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Pianist Martin Klett vom Cuarteto SolTango "Es kann nie kitschig genug sein"

Gestern Abend gab das Cuarteto SolTango im Bayerischen Rundfunk ein Studiokonzert. Im Interview spricht Pianist Martin Klett darüber, warum der Tango für ihn nicht "clean" klingen darf - und warum Tangotanzen und Kammermusik miteinander verwandt sind.

Cuarteto SolTango | Bildquelle: © Cuarteto SolTango

Bildquelle: © Cuarteto SolTango

BR-KLASSIK: Ihr Ensemble heißt Cuarteto SolTango - worauf bezieht sich der Name?

Martin Klett: "Sol" steht natürlich für die Sonne. Aber es gibt auch ein kleines Wortspiel in diesem Namen, und zwar heißt "soltar" so etwas wie "freilassen" und "loslassen". Es geht uns ein bisschen darum, sehr viel Energie frei zu lassen, wenn wir spielen.

Wir machen Musik, die im Konzertsaal sonst eigentlich nicht erklingt.
Martin Klett, Pianist des Cuarteto SolTango

BR-KLASSIK: War die Gruppe eigentlich ursprünglich angedacht als Ensemble, das konzertant auftritt? Oder war das ein Ensemble, das fürs Tanzen aufgespielt hat oder aufspielt?

Martin Klett: Wir haben das eine Zeit lang öfter mal gemacht, dass wir für Tangotänzer auf verschiedenen Festivals gespielt haben. Und das ist auch immer noch ein Thema für uns, aber es hat sich mit den Jahren herauskristallisiert, dass wir die Stimmung in Konzerten einfach einzigartig finden. Und wir machen so - ich sage mal - "besondere" Musik, die sonst im Konzert eigentlich nicht erklingt. Und das ist doch ein Grund mehr, sie in den Konzertsaal zu bringen.

Tango Argentino - der König des Tango?

BR-KLASSIK: Was macht denn den Tango für Sie aus? Und welche Unterscheidungen treffen sie da? Es gibt ja die verschiedensten Arten von Tango - selbst in Finnland gibt es Tangos, und die Russen spielen Tango liebend gern.

Martin Klett: Ja, es gibt so viele Ausprägungen des Tangos; ich persönlich bin sozialisiert vom Tango Argentino. Das ist der Tango, den ich liebe und den ich auch als am großartigsten empfinde. Finnischer, russischer oder auch deutscher Tango - das ist für mich eine ganz andere Welt.

Das ist für mich die eine Seite des Tango: ein freier Umgang mit der Melodik.
Martin Klett

BR-KLASSIK: Können Sie das umschreiben: Was macht den argentinischen Tango aus - woran erkennt man ihn?

Martin Klett, Pisniat des Cuarteto SolTango | Bildquelle: Irène Zandel Martin Klett | Bildquelle: Irène Zandel Martin Klett: Der argentinische Tango - das ist unglaublich triefende Musik. Hierzulande hat man ja ein bisschen Angst vor Kitsch. Und für mich kann es nie kitschig genug sein. Wenn wir Aufnahmen machen dann sagen wir hinterher immer: Das ist alles viel zu clean, es muss alles viel schmutziger und viel intensiver und triefender klingen. Das ist für mich die eine Seite des Tango: ein freier Umgang mit der Melodik, und was die Streicher da an Vibrato-Arsenal und Glissandi und Portamenti draufhaben - das muss wirklich was hermachen. Das andere Extrem, das ist natürlich die rhythmische Seite. Es muss etwas Zurückgelehntes haben - einen Groove, und gleichzeitig auch eine gewisse Aggression und Dramatik.

Tango tanzen ist wie Kammermusik

BR-KLASSIK: Wie ist denn das, wenn man tanzt - wenn Frau und Mann miteinander Tango tanzen? Was passiert zwischen den beiden?

Martin Klett: Für mich ist es eigentlich eins zu eins wie Kammermusik machen. Man spielt Duo mit seinem Tanzpartner oder seiner Tanzpartnerin. Es ist so, dass man im Idealfall wirklich verschmilzt. Die unterschiedlichen Bewegungen der zwei Menschen müssen eigentlich zu einer werden. Man weiß vielleicht auch gar nicht mehr genau, wo entsteht diese Bewegung - beim Führenden der beiden Tänzer oder vielleicht sogar beim Folgenden?

Sendung: "Leporello" am 3. April 2018, 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Studiokonzert mit dem Cuarteto SolTango im Bayerischen Rundfunk

Dienstag, 10. April 2018, 20:00 Uhr
Studio 2 im Bayerischen Rundfunk
BR-KLASSIK überträgt live.

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