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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 30. August 2018

Salzburger Festspiele 2018 Gábor Káli gewinnt den Young Conductors Award

2018 war und ist ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr für Gábor Káli: Erst im Januar hat der gebürtige Ungar die Hongkong Conducting Competition gewonnen - jetzt kam der "Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award" hinzu, eine prestigereiche und hochdotierte Auszeichnung, die jährlich bei den Salzburger Festspielen verliehen wird.

Der junge Dirigent Gábor Káli | Bildquelle: http://gaborkali.com

Bildquelle: http://gaborkali.com

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BR-KLASSIK: Man kann sich gut vorstellen, wie das abläuft, wenn bei einem Musikwettbewerb ein Instrument gespielt wird. Aber wie funktioniert eigentlich ein solcher Dirigierwettbewerb? Nach welchen Kriterien wird gemessen und wie läuft das überhaupt ab?

Gábor Káli: In Salzburg war die Jury sehr interessiert, auch die Probe zu hören. Jeder Kandidat im Finale hatte ein eigenes Konzert bei den Salzburger Festspielen, die Jury war bei der Generalprobe dabei und natürlich bei der Aufführung. Ich glaube, sie haben viele Feedbacks vom Orchester gesammelt, nach jeder Probe. Das Programm mussten wir selber entscheiden und zusammenstellen, das war auch Teil des Wettbewerbs. Wir wurden also in Dingen geprüft, die unseren Dirigenten-Alltag bestimmen.

BR-KLASSIK: Das heißt, es wird auch nicht nur das musikalische Ergebnis beurteilt, sondern auch der Weg dorthin – wie man etwas beim Orchester umsetzen kann.

Gábor Káli: Absolut.

BR-KLASSIK: Und was wurde Ihnen bescheinig? Was hat die Jury an ihrem Dirigat besonders gemocht?

Gábor Káli: So ganz genau haben Sie das nicht gesagt. Aber ich denke, sie waren insgesamt sehr zufrieden. Ich habe ein Stück von Bartók dirigiert, das Divertimento für Streichorchester. Das fanden sie extrem gut; von allen habe ich das gehört, wie gut das war.

Klavierwettbewerbe waren für mich stressiger als Dirigierwettbewerbe.
Gábor Káli

BR-KLASSIK: Sie haben ja ursprünglich Klavier studiert, erst in Budapest, dann in Berlin. Ist so ein Dirigierwettbewerb genauso aufregend, wie wenn man am Instrument sitzt und solistisch spielen muss?

Gábor Káli: Ich habe auch ziemlich viele Wettbewerbe als Pianist bestritten – in Ungarn vor allem – und für mich war das aufregender, also stressiger als Dirigierwettbewerbe.

BR-KLASSIK: Warum?

Gábor Káli: Vielleicht, weil ich das Instrument nicht so gut beherrschen konnte wie den Taktstock, und das ergibt automatisch einen größeren Stressfaktor, auf psychologischer Ebene.

Ich habe ganz automatisch gespürt: Das ist mein Weg.
Gábor Káli

BR-KLASSIK: Sie fühlen sich sicherer als Dirigent. Wie ist es denn überhaupt zu diesem Wunsch gekommen, Dirigent zu werden?

Gábor Káli: Es ist für mich auch etwas magisch, weil ich mich schon mit acht oder neun Jahren entschieden habe, Dirigent zu werden. Und ich denke, es kam so: Meine Eltern sind Ärzte, aber beide haben Musik studiert und sind vor allem an klassischer Musik sehr interessiert. Sie haben mich ins Konzert mitgenommen, und da habe ich natürlich gesehen, was ein Dirigent macht. Und ich habe ganz automatisch gespürt: Okay, das ist mein Weg. Und das habe ich dann natürlich zu Hause ausprobiert. Es war für mich eine Freude.

BR-KLASSIK: Sie sind dann wirklich die "Tippel-Tour" gegangen. Angefangen haben Sie als Repetitor in Aachen. Seit 2011 waren sie dann in Nürnberg engagiert – zunächst als Zweiter, dann als Erster Kapellmeister, bis zum Ende dieser Saison. Jetzt haben sie sich vom festen Engagement befreit und sind freischaffend. Warum dies?  

Gábor Káli: Ich hatte das Gefühl, dass ich mich jetzt mehr ans Konzert-Repertoire setzen und eine neue erfrischende Welle finden muss – mit Gast-Engagements und mit verschiedenen Orchestern. Ich brauche andere Erfahrungen als die, die ich bisher im Opernhaus gesammelt habe.

BR-KLASSIK: Sie haben demnächst ihr Debüt am Gärtnerplatztheater, dann kommt ein Konzert in Taiwan und dann sind sie an der Oper in Budapest als Assistent von Iván Fischer. Gibt es denn Idole für Sie? Haben Sie Vorbilder – auch unter den Dirigenten – wo sie sagen: Oh, das ist ein Künstler, der mir unglaublich imponiert?

Gábor Káli: Als ich jung war, gab es sehr viele. Als Pianist András Schiff zum Beispiel, als Dirigent Ferenc Fricsay. Aber auch andere große Namen kann ich nennen. Jetzt sind es immer weniger geworden. Natürlich beobachte ich alle, die mich interessieren, aber vielleicht finde ich immer mehr zu meinem eigenen Weg. Und das ist wichtig, finde ich, meinen Weg zu stärken und dabei natürlich immer aufmerksam zu sein, aber keine Idole mehr zu haben.

Anfangs wusste ich eigentlich gar nicht, woraus der Preis besteht.
Gábor Káli

BR-KLASSIK: Diese Wettbewerbsgewinn in Salzburg zieht ein Konzert im kommenden Jahr bei den Festspielen nach sich, aber auch den wunderbaren warmen Regen von 15.000 Euro als Preisgeld. Haben Sie schon eine Idee, was Sie damit anstellen werden?

Gábor Káli: Nein, das weiß ich noch nicht. Anfangs wusste ich eigentlich gar nicht, woraus der Preis besteht. Ich habe das nicht gelesen, wusste nicht, wie viel Geld und welches Konzert danach kommt. Ich finde, das stört die Konzentration während des Wettbewerbs. Nachher erfährt man das dann schon.

Sendung: "Leporello" am 13. August 2018 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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