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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 31. August 2019

Komponist Pascal Dusapin in Salzburg Mit Lust am Spiel von Licht und Schatten

Die Konzertreihe für zeitgenössische Musik bei den Salzburger Festspielen rückt dieses Jahr einen Komponisten ins Zentrum, den man schon als den "französischen Wolfgang Rihm" bezeichnet hat: Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren. Sechs Konzerte sind ihm gewidmet. Vom Liederabend bis zur konzertanten Opernaufführung. "Zeit mit Dusapin" kann man in Salzburg aber nicht nur im Konzert verbringen; es gibt auch zwei Ausstellungen, im Haus für Mozart und in der Leica Galerie, die sich seinem fotografischen Werk widmen.

Leica Galerie Salzburg. Vernissage von Pascal Dusapin, Komponist und Fotograf. | Bildquelle: picture alliance/APA/picturedesk.com

Bildquelle: picture alliance/APA/picturedesk.com

Zum Anhören

Halbzeitbilanz zur Reihe "Zeit mit Dusapin"

Die Welt durch die Kamera-Linse

Eine Straße, die ins Nirgendwo führt. Durch eine öde Hügellandschaft, über die sich schon der Nebel senkt. Eine einsame Möwe über der Weite des Meeres, weit unten, ganz klein in der Ferne, ein weißes Segelschiff. Eine brüchige, verkrustete Schneefläche im grauen Zwielicht der Dämmerung. Wenn Pascal Dusapin unterwegs ist, hat er seine Kamera dabei. Keine digitale, sondern ganz altmodisch eine analoge. Und Dusapin fotografiert schwarz-weiß. Keine Porträts, keine Sehenswürdigkeiten, dafür menschenleere Landschaften, rätselhafte Details und immer wieder Wolken. Das Spiel von Licht und Schatten interessiert ihn, die Unschärfen, das Doppelbödige.

Getuschte Partituren

Auch die Musik von Pascal Dusapin hat etwas Ungreifbares. Sie schillert, fluktuiert, ist ständig in Bewegung, im Wandel. Und so, wie er beim Fotografieren in der Fremde ausschließlich auf analoge Technik zurückgreift, so entstehen auch die Partituren zu Hause, am Pariser Montparnasse: nicht am Computer, sondern sorgfältig mit Tusche aufs Papier gesetzt. Kaum zu glauben, dass es ausgerechnet die Technik-Freaks Edgar Varèse und Iannis Xenakis waren, die Dusapin einst zum Komponieren gebracht haben.

Varèse und Xenakis als Vorbilder

Als Pascal Dusapin mit 18 Jahren zum ersten Mal das schroffe Orchesterstück "Arcana" von Varèse im Konzert hört, ist es um ihn geschehen. Von da an weiß er, dass sein Leben der Musik gehört. Ein reguläres Kompositionsstudium wird er zwar nie absolvieren, aber er lauscht an der Sorbonne mit Hingabe den Vorlesungen von Iannis Xenakis, vier Jahre lang. Doch während die Musik von Xenakis wie ein Vulkan, wie ein Erdbeben, wie ein Felssturz über die Zuhörer hereinbricht, kann Dusapins Musik so leicht und licht klingen wie der Wind, die Wellen, die Wolken.

Gebändigte Trauer

Der Komponist Pascal Dusapin und die Dirigentin Laurence Equilbey beim Eröffnungskonzert von "Zeit mit Dusapin" am 25. Juli 2019 in Salzburg | Bildquelle: SF / Marco Borrelli Der Komponist Pascal Dusapin und die Dirigentin Laurence Equilbey beim Eröffnungskonzert von "Zeit mit Dusapin" am 25. Juli 2019 in Salzburg | Bildquelle: SF / Marco Borrelli Pascal Dusapin hat sich nie einer Schule angeschlossen, weder den Serialisten noch den Spektralisten. Und doch klingt seine Musik in ihrer Sinnlichkeit und Farbigkeit typisch französisch. Diese frappierende Klangmagie ließ sich schon im Eröffnungskonzert der Salzburger Dusapin-Reihe am 25. Juli bewundern. Faszinierend, wie da die Stimmen des Accentus-Chores unter der präzisen Leitung von Laurence Equilbey mit den Bläsern des Österreichischen Ensembles für Neue Musik verschmelzen. Es geht ums Ganze in Dusapins Chorstücken: um Tod und Abschiednehmen. Dusapin schreibt Totenklagen um nahestehende Menschen, aber er versagt es sich, seinen Schmerz einfach herauszuschreien. Die Trauer wird gebändigt im polyphon verschlungenen Satz, das Metier schafft Distanz. So wie auch das Objektiv von Dusapins Fotokamera die klirrende Kälte des Schneefeldes in Kunst verwandelt.

Sendungen:
"Piazza" am 27. Juli 2019, 08:05 Uhr auf BR-KLASSIK
"Leporello" am 30. Juli 2019 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

"Zeit mit Dusapin" in Salzburg

Infos zu Terminen und Vorverkauf finden Sie auf der Homepage der Salzburger Festspiele.

Die Salzburger Festspiele auf BR-KLASSIK

Alle Informationen zu den Live-Übertragungen der Salzburger Festspiele und aktuelle Kritiken, finden Sie hier.

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