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Gasteig-Ausweichquartier Empfehlung für Standort Sendling

Der Aufsichtsrat des Gasteig hat sich für den Standort Sendling als Interimsquartier während der Gasteig-Sanierung ausgesprochen, wie am Mittwoch bekannt wurde. Alle Institutionen des Münchner Kulturzentrums sollen übergangsweise auf einem ehemaligen Industriegelände am Heizkraftwerk Süd unterkommen. 95 Prozent der von den Gasteig-Institutionen benötigten Fläche könnten auf dem Areal in Sendling untergebracht werden, heißt es aus dem Gasteig.

Das Backsteingebäude gegenüber des Heizkraftwerks Süd an der Brudermühlbrücke könnte als mögliches Interimsquartier während der Gasteig-Sanierung genutzt werden. | Bildquelle: BR/Nadja Pfeiffer

Bildquelle: BR/Nadja Pfeiffer

Als Ersatz für die Philharmonie soll neben der denkmalgeschützten Trafohalle ein temporärer Konzertsaal aus Holz errichtet werden. Die Trafohalle, ein Backsteinbau, könnte dabei als Foyer für den Konzertsaal dienen und zur zentralen Anlaufstelle aller Institutionen des Gasteig werden. Vom Umzug betroffen sind auch die Stadtbibliothek, die Münchner Volkshochschule und Teile der Musikhochschule.

Konzertsaal aus Holz als Übergangslösung

Zustimmung zu dem Plan kam bereits vom Münchner Konzertveranstalter Andreas Schessl, dem Chef von "MünchenMusik". Das sei eine gute Lösung, sagte Schessl dem Bayerischen Rundfunk. "Ich glaube, dass wir mit dem Konzertsaal aus Holz gut zurecht kommen können", so Schessl. Hölzerne Ausweichquartiere aus Fertigteilen gibt es beispielsweise bereits in Genf und Zürich.

Nach der Empfehlung des Aufsichtsrates muss nun der Münchner Stadtrat über das Ausweichquartier entscheiden. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. Die Empfehlung des Aufsichtsrates ist aber durchaus als richtungsweisend zu sehen, da dieser überwiegend aus Mitgliedern des Münchner Stadtrats besteht. Vorsitzender des Aufsichtrates ist der 2. Bürgermeister Josef Schmid.

Mieter fürchten um Existenz

Gasteig-Ausweichquartier in Sendling aus der Vogelperspektive | Bildquelle: Allmann Sattler Wappner Architekten Das geplante Gasteig-Ausweichquartier in Sendling | Bildquelle: Allmann Sattler Wappner Architekten Das Sendlinger Areal gehört den Münchner Stadtwerken. Im Rahmen einer Zwischennutzung sind derzeit rund 70 Mieter auf dem Gelände ansässig, vom Reifenhändler bis zum Fotografen. Die Mieter fürchten um ihre Existenz, sollte der Plan umgesetzt werden. Ihre Verträge sind jedoch jederzeit kündbar.

Die Mieter des Stadtwerke-Geländes in Sendling befürchten einen Image-Schaden für den Gasteig, sollte der Plan umgesetzt werden, die Institutionen des Kulturzentrums während der Gasteig-Sanierung nach Sendling zu verlagern. Einer davon ist der Fotograf Mirco Taliercio, der seit 14 Jahren auf dem Areal am Heizkraftwerk Süd ein Fotostudio betreibt. Taliercio geht davon aus, dass aufgrund des vom Gasteig angegebenen Platzbedarfs auf dem Sendlinger Gelände kein Platz mehr bleibe für die derzeitigen Mieter. Das sagte der Fotograf gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Hier werden Existenzen vernichtet.
Mirco Taliercio, Fotograf und Mieter des Stadtwerke-Geländes in Sendling

Warnung vor "Tabula rasa"-Lösung

Die Grünen im Münchner Stadtrat fordern, möglichst viele der existierenden Mieternutzungen zu erhalten. Das Gelände sei geeignet, einigen Gasteig-Nutzungen ein Ausweichquartier zu bieten, so der Fraktionsvorsitzende Florian Roth. Der Stadtrat solle sich aber zum Ziel setzen, die gewerbliche und kulturelle Vielfalt des Areals so weit wie möglich zu bewahren. Die beiden Fraktionsvorsitzenden Florian Roth und Gülseren Demirel warnen vor einer "tabula rasa"-Lösung auf Kosten der Bestandsnutzer und fordern, gemeinsam mit den auf dem Gelände ansässigen Künstlern und Gewerbetreibenden nach Lösungen zu suchen. Die Grünen wollten die Vielfalt auf dem Areal erhalten und das Gelände zu einem Kreativquartier weiterentwickeln. "Solche Orte haben eine kulturelle Bedeutung - die Stadt darf sie nicht einfach plattmachen", so Gülseren Demirel wörtlich.

1,8 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr den Münchner Gasteig. Damit ist das Kulturzentrum das größte und erfolgreichste in Deutschland. Der Gasteig soll ab 2021 für mehrere Jahre saniert werden.

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