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Bayerische Staatsoper stellt Saison 24/25 vor Bleiben Dorny und Jurowski?

Die Bayerische Staatsoper hat ihre neue Saison vorgestellt. Beginnen wird sie im Herbst mit Wagners "Rheingold" als Auftakt zu einem neuen "Ring". Währenddessen herrscht Ungewissheit, ob Staatsintendant Serge Dorny und Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski über 2026 hinaus bleiben dürfen. Dorny bewirbt sich auch in Salzburg.

Serge Dorny, Intendanzen der Bayerischen Staatstheater | Bildquelle: Bayerische Staatsoper

Bildquelle: Bayerische Staatsoper

"Mein Herz schlägt für München", sagt Staatsintendant Serge Dorny zu BR-KLASSIK, unmittelbar nachdem er im Münchner Nationaltheater die kommende Saison vorgestellt hat. Währenddessen läuft jedoch auch seine Bewerbung für die Leitung der Salzburger Festspiele. Er sei dazu aufgefordert worden, allerdings nicht von der Salzburger Findungskommission, wie in anderen Medien zu lesen war. Dass ihn der Top-Job an der Salzach interessieren würde, darf unterstellt werden. Schließlich hat hier einst Dornys Entdecker und großes Vorbild gewirkt: der legendäre Festspiel-Revolutionär Gérard Mortier. Bei ihm hat Dorny sein Handwerk gelernt – da wäre Salzburg zweifellos eine Verlockung.

Doch für die Festspiele bewerben sich eine Reihe von Kandidaten (genannt werden etwa Victor Schoner, derzeit Stuttgart, oder Dominique Meyer, derzeit Mailand). Auch eine weitere Verlängerung für den amtierenden Salzburger Intendanten Markus Hinterhäuser ist keineswegs auszuschließen. Ein Wechsel von Dorny wäre da durchaus eine überraschende Volte. Für die Bayerische Staatsoper bedeutet all das große Verunsicherung. Und eine Hypothek: Schließlich müssen jetzt dringend die Jahre 2027 bis 2029 geplant werden. Andere Häuser sind da längst dran – und schnappen München womöglich die Stars weg.

 Zögerliches Kunstministerium bei Vertragsverlängerung

Dass er ohnehin am allerliebsten in München bleiben würde, versichert Dorny mehrfach. Viele im Haus sind irritiert, dass das Kunstministerium über die anstehende Vertragsverlängerung des gegenwärtigen Leitungsteams immer noch nicht entschieden hat. Die anderen vom Freistaat bestellten Münchner Intendanten haben ihre neuen Verträge in der Tasche und können planen. Andreas Beck bleibt bis 2029 am Residenztheater, Josef Köpplinger vom Staatstheater am Gärtnerplatz bekam im Februar einen Vertrag bis ins Jahr 2030.

Szene aus der Doku "500 Jahre Bayerisches Staatsorchester"  | Bildquelle: Tosca Media Film und Fernsehproduktion GmbH Vladmimir Jurowskis Vertrag läuft 2026 aus. | Bildquelle: Tosca Media Film und Fernsehproduktion GmbH Dass Kunstminister Blume so lange zögert und damit die gesamte Belegschaft seines wichtigsten Theaters auf die Folter spannt, könnte mehrere Gründe haben. Im Ministerium war man "not amused", als im Herbst 2022 heftige Konflikte hinter den Kulissen der Staatsoper an die Öffentlichkeit kamen. Dabei ging es um Geld, aber auch um Dornys Führungsstil. Auch die Auslastung erholte sich nur langsam nach dem Einbruch der Corona-Jahre. Das allerdings ist ein gesamtdeutsches Phänomen. Derzeit kann Dorny wieder Zahlen vorweisen, wie man sie früher von der Staatsoper gewöhnt war. In der laufenden Saison liege die Auslastung bei starken 94%, heißt es seitens der Staatsoper. Davon kann man an fast allen anderen Häusern in Deutschland nur träumen. Doch im opernnarrischen München liegt die Messlatte eben hoch. Endlos Zeit zum Grübeln bleibt dem Kunstministerium nicht: Bis Ende August muss über eine Verlängerung entschieden sein – so steht es im laufenden Vertrag.

Bewährtes Repertoire im Nationaltheater

Bis dahin wird eine experimentierfreudige Saison zu Ende gegangen sein, die in diesen Wochen das Publikum mit starken Werken des 20. Jahrhunderts im schönsten Sinn herausfordert. Gerade hatte Mieczysław Weinbergs Meisterwerk "Die Passagierin" Premiere, bald steht György Ligetis "Grand Macbre" an. Die nächste Saison wird leider nicht ganz so mutig. Zwar bietet Dorny mit "Pénélope" von Gabriel Fauré im Prinzregententheater eine echte Entdeckung (Premiere: 18.07.2025), und mit der Regisseurin Andrea Breth kann er einen großen Namen des Sprechtheaters erstmals an die Staatsoper holen. Bei den Premieren im Nationaltheater setzt er jedoch stärker auf die bewährten Zugpferde des Repertoires.

 Den Startschuss setzt das "Rheingold"

Los geht es mit Wagners "Rheingold", inszeniert von Tobias Kratzer, dessen "Tannhäuser" im vergangenen Jahr auf der Bühne der Bayreuther Festspiele wieder das Publikum begeisterte. Dirigieren wird Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski (Premiere: 27.10.24). Ein Team, das gerade bei der "Passagierin" sehr erfolgreich zusammengearbeitet hat. Damit startet ein neuer "Ring", der für die Bilanz der gegenwärtigen Führung des Hauses entscheidend sein wird. Das Verrückte dabei: Es ist ungewiss, ob Jurowski diesen "Ring" überhaupt fertig schmieden darf. Die "Walküre" (Juni 2026) kann er auf jeden Fall noch dirigieren. Doch für "Siegfried" (Oktober 2026) und "Götterdämmerung" (Juni 2027) bräuchte er dringend ein "Go" vom Kunstministerium: Auch Jurowskis Vertrag läuft im Sommer 2026 aus. Ebenso wie der von Ballettchef Laurent Hilaire.

Zwei Wiederaufnahmen und drei Akademiekonzerte (deren Programme übrigens durchgängig Lust machen!) wird Jurowski in der kommenden Saison dirigieren. Dazu wieder nur zwei Opern-Premieren: neben dem "Rheingold" einen neuen "Don Giovanni" (27.06.2025) in der Regie von David Herrmann. Klingt interessant, und mit Konstantin Krimmel in der Titelrolle kann man einen neuen Star wirkungsvoll positionieren, an dessen Durchbruch die Staatsoper entscheidenden Anteil hatte.

 Große Stars auf der Opernbühne

Asmik Grigorian bei den Münchner Philharmonikern am 26. April 2023 | Bildquelle: Sebastian Widmann Asmik Grigorian 2023 in München. | Bildquelle: Sebastian Widmann Glamour ins Repertoire bringen Namen wie Asmik Grigorian, die gerade erst mit Jonas Kaufmann an der Wiener Staatsoper eine umjubelte "Turandot" gegeben hat. Außerdem werden Pavol Breslik, Lise Davidsen, Elīna Garanča und Sonia Yoncheva singen (sie wird bei den Opernfestspielen im Juni 2025 in der Wiederaufnahme von "Dido" und "Erwartung" die heiklen Hauptrollen übernehmen). Und natürlich: Jonas Kaufmann. Er singt bei einer Neuinszenierung des bewährten Einakter-Doppels "Cavalleria Rusticana"/"Pagliacci" den Canio (Premiere: 25.05.25). Die Inszenierung übernimmt der Italiener Franceso Micheli – ein neuer Name für München. Wohlbekannt sind dagegen die Regisseure Krzysztof Warlikowski, der Leoš Janáčeks Meisterwerk "Katja Kabanova" auf die Bühne bringen wird (Premiere 17.03.25), und Claus Guth, der sich an Richard Strauss’ selten zu hörendes Spätwerk "Die Liebe der Danae" wagt (Premiere: 07.02.25). Belcanto-Kulinarik verspricht Donizettis "La Fille du Régiment" mit Pretty Yende als Marie (Premiere: 22.12.24). Als Regisseur bekommt dabei Damiano Michieletto, dessen "Aida" nicht überzeugen konnte, eine neue Chance. Mit "Katja Kabanova" (Mirga Gražinytė-Tyla) und "Pénélope" (Susanna Mälkki) liegen zwei Premieren in den Händen renommierter Dirigentinnen.

 Frischer Wind im Repertoire des Balletts

Auch das "Ja, Mai"-Festival, Dornys Herzensprojekt, geht weiter mit zwei zeitgenössischen Opern: "Das Jagdgewehr" von Thomas Larcher und "Matsukaze" von Toshio Hosokawa. Unter den Ballettpremieren weckt ein Abend unter dem Titel "Wings of Memory" mit drei modernen Choreografien die größte Neugier: Jiří Kylián, Sidhi Larbi Cherkaoui und Pina Bausch – das verspricht frischen Wind für das in den letzten Jahren sehr traditionell geführte Ballett-Repertoire (Premiere: 10.04.25).

Sendung: "Allegro" am 18. März ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (5)

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Samstag, 13.April, 16:32 Uhr

fristra

Zukunft von Dorny und Jurowski in München

Machen wir es kurz. Vieles spricht dafür, dass beide, Dorny und Jurowski, keine Zukunft an der Münchner Oper haben. "Hochkultur" hat bei der derzeitigen Staatsregierung nicht gerade "Hochkonjunktur". Chefsache eben, wie alles andere. Fügt man jeden Mosaikstein zusammen, ist München eher auf dem absteigenden Ast. Lesenswert zum Thema ist heute in der WE-Ausgabe Egbert Tholls Beitrag "Was für kein Angebot". Nachher ist man durchaus schlauer, was da gerade im Intrigenstadl am Max Joseph Platz mit kräftiger Nachhilfe durch Politik, Orchester und Publikum ablaufen könnte. Schade um die beiden. Sie haben keine Chance in München und können sie auch nicht nutzen. London und Lyon waren da etwas weiter.

Mittwoch, 20.März, 11:37 Uhr

euphrosine

Nachtrag zum Opernkonzept

Was ich persönlich an der Ausrichtung nicht schätze, ist der erzieherische, stets problematisierende Grundtenor (ich berufe mich hier nicht nur auf einen Eindruck, sondern auch auf explizite Aussagen von Herrn Dorny).
Ich möchte aus einer Aufführung angeregt werden - das kann von nachdenklich über schlauer geworden bis beglückt alles sein - aber nicht gemäß kulturellem Mainstream zwangsbelehrt.
Herrn Jurowski schätze ich insgesamt sehr - er ist halt leider derzeit auch gezwungen, sich auf hauchdünnem Eis zu bewegen.

Dienstag, 19.März, 19:22 Uhr

Josephine Melani

Ballett

...ich gehe mittlerweile fast mehr in Ballettabende. Bayadere, Romeo, Alice, Cinderella u.s.w. Immer ausverkauft und sehr viele junge Leute. Der Großteil der Opern ist leider von der Inszenierung äußerst langweilig, immer dasselbe, nämlich Männer im Straßenanzug, Autos, schreckliche Videos. Eigentlich müßten die Kartenpreise sinken, denn für Kostüme und Maskenbildner muß ja kein Geld ausgegeben werden. Die Bühnenbilder sind auch meistens armselig.

Montag, 18.März, 18:57 Uhr

euphrosine

thema?

Schade, dass einem Beitrag zur Staatsoper noch ein Sätzchen zum Tanz angehängt wurde. Erkennbar ist der Herrn Neuhoffs Sache das Ballett durchaus nicht - und muss ja auch keineswegs. Dann aber bitte, bitte ganz weglassen.
Würde er die Ballett-Aufführungen zumindest hie und da besuchen, wüsste er, dass diese seit Jahren (!) allerbestens besucht sind, mit einem erstaunlich niedrigen Durchschnittsalter (wäre vielleicht mal eine Erwähnung wert) - und vor allem, dass die Rede vom endlich frischen Wind im beklagenswert traditionellen Repertoire ZUM GLÜCK schlicht Unsinn ist.

Montag, 18.März, 09:20 Uhr

Neuhauser

Aida

Uns hat die Aida" von Damiano Michielotto sehr gut gefallen und vollkommen "überzeugt". Ich habe sie sogar zweimal in verschiedenen Besetzungen gesehen - und die Inszenierung war jedes mal beeindruckend. Damit will ich nur ausdrücken, dass die Meinungen verschieden sind und auch eine Kritik immer nur eine von vielen subjektiven Ansichten ist, die nicht als ultimative Meinung wiederholt werden sollte.

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