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Neuer Leiter vom Windsbacher Knabenchor im Interview "Chorsingen ist mein Leben"

Nach monatelanger Suche hat der Windsbacher Knabenchor einen neuen Leiter gefunden: Ludwig Böhme wird zum 1. September die künstlerische Leitung des international renommierten Chors übernehmen. Er folgt auf Martin Lehmann, der im August nach zehn Jahren im Amt als Kreuzkantor nach Dresden wechselt. Insgesamt hatten sich 25 Personen für den Job beim Knabenchor der bayerischen Landeskirche beworben.

Windsbacher Knabenchor | Bildquelle: Mila Pavan

Bildquelle: Mila Pavan

BR-KLASSIK: Im Rahmen ihrer Bewerbung haben Sie eine Woche mit dem Windsbacher Knabenchor verbracht. Wie haben Sie den Chor in dieser Zeit erlebt?

Ludwig Böhme: So eine Bewerbungsmappe ist natürlich etwas, wo man sich beidseitig abcheckt, ob ob man einen Draht zueinander hat oder nicht. Ich kann sagen, dass vom ersten Tag an ein gegenseitiges Wohlwollen da war. Und das hat sich in der Woche doch zu einer sehr sympathischen Art und Weise entwickelt. Wir haben anspruchsvoll gearbeitet, es hat immer Spaß gemacht. Der Chor war wahnsinnig offen. Die Gastfreundlichkeit war von morgens bis abends da, und das hat sich sehr harmonisch angefühlt. Und jetzt ist natürlich auch meine Hoffnung, dass es auch so bleibt.

BR-KLASSIK: Sie haben selbst bei den Thomanern gesungen. Was bedeutet Ihnen denn überhaupt Chorsingen und vor allem so ein Knabenchor?

Ludwig Böhme | Bildquelle: Anne Hornemann Wird zum 1. September 2022 der neue künstlerische Leiter des Windsbacher Knabenchors: Ludwig Böhme | Bildquelle: Anne Hornemann Ludwig Böhme: Chorsingen ist mein Leben. Ich tue nichts anderes seit meinem achten Lebensjahr. Die Vorbereitungsklasse für den Thomanerchor hat mich mit dem Gesang intensiv in Berührung gebracht. Und seitdem singe ich. Die Tatsache, selbst in einem Internat gewohnt zu haben, selbst Konzertkleidung als Kind getragen zu haben, durch die Welt gereist zu sein, auch dem Druck ausgesetzt zu sein, sehr gut sein zu müssen - das kann ich nachempfinden. Ich habe andererseits auch die Musik so verinnerlicht, dass ich sie heute als meine musikalische Heimat bezeichnen würde. Und dann habe ich in den Jahren nach meiner Thomanerzeit die Welt der Vokalmusik mitgestaltet, und zwar als Dirigent und auch als Sänger.

BR-KLASSIK: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ludwig Böhme: Das kann ich schlecht reduzieren. Ich habe einen sehr großen Respekt vor der Weltklasse des Chors, was natürlich an den Jungs und auch an der wunderbaren Arbeit von Martin Lehmann liegt. Das geht ja immer miteinander im Gespann, also Chor und Chorleiter müssen gut miteinander harmonieren. Das hat bis jetzt sehr gut geklappt. Das möchte ich, dass sich das fortsetzt. Das sind große Fußstapfen, das ist mir bewusst. Aber auf das gemeinsame Musizieren freue ich mich natürlich am meisten.

BR-KLASSIK: Sie singen auch noch im Calmus Ensemble. Bekommen Sie beides unter einen Hut?

Ludwig Böhme: Nein, bekomme ich nicht. Ich habe mich schon, bevor das Verfahren in Windsbach angefangen hat, dazu entschieden, beim Calmus Ensemble aufzuhören. Ich habe das über 20 Jahre gemacht und mache es auch bis jetzt. Und ich werde das auch bis zu meinem letzten Konzert sehr gern machen. Aber ich sage mal, dass ich in meinem Leben noch einmal in eine andere Richtung gehen würde. Dieser Wunsch hat sich schon über Jahre geformt, und deswegen war die Entscheidung schon vorher getroffen. Und dann stand ich sozusagen diesem Bewerbungsverfahren auch noch ein Stück weit offener gegenüber.

BR-KLASSIK: Haben Sie schon konkrete Pläne, was den Chor angeht?

Ludwig Böhme: Natürlich wird sich mit einem neuen Leiter vieles verändern. Aber man ist gut beraten, das nicht Schlag auf Schlag zu tun. Also mein erstes Ziel ist es erst einmal, die Arbeitsabläufe kennenzulernen. Es ist vieles, was in Windsbach sehr gut läuft und das muss ich jetzt erst mal erleben. Und dann wird Stück für Stück meine persönliche Handschrift von selber immer mehr spürbar. Sei es durchs Repertoire, sei es vielleicht auch durch Abläufe intern im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, in dem wie wir unsere Ausbildung für die Jungs hier strukturieren. Also das wird kommen, aber nicht mit der Brechstange. Ich muss ich erst mal richtig gut auskennen. Und momentan ist der Windsbacher Knabenchor für mich noch sehr neu.

Das Gespräch führte Franziska Klein für BR-KLASSIK.

Sendung: "Leporello" am 31. März 2022, ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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