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Das kleine Einmaleins der Scala Was Sie über das Mailänder Opernhaus wissen müssen

Das Teatro alla Scala in Mailand ist einer der legendärsten Operntempel der Welt. In Italien ist die Scala eine Art italienisches Nationaheiligtum. Die wichtigsten Fakten, die Sie über die Scala wissen müssen, erfahren Sie hier.

Mailänder Scala von Innen | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Scala liegt an der Piazza della Scala, nach der sie benannt wurde, und verfügt über 2.200 Plätze. Alljährlich beginnt die Saison am 7. Dezember, dem Namenstag des Hl. Ambrosius (Sant’Ambrogio), des Stadtpatrons von Mailand. Die "Inaugurazione" ist stets ein pompös inszeniertes, gesellschaftliches und mediales Großereignis.

Kaiserin Maria Theresia kommt zur Eröffnung

Nach nur zweijähriger Bauzeit (Pläne: Giuseppe Piermarini)  wird das Theater 1778 durch die österreichische Kaiserin Maria Theresia eröffnet. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg kann Arturo Toscanini bereits am 11. Mai 1946 das feierliche Konzert zum Wiederaufbau dirigieren. Ende 2001 muss das Theater wegen umfassender Umbau- und Renovierungsmaßnahmen für drei Jahre seine Pforten schließen. Das Ensemble weicht in dieser Zeit ins Teatro degli Arcimboldi im Stadtteil Bicocca aus. Zur Rückkehr ins Stammhaus 2004 wählt man dasselbe Stück wie bei der Eröffnungspremiere von 1778: Antonio Salieris "L’Europa riconosciuta".

Sprungbrett zum Erfolg

Maria Callas | Bildquelle: picture-alliance/dpa Maria Callas: die Diva der Scala | Bildquelle: picture-alliance/dpa Für Vincenzo Bellini ("Il pirata", 1827), Gaetano Donizetti ("Lucrezia Borgia", 1833), Giuseppe Verdi ("Nabucco", 1842) und Umberto Giordano ("Andrea Chénier" 1896) war die Scala das entscheidende Sprungbrett zum Erfolg als Opernkomponist. Mitte der 1950er Jahre ist die Mailänder Scala der glanzvolle Mittelpunkt der Opernwelt und das ist hauptsächlich ihrer Primadonna Assoluta zu verdanken: Maria Callas, die hier als Medea, Norma oder Violetta bislang ungeahnte Maßstäbe als Sängerdarstellerin setzt und zum künstlerischen Idol einer Generation avanciert – allerdings auch zum Liebling der Klatschpresse, der sie als kapriziöse Diva reichlich Schlagzeilen liefert.

Ihre Ausfälle gegen Renata Tebaldi, ihre horrenden Gagenforderungen, ihre Einflussnahme auf Spielpläne und Besetzungen, ihre Launen und Absagen bringen den Intendanten zur Verzweiflung. 1958 ist seine Geduld am Ende: Antonio Ghiringhelli setzt seinen Star vor die Tür und ist überzeugt: "Primadonnen kommen und gehen, aber die Scala bleibt."

Gesellschaftliche Ereignisse der Superlative waren die Uruaufführung von Verdis "Otello" (1887) und "Falstaff" (1893), Puccinis "Turandot" (1926) und Mascagnis "Nerone" (1935).

Anna Netrebko als neuer Scala-Star

Im Oktober 2000 debütiert Anna Netrebko im Rahmen eines Gastspiels des Mariinsky-Theaters St. Petersburg unter Valery Gergiev als Natascha in Sergei Prokofjews "Krieg und Frieden". Erneut steht sie in Mailand im Dezember 2011 auf der Bühne: als Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni" und mit Daniel Barenboim am Dirigentenpult. Erneut kommt sie 2012 als Mimi in Puccinis "La Bohème" an die Scala und 2016 als Giovanna in Verdis "Giovanna d'Arco". Dieses Jahr singt sie - zusammen mit Ehemann Yusif Eyvazov - zur Saisoneröffnung in Giordanos "Andrea Chénier".

Selten fiel das traditionsbewusste Haus durch innovatives Regietheater auf. Doch im September 2015 wagte es immerhin ein interessantes Experiment außerhalb der eigenen Mauern. Unter Maestro Fabio Luisi spielte das Ensemble im rund 50 Kilometer entfernten Flughafen Mailand-Malpensa inmitten tausender von Fluggästen Gaetano Donizettis Opera buffa "L'elisir d'amore". Die ungewöhnliche Aufführung wurde auf ARTE übertragen. 

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