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Skandale an der Scala Die Macht des Mailänder Publikums

Was gefällt und was nicht, das entscheidet an der Mailänder Scala das Publikum: mit Gebrüll, Pfiffen oder Applaus. Und dabei spielte und spielt nie eine Rolle, wie berühmt ein Künstler war oder ist, der auf der Bühne erscheint. Die Liste der Stars, die hier einen katastrophalen Abend überstehen mussten, ist lang.

Mailänder Scala von Außen | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Keine Gnade für Puccinis "Madame Butterfly"

"Grunzen, Dröhnen, Brüllen, Lachen, Kreischen, Schreien - das war in Zusammenfassung die Aufnahme, die das Publikum dem neuen Werk von Giacomo Puccini bereitet hat. Nach diesem Höllenlärm, in dem man so gut wie nichts hören konnte, verließ das Publikum das Theater seelenvergnügt! Im Foyer des Theaters rieben sich viele die Hände mit den Worten: consummatum est, parce sepulto!" So beschrieb der Verleger Giulio Ricordi im Jahr 1904 die katastrophale Uraufführung von "Madama Butterfly" im Teatro alla Scala. Puccini traf das Fiasko völlig unerwartet, selten war er so siegessicher gewesen wie vor dieser Premiere. Und den langfristigen Welterfolg seiner "Lieblingsoper" konnte ja auch das launenhafte Mailänder Publikum nicht verhindern.

Fiasko für Mirella Freni

In der Inszenierung Franco Zeffirellis singt die junge Mirella Freni 1964 unter Herbert von Karajan ihre erste Violetta. Der Abend wird zum Fiasko, das Publikum empfängt die Sängerin mit einem gellenden Pfeifkonzert. Ihr einziger Fehler: Sie ist die direkte Rollennachfolgerin der "göttlichen" Maria Callas, deren Interpretation acht Jahre zuvor in Viscontis Traviata-Produktion als legendär gilt. Die sogenannten "vedovi della Callas" (Witwer der Callas) dulden lange Zeit keine Nachfolgerin.  

Renée Flemmings schlimmstes Bühnenerlebnis

Reneé Fleming | Bildquelle: Andrew Ecceles /Decca Bildquelle: Andrew Ecceles /Decca Bei der Premiere von Donizettis "Lucrezia Borgia" wird Renée Fleming 1998 in der Titelrolle von den gefürchteten "loggionisti" gnadenlos ausgebuht, während das Publikum im Parkett applaudiert. In ihrer Autobiographie beschreibt die amerikanische Sopranistin diesen Abend als das schlimmste Bühnenerlebnis ihrer Karriere. Offenbar setzen die Ereignisse auch dem Dirigenten Gianluigi Gelmetti zu, denn er wird an diesem Abend zweimal ohnmächtig.

Sturm der Entrüstung für Riccardo Muti

Sogar Riccardo Muti bleibt - im Jahr 2000 - vor Unmutsäußerungen nicht verschont, als er in philologischem Eifer dem Publikum liebgewonnene Traditionen verweigert. In Verdis Trovatore streicht er das (nicht partiturgetreue) hohe C am Ende von Manricos berühmter Stretta "Di quella pira", wofür er und Tenor Salvatore Licitra einen Sturm der Entrüstung ernten.

Radames Roberto Alagna ergreift die Flucht

Bei der zweiten Vorstellung der Saison-Eröffnungsproduktion von 2006 - Verdis "Aida" in der Inszenierung von Franco Zeffirelli - wird Radames Roberto Alagna nach der Arie "Celeste Aida" ausgebuht. Er zeigt dem Publikum die Faust, geht von der Bühne und verlässt das Theater: ein selbst in der Geschichte der Scala bislang einzigartiger Skandal. Im Anschluss behauptet der Tenor, er sei vor Vorstellungsbeginn hinter der Bühne bedroht worden und die Störungen des Publikums hätten bereits vor der Arie eingesetzt. Alagna verklagt das Theater, das nach dem Vorfall die komplette Aufführungsserie umbesetzt.

Die Mailänder Scala auf BR-KLASSIK

Donnerstag, 7. Dezember, 19.05 Uhr
KlassikPlus
"Skandale, Mythen und Triumphe"
Die Mailänder Scala
Von Alexandra Maria Dielitz

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