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Grace Bumbry zum 80. Geburtstag "Jemand musste die Erste sein"

Als "Schwarze Venus" in Wagners "Tannhäuser" schrieb sie in Bayreuth Musikgeschichte. Von da an war die Sopranistin auf den Opernbühnen der Welt zuhause. Mit einem Repertoire von Händel bis Gershwin und ihrer klangschönen, voluminösen Stimme beeindruckte Grace Bumbry auch als Liedsängerin. Am 4. Januar feiert Sie ihren 80. Geburtstag.

Grace Bumbry | Bildquelle: picture alliance/Geisler-Fotopress

Bildquelle: picture alliance/Geisler-Fotopress

St. Louis im US-Bundesstaat Missouri, Ende der Vierzigerjahre. Jeden Sonntag versammeln sich hier in einer lokalen Kirche Menschen zu sogenannten "Afternoon-Tea-Concerts". Bei einem dieser Konzerte sitzt auch ein 10-jähriges Mädchen mit funkelnden, neugierigen Augen und breitem Lächeln am Klavier und spielt Chopin.
Heute erinnert sich Grace Bumbry lächelnd an dieses Konzert und sagt, dass sie das, was sie als kleines Kind lernte, nie vergaß: "Man geht auf die Bühne mit einer gewissen Freude, und einer gewissen Sicherheit, aber nicht mit Angst."

Opernkarriere - trotz Rassentrennung

Im Chor merkt Bumbry als Teeanger, dass sie eine ganz passable Stimme hat. So setzt sie sich nach den Anfängen am Klavier schon mit 15 Jahren zum Ziel, Sängerin zu werden. Der Kampf gegen den Rassismus in den Südstaaten ist jedoch hart für die junge Afroamerikanerin: Das lokale Konservatorium weigert sich, eine farbige Gesangsstudentin aufzunehmen - als Folge der gesetzlichen Rassentrennung.

Glücklicherweise tut sich eine andere Chance auf: Gefördert von Lotte Lehmann, wird sie Studentin an der "Music Academy of the West" in Kalifornien. 1960 debütiert sie schließlich als erste farbige Amerikanerin als Amneris in Verdis "Aida" an der Pariser Oper. Durch diesen erfolgreichen Auftritt wird die Opernwelt auch jenseits des großen Teichs auf Grace Bumbry aufmerksam.

Die "Schwarze Venus"

Mit 23 Jahren wird Grace Bumbry von Wieland Wagner in Bayreuth zum Casting eingeladen. Die schwarze Sängerin mit ihrer klangschönen, voluminösen Stimme bekommt tatsächlich die Rolle der Venus in Wagners "Tannhäuser".

Jemand musste die Erste sein - und warum nicht ich?!
Grace Bumbry über ihr Debüt in Bayreuth

Grace Bumbry als Venus | Bildquelle: picture-alliance/dpa Grace Bumbry als Venus in Wagners "Tannhäuser" | Bildquelle: picture-alliance/dpa Später erinnerte sie sich an Wolfgang Sawallisch und Wieland Wagner als "die wichtigsten Personen" ihrer Karriere. Die beiden gingen das Risiko ein und brachten statt der gewohnten blonden "germanischen" Venus eine schwarze Sängerin auf die Bühne, und Bumbry wusste: "Die standen hinter mir, ganz fest". Und die mutige junge Sängerin freute sich über die Herausforderung: "Jemand musste die Erste sein - und warum nicht ich?!"

So wird die "schwarze Venus" Bayreuths neuer leuchtender Star. Bei den Festspielen am 23. Juli 1961 schreibt Grace Bumbry als erste farbige Sängerin mit ihrem brillanten Auftritt Geschichte - und sie wird mit 30-minütigem Applaus gefeiert. Allerdings bringt der Erfolg einigen Presserummel mit sich: Die Afroamerikanerin wird auch in Europa mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert. Sie steht darüber.

"Das ist schwer zu erklären", sagt Bumbry heute und greift die Rassismus-Problematik in Amerika auf, die für sie als Amerikanerin damals "nichts Außergewöhnliches war". Sie habe schon als Kind gelernt, mit den Vorurteilen des weißen Establishments umzugehen. Glücklicherweise drehte sich die Erde weiter: Ein Jahr nach dem Bayreuther Auftritt wird Bumbry von Jaqueline Kennedy als erste afroamerikanische Opernsängerin für ein Konzert ins Weiße Haus eingeladen.    

Die (Mezzo-) Sopranistin und ihre Rollen  

Grace Bumbry singt die "Lady Macbeth" an der Seite von Dietrich Fischer-Dieskau, Sommer 1964 | Bildquelle: dpa - Bildarchiv Grace Bumbry singt die Lady Macbeth in Verdis Oper "Macbeth" an der Seite von Dietrich Fischer-Dieskau, Sommer 1964. | Bildquelle: dpa - Bildarchiv Nach dem internationalen Durchbruch mit ihrer Venus-Rolle wird Grace Bumbry als internationaler Opern-Star gefeiert. So fasziniert sie Opernwelt auch durch ihre Stimmlagen-Wechsel: Sie singt im Laufe ihrer Karriere sowohl Mezzosopran-Rollen als auch große, dramatische Sopran-Partien. Unvergesslich ist für das Publikum ihr Auftritt bei den Salzburger Festspielen 1964 als Lady Macbeth unter dem Dirigenten Wolfgang Sawallisch.

Einen weiteren Meilenstein beduetete ihre Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan. Mit ihm arbeitet sie 1966 zusammen - als Carmen in Bizets gleichnamiger Oper - eine Produktion, die als Film dokumentiert ist. Das nächste Angebot von Karajan lehnt Grace Bumbry allerdings ab. Dafür hat sie einen guten Grund: "Er wollte, dass ich die Donna Anna singe", erinnert sich die Sopranistin an den Vorschlag des Star-Dirigenten, "ich wollte ihm zu verstehen geben, dass eine Mozart-Koloratur nicht dasselbe ist wie eine Verdi-Koloratur. Ich war zu der Zeit eigentlich noch kein Sopran. Verdi ist Verdi und Mozart ist Mozart. Ich hatte keine ausreichende Erfahrung".

Grace Bumbry als Carmen

Entweder ich singe oder ich werde Hausfrau. Beides gleichzeitig könnte ich jedenfalls nicht tun. Und ich bin Sängerin! Und ich nenne das nicht einmal Opfer.
Grace Bumbry

Grace Bumbry als Lehrerin

Die Sopranistin Grace Bumbry unterrichtet eine Gesangsstudentin an der Musikhochschule Lübeck | Bildquelle: picture-alliance/dpa Grace Bumbry unterrichtet eine Gesangsstudentin an der Musikhochschule Lübeck. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Grace Bumbry verabschiedet sich 2007 und 2008 mit einer großen Tournee von der Bühne. Aber ein Jahr später gründet sie in Berlin ein eigenes Ausbildungsprogramm für den Opernnachwuchs, die "Grace Bumbry Vocal and Opera Academy". Zweimal jährlich finden Meisterkurse statt. Zurzeit lebt Bumbry in Salzburg und widmet sich auch am Mozarteum der Gesangsausbildung junger Talente."Gesang ist nicht etwas, was man schnell machen kann", ist ihre Überzeugung als Pädagogin: Um eine Stimme richtig auszubilden, brauche man sechs Jahre.

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