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Opernfestspiele München

24. Juni bis 31. Juli 2017

Raus auf die Bühne "La Juive" eröffnet die Münchner Opernfestspiele

Während der Festspielzeit blickt BR-KLASSIK bei den großen Opernfestivals mit den Reihen "Kein zurück" und "Nachgefragt" auf den spannenden und aufregenden Prozess kurz vor der Premiere. Los geht's mit "La Juive" in München.

Tareq Nazmi | Bildquelle: BR

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Die roten Teppiche werden wieder ausgerollt. Es ist Sommer und damit Zeit für große Oper! Ob heiß erwartete Neuinszenierung, Uraufführung oder phänomenal besetzte Wiederaufnahme: Während der Festspielzeit berichtet BR-KLASSIK über die spannendsten Opernprojekte der großen Festivals aus Salzburg, Bayreuth, München, Bregenz, London und Aix-en-Provence. Bis die großen Werke aber in dieser Schlagzahl auf der Bühne zu sehen sind, tüfteln und schwitzen jede Menge Künstler und müssen schließlich am Ende ihres Probenprozesses auf der Bühne eine Entscheidung treffen und sie dem Publikum präsentieren. In diesem Opernfestival-Guide bietet BR-KLASSIK in den Reihen "Kein zurück" und "Nachgefragt" jede Woche eine Begegnung mit einem Dirigenten, Sänger, Instrumentalisten, Regisseur, Dramaturgen und Bühnen- oder Kostümbildner und begleitet durch den Opernsommer.

Die Bayerische Staatsoper eröffnet die Münchner Opernfestspiele im Nationaltheater mit Fromental Halévys Oper "La Juive". BR-KLASSIK ist live im Videostream und im Radio bei der Premiere dabei.

Nachgefragt

Wir haben bei Benedikt Stampfli, der die Dramaturgie der Neuinszenierung von "La Juive" an der Bayerischen Staatsoper verantwortet, "nachgefragt".

BR-KLASSIK: Wie hat sich die Oper La Juive für Sie durch Ihre Arbeit mit dem Stoff verändert? Welche Überraschungen hat es gegeben?

Benedikt Stampfli: Striche bedeuten in der Grand Opéra nicht zwangsläufig, dass einem Werk Schaden zugefügt wird. Im Gegenteil: Musikalische Kürzungen tragen im Genre Grand Opéra oft dazu bei, dass gewisse Handlungsabläufe besser verständlich werden. Unsere musikalische Fassung der Juive finde ich sehr geglückt, da sie sowohl die szenischen als auch die musikalischen Ideen der Künstler unterstützt. 

BR-KLASSIK: Warum lohnt es sich das Stück anzuschauen?

Benedikt Stampfli: Die Themen in La Juive sind nach wie vor hochaktuell. Ich finde wichtig, dass heute La Juive gespielt wird, damit unsere Gesellschaft für Themen wie Fanatismus, Ausgrenzung und Intoleranz sensibilisiert wird. All diese Themen werden in La Juive angesprochen. Und es liegt an uns, dass wir nach anderen Auswegen suchen, damit nicht wie in La Juive unschuldige Menschen geopfert werden. "Was wir brauchen, ist ein Sinn für Gerechtigkeit, aber auch gesunden Menschenverstand, wir brauchen Fantasie und eine enorme Vorstellungskraft für den anderen, manchmal sogar die Fähigkeit, in dessen Haut zu schlüpfen." (Amos Oz)

BR-KLASSIK: Auf welche Opern, Theaterstücke oder Romane, die Sie vorher nicht kannten, sind sie durch La Juive gestoßen?

Benedikt Stampfli: Ich kannte schon vor meiner Beschäftigung mit La Juive Marcel Prousts Roman Auf den Spuren der verlorenen Zeit. Ich verstehe aber jetzt besser, warum Proust darin diese Oper zitiert. Dank meiner Beschäftigung mit La Juive lernte ich einige andere Grand Opéras kennen und konnte mein Wissen über das Genre "Grand Opéra" erheblich erweitern.  

BR-KLASSIK: Welche Lieblingsstellen haben Sie aus musikalischer Sicht?

Benedikt Stampfli: Es gibt einige Stellen, die bezaubernd schön sind. Im Duett zwischen Rachel und Eudoxie (Nr. 14) beispielsweise spielen drei Solo-Celli und ein Hornquartett eine wichtige Rolle. Die Streicher begleiten die Gesangsstimme von Prinzessin Eudoxie und die Bläser diejenige von Rachel. Diese zwei Klangfarben haben zur Folge, dass es nicht nur ein vokales Duett zwischen den beiden Frauenstimmen gibt, sondern auch ein Duett zwischen zwei Instrumentengruppen. Ein weiterer Höhepunkt erklingt am Ende des vierten Aktes und zwar in der berühmten Arie von Éléazar ("Rachel, quand du Seigneur"), die von zwei Englischhörnern eingeleitet wird.

"Kein zurück" mehr auf dem Weg zur Bühne

Der Tag der Premiere ist für viele Künstler ein nervenaufreibender Kraftakt. Alles, was hart erarbeitet wurde, muss abgerufen werden und zwar zum exakt richtigen Zeitpunkt. Tagesaktuelle Probleme müssen ausgeblendet werden. Wer kurz vorm "hohen C" an die Steuererklärung denkt, hat meist verloren. Es heißt also: Fokus. Augen zu und durch. Auftritt, Gegenlicht, Einsatz. Diese Woche gibt es in Halévys "La Juive" u.a. "Kein zurück" für den Tenor John Osborn und den Bassisten Tareq Nazmi.

Tareq Nazmi ist einer der derzeit vielversprechenden jungen Bässe aus der Talentschmiede des Münchner Opernstudios und im Ensemble der Bayerischen Staatsoper. Die Arbeit mit dem Regisseur Calixto Bieito empfindet er als, spannend, nervenaufreibend und intensiv. Er singt die Partie des Albert, die aus dramaturgischen Gründen gekürzt wurde. Dennoch muss er für lange Strecken der Inszenierung auf der Bühne agieren und Präsenz zeigen.

Tareq Nazmi | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

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Der Bass Tareq Nazmi

John Osborn ist ein weltweit gefragter Tenor und debütiert an der Bayerischen Staatsoper als Reichsfürst Leopold. Die Vorfreude des gebürtigen Amerikaners auf die Premiere ist groß. Die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen und Vorbild Roberto Alagna ist für ihn eine Inspirationsquelle.

John Osborn | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

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Der Tenor John Osborn

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