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CD - Baptiste Romain Die mittelalterliche Fidel

Rebab, Rotta, Crwth – so unterschiedlich wie die Namen waren auch Bauweise und Klang der mittelalterlichen Fidel. Baptiste Romain und sein Ensemble "Le Miroir de Musique" zeichnen die Erfolgsgeschichte des Instruments auf einer wunderbar atmosphärischen CD nach.

CD-Cover: In seculum viellatoris - The Medieval Vielle | Bildquelle: © Ricercar

Bildquelle: © Ricercar

Der CD-Tipp zum Nachhören

Die einen nahmen sie in den Arm, die anderen aufs Knie, und wieder andere zwischen die Beine. Die Araber nannten sie Rebab, die Troubadoure tauften sie zärtlich Viola, und die Kelten gaben ihr den schier unaussprechlichen Namen Crwth. So vielfältig wie ihre Namen war auch ihre Gestalt: flach oder bauchig, länglich oder oval, mit Taille oder ohne. Könige brachte sie zum Tanzen, Kleriker machte sie andächtig; am schönsten aber klang sie, wenn sie sich an einen Minnesänger schmiegte: die Fidel.

Frisch gekürter Professor

Was wir heute ‚Fidel' nennen, war damals, im Mittelalter und in der Renaissance, in Wirklichkeit eine bunte Vielzahl von Instrumenten. Ob aus Ahornholz geschnitzt oder mit Ziegenhaut bespannt, ob mit fünf Saiten oder sieben oder auch nur einer einzigen, eines hatten alle Fideln doch gemeinsam: sie wurden mit einem Bogen gestrichen - eine Spielweise, die sich erst um das Jahr 1000 in Europa verbreitet hatte. Heute streicht diesen Fidelbogen keiner so klangschön und so traumwandlerisch frei, so einfühlsam und zugleich so virtuos wie Baptiste Romain, frisch gekürter Professor für frühe Streichinstrumente an der Schola Cantorum in Basel.

Erfolgsgeschichte der Fidel-Familie

Bei einem anderen hätte die Geschichte der Fidel vom 12. bis zum 15. Jahrhundert der Stoff für eine staubtrockene Vorlesung werden können. Nicht so bei Professor Romain. Mit seinem Ensemble "Le Miroir de Musique" hat er eine bezaubernde CD vorgelegt, die alles plump Didaktische meidet und die Erfolgsgeschichte der Fidel-Familie in 16 atmosphärischen und  sinnlichen Stücken nacherzählt. Keine Besetzung gleicht dabei der anderen: Das Lied des okzitanischen Troubadours Perdigon zum Beispiel begleitet Baptiste Romain auf einer einsamen Rubebe, einem kleinen, näselnden Fideltyp aus dem Mittelmeerraum…

Für eine volkstümliche Melodie des 15. Jahrhunderts dagegen werden nicht nur drei Fideln, Laute und Harfe aufgeboten, sondern auch ein rustikaler Dudelsack… Und der Ohrwurm "O Rosa bella" von Johannes Ciconia wiederum leuchtet in einer kammermusikalisch intimen Fassung für zwei Fideln und Laute auf.

Fesselnde Zeitreise

Schritt für Schritt, fast unmerklich, führen uns Baptiste Romain und seine exzellenten Mitstreiter so von den Anfängen der Fidel über ihre Blütezeit bis zu dem Punkt, an dem die Mutter unserer heutigen Streichinstrumente den Stab - oder besser gesagt: den Bogen - weitergab an ihre Kinder, die Gamben und Violinen. Eine fesselnde Zeitreise mit vielen magischen Momenten, an deren Ende man - ganz nebenbei - auch noch so manches gelernt hat

In seculum viellatoris: The Medieval Vielle

Le Miroir de Musique / Baptiste Romain
Label: Ricercar

Sendungsthema aus "Tafel-Confect" vom 6. Mai 2018, 12.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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