BR-KLASSIK

Inhalt

"4" - Filmdokumentation über das Quatuor Ebène "Wir sind wie tektonische Platten"

1999 hat sich das französische Quatuor Ebène am Konservatorium von Boulogne-Billancourt südwestlich von Paris zusammengefunden. Fünf Jahre später gewannen die Musiker den Internationalen ARD-Musikwettbewerb und stiegen damit in die Weltspitze auf. Die Vier sind langjährige Freunde und Weggefährten. Wie diese Freundschaft immer wieder auf die Probe gestellt wird und wie sie musikalisch und privat miteinander umgehen, zeigt die Dokumentation "4" von Daniel Kutschinski. Nach der erfolgreichen Premiere auf dem DOK.fest München ist sie in zahlreichen bayerischen Kinos zu sehen.

Filmstill aus dem Dokumentarfilm "4" | Bildquelle: DOK.fest München

Bildquelle: DOK.fest München

Filmdokumentation über das Quatuor Ebène

Gespräch mit dem Regisseur Daniel Kutschinski

Das Quatuor Ebène im Konzert: Doch wir sehen die vier Musiker nur als winzige Figuren über einen kleinen Monitor aus dem Zimmer hinter dem Bühneneingang. Kurz darauf schwebt die  Kamera in wenigen Zentimetern Entfernung über den Korpus einer Geige, tastet die Maserung des Holzes ab, fährt die Saiten entlang, die wie Hochspannungsleitungen aussehen. So nah, so fern. Was für eine wunderbare Idee der Annäherung.

Das Quatuor Ebène und die endlosen Diskussionen

Filmstill aus dem Dokumentarfilm "4" | Bildquelle: DOK.fest München Das Quatuor Ebène: Bei den Proben wird teils heftig diskutiert. | Bildquelle: DOK.fest München Wie nah kommt ein Filmemacher seinen Figuren? Wie weit lassen die Figuren den Regisseur an sich heran? Die Musiker des Quatuor Ebène agieren wie Schauspieler: Sie ignorieren, von einer kurzen Interviewsituation abgesehen, souverän die Kamera. Wir begleiten die vier zum Veranstaltungsort, wir beobachten sie in der Konzertpause, beim Essen und bei Gesprächen mit Fans und sitzen mit ihnen im Auto. Immer wieder erleben wir sie in der Probe, bei endlosen Diskussionen: "An dieser Stelle vielleicht ein bisschen weniger Vibrato - ich hätte aber gern ein bisschen mehr, um es trauriger zu machen … Nicht so schnell, aber so langsam dann auch wieder nicht … Dein letzter Ton war ein bisschen lang … Und jetzt sind wir überhaupt nicht zusammen …".
Da geht es mitunter ans Eingemachte: "Ich bin in diesem Quartett für 90 Prozent der Melodielinie zuständig. Ich habe heute Abend Scheiße gebaut. Wenn du sagst, das Konzert war nicht schlecht, lässt mich das wie einen Idioten dastehen." Geiger Pierre Colombet ärgert sich nach einem Konzert maßlos über sich selbst - und merkt nicht, wie er damit den anderen auf die Nerven geht.

Das Ringen um den eigenen Anspruch

Während dieser handfesten Auseinandersetzung blicken wir nicht auf die Musiker. Wir hören sie nur. Die Kamera fixiert von oben und von hinten das Podium, die vier leeren Musikerstühle, die Notenpulte und die den Saal verlassenden Zuhörer. Ein grandioses Bild für die Widersprüchlichkeit solcher Augenblicke: Hier ein von sich selbst enttäuschter Geiger, da ein jubelndes Publikum. Was gilt, was ist wahr? Das ewige Ringen mit dem eigenen Anspruch, das vermeintliche Scheitern und die damit verbundenen Selbstzweifel - das alles macht das Leben im Quartett bestimmt nicht einfacher. Aber es macht auch die Größe und die Brillanz dieses Spitzenensembles aus. Sie seien wie tektonische Platten, die sich manchmal übereinanderschieben. So beschreibt es der Cellist Raphaël Merlin.

Vier Leute machen einen Planeten. Es gibt Spannungen beim Kontakt untereinander. Die sind manchmal schön und manchmal hart, denn es kann Vibrationen geben.
Cellist Raphaël Merlin

Keine Jubelarie

Filmstill aus dem Dokumentarfilm "4" | Bildquelle: DOK.fest München Der Bratschist Mathieu Herzog (im Bild rechts) hat das Ensemble mittlerweile verlassen. | Bildquelle: DOK.fest München Mittlerweile hat der Bratscher Mathieu Herzog, der im Film noch dabei ist, die Truppe verlassen. Auch diese bestimmt harte Vibration müssen die anderen aushalten. Damit umgehen. Und mit dem neuen vierten weitermachen.
„4“, so heißt ganz schlicht dieses etwas andere - und so besondere - Porträt eines Streichquartetts. Keine Jubelarie. Dafür ein Stück Biografie von vier Menschen, die einander besser kennen als ihre eigenen Familien. Und deren gemeinsame Arbeit, sagt Pierre Colombet, immer mehr sei als „nur“ Musik.

"4" - Ein Dokumentarfilm über das Quatuor Ebène

Termine in Bayern:

München, Monopol-Kino, Tel. 089-38888493
Mittwoch, 14. Dezember 2016, 19:00 Uhr; anschließend: Filmgespräch mit dem Filmemacher - ausverkauft!
Donnerstag, 29. Dezember 2016, 17:00 Uhr
Samstag, 31. Dezember 2016, 17:00 Uhr
Sonntag, 1. Januar 2017, 14:00 Uhr
Montag, 2. Januar 2017, 17:00 Uhr
Mittwoch, 4. Januar 2017, 17:00 Uhr

Bad Endorf, Marias Kino, Tel. 08053-9318
Donnerstag, 5. Januar 2017, 20:00 Uhr – anschl. Filmgespräch mit dem Filmemacher
Freitag, 6. Januar 2017, 11:00 Uhr
Samstag, 7. Januar 2017, 11:00 Uhr

Regensburg, Filmgalerie im Leeren Beutel, Tel. 0941-2984563
Sonntag, 8. Januar 2017, 11:00 Uhr - anschließend: Filmgespräch mit dem Filmemacher
Sonntag, 15. Januar 2017, 11:00 Uhr
Sonntag, 22. Januar 2017, 11:00 Uhr

    AV-Player