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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 31. August 2019

Kritik – Wiederaufnahme von Händels "Alcina" in Salzburg Die liebende Zauberin

Auf den Salzburger Pfingstfestspielen feierte Damiano Michielettos Inszenierung von Händels Oper "Alcina" Premiere. Bereits zu den Sommerfestspielen wurde sie wiederaufgenommen. Der Abend war vor allem eines: ein Sängerfest. Cecilia Bartoli glänzte in der Titelpartie ebenso wie Philippe Jaroussky in der Rolle des Ruggiero. Dieser positive Eindruck wird allerdings durch die recht magere Personenregie relativiert.

Sandrine Piau (Morgana), Kristina Hammarström (Bradamante), Philippe Jaroussky (Ruggiero), Cecilia Bartoli (Alcina) | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Matthias Horn

Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Matthias Horn

Die Kritik zum Anhören

Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist die Schönste im Zauberland? Groß und goldumrandet hängt der Spiegel vorn am linken Bühnenrand. Er öffnet sich. Cecilia Bartoli steigt als Zauberin Alcina aus dem Spiegeloval. Sie wirft einen Blick zurück, prüft ihr Aussehen, zieht später den Lippenstift nach, so wie Frauen das eben machen. Sie wird den Spiegel auch befragen: Bin ich nicht schön, nicht liebenswert? Warum liebt er mich nicht mehr? Alcina ist zwar eine Zauberin, sie hat auf ihrer Insel, auf der sie lebt, die Macht. Doch ergeht es ihr wie vielen Frauen: Der Selbstzweifel nagt. Ruggiero zweifelt an ihrer Liebe, und sie deshalb an sich. Dem Barockopern-üblichen Liebes-Wirrwarr hat Damiano Michieletto in seiner Inszenierung einen spannenden Aspekt hinzugefügt. Die Vergänglichkeit. Für Frauen, die häufig nach dem Äußeren beurteilt werden, ein besonderes Thema. Zeitgleich mit Alcina ist (hinter einem durchsichtigen Vorhang auf der Drehbühne) oft auch eine gealterte Alcina zu sehen. Zu dieser grauhaarigen, schütteren Version ihrer selbst wird die Zauberin am Ende. Wenn sie alles verloren hat, ihre Macht und die Liebe.

Bartolis Reservoir an Ausdruck und Empfindung

Cecilia Bartoli (Alcina) und Angelika Nieder (Alte Alcina) | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Matthias Horn Szenenfoto: Cecilia Bartoli (Alcina) und Angelika Nieder (Alte Alcina) | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Matthias Horn Hinter dem durchsichtigen Vorhang bewegen sich auch die einstigen Liebhaber von Alcina – von ihr abserviert, verzaubert und damit auf der Insel gefangen gesetzt. Außerdem ist dieser Vorhang Projektionsfläche für beeindruckende Bilder und Formen. Das lenkt zwar gelegentlich von der Musik ab. Überdeckt aber auch die magere Personenregie. Die steht dem Gesungenen zum Teil entgegen. Warum? Sollen wir Zuschauer über den wahren Zustand der Figuren getäuscht werden, so wie sich Alcina, Ruggiero oder Morgana über ihre Gefühle täuschen? Falls das so gedacht war, es funktioniert nicht. Wenn die Musik an unser Herz rührt, dann ist sie wahr. So wie bei Cecilia Bartoli! Ihre Zauberin liebt, vielleicht zum ersten Mal. Steigert sich in Eifersucht und Rache, als sie verlassen wird. Stirbt im Wahnsinn. Bei allem sperrt man zuhörend die Ohren auf, um Cecilia Bartolis riesiges Reservoir an Ausdruck und Empfindung zu bestaunen.

Farbenreich, brillant, vielgestaltig

Wie Countertenor Philippe Jaroussky sich zusammenkrümmt oder die Hände abwehrend von sich streckt, muss man nicht mögen. Es ist zu stereotyp. Doch sein Singen ist es nicht – farbenreich, brillant, vielgestaltig. Auch die anderen Partien sind hochkarätig besetzt: Die Mezzosopranistin Kristina Hammarström hat eine wunderbare Verzierungskunst und ein schönes Timbre. Die Sopranistin Sandrine Piau bringt Verve und Energie auf die Bühne. Das ist gerade im ersten Akt ein belebender Kontrast zu Les Musicien du Prince-Monaco, die, geleitet von Gianluca Capuano, über weite Strecken recht gleichförmige Tempi wählen. So ist dieser Abend vor allem eines: ein Sängerfest.

"Alcina" in Salzburg

Informationen zu Terminen, Besetzung und Vorverkauf finden Sie auf der Homepage der Salzburger Festspiele.

Sendung: "Allegro" am 09. August 2019 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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