientiert, dass er zu seiner großen Verwunderung und Anstrengung, nachdem er schon das Ziel fast erreicht glaubte, noch stundenlang sein Rad den Berg hinaufschieben musste!"

Glückliche Heimkehr

Sogar ganze tausend Höhenmeter muss er sein Fahrrad schieben, um den Loiblpass zwischen Klagenfurt und dem heutigen Slowenien zu überwinden. Dabei verliert Mahler zwar seine Radtasche, samt Wäsche und Proviant, zum Glück aber nicht das Gleichgewicht! Erschöpft und völlig zerzaust kehrt Gustav Mahler in die Villa Antonia am Wörthersee zurück. Und seine Reisebegleitung ist schwer erleichtert, als Mahler wenige Tage später, am 15. August, endlich heim nach Wien fährt – ohne Fahrrad.

Eine Alpenvision Mahlers – das Andante moderato aus der Symphonie Nr. 6

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Mahler: Symphony 6 :3. Andante moderato- BPO / Karajan* | Bildquelle: greatclassicrecords (via YouTube)

Mahler: Symphony 6 :3. Andante moderato- BPO / Karajan*

WAS HEUTE GESCHAH

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