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Diskussion: SZ-Artikel über Pianist Igor Levit SZ-Chefredaktion entschuldigt sich bei Levit

Der SZ-Artikel "Igor Levit ist müde" sorgt im Netz weiterhin für Diskussionen. Besonders der Begriff "Opferanspruchsideologie" stößt im Zusammenhang mit dem Pianisten, der aus einer jüdischen Familie stammt, auf heftige Kritik. Die Chefredaktion der Süddeutsche Zeitung hat sich nun bei Levit entschuldigt.

Der Pianist Igor Levit | Bildquelle: picture alliance/Christoph Soeder/dpa

Bildquelle: picture alliance/Christoph Soeder/dpa

Update vom 21.10.: SZ-Chefredaktion bittet um Entschuldigung

Die Reaktionen auf den Artikel "Igor Levit ist müde", der am 16. Oktober in der Süddeutschen Zeitung erschien, sind heftig. Vor allem auf Twitter wird viel darüber diskutiert, inwieweit die Kritik am politischen Engagement des Pianisten gerechtfertigt ist. Auch BR-KLASSIK kommentierte den Beitrag bereits. Musikkritiker Helmut Mauró kritisiert in seinem Beitrag nicht nur das Klavierspiel von Levit, sondern auch dessen Präsenz auf Twitter.

Nachdem die SZ vergangene Woche die Kritik an diesem Text zurückgewiesen hatte (s.u.), hat sich nun die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung am Dienstagabend (20. Oktober) bei Levit entschuldigt. Die Chefredakteure Wolfgang Krach und Judith Wittwer schreiben zum umstrittenen Artikel: "Viele unserer Leserinnen und Leser kritisieren diese Veröffentlichung scharf und sind empört. Manche empfinden den Text als antisemitisch, etliche sehen Levit als Künstler und Menschen herabgewürdigt. Auch er selbst sieht das so. Das tut uns leid, und deswegen bitten wir Igor Levit persönlich wie auch unsere Leserinnen und Leser um Entschuldigung." Neben dieser Entschuldigung veröffentlichte die SZ in der gleichen Ausgabe Leserbriefe und Twitter-Reaktionen, die zum großen Teil den Artikel über Levit stark kritisieren. Dies entspreche laut den Chefredakteuren auch der Meinung innerhalb der SZ-Redaktion, viele Redakteurinnen und Redakteure empfänden Teile des Textes ebenfalls als antisemitisch.

Fragwürdige Argumentation

Das entspricht auch der Wahrnehmung anderer Journalisten. Vor allem die Wortwahl des SZ-Autors ruft bei den Kommentatoren Widerstand hervor. Kulturjournalist Johannes Schneider schreibt dazu auf ZEIT.de, es sei "in höchstem Maße fraglich ob man einem Leidtragenden von Antisemitismus mit 'Opferanspruchsideologie' kommen muss, ferner mit dem Verweis auf andere (jüdische) Musiker wie Daniel Barenboim und den Pianisten Daniil Trifonov, weil sie politisch versöhnlicher (Barenboim) und künstlerisch fokussierter (Trifonov) auftreten." Bezüglich der Präsenz von Igor Levit in den sozialen Medien, kommentierte Schneider: "Zu behaupten, ein Pianist gelange wegen seiner deutschsprachigen Twitter-Aktivitäten zu höchstem internationalen Renommee, ist einigermaßen absurd."

Schlag gegen "Cancel Culture" in sozialen Medien

Igor Levit | Bildquelle: Robbie Lawrence Pianist Igor Levit wurde dieses Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. | Bildquelle: Robbie Lawrence Für Johannes Franzen, Journalist und Literaturwissenschaftler,  ist der SZ-Artikel repräsentativ für eine bestimmte Form der Kunstkritik. Sie sei nur ein Deckmantel, bei dem "die Musik gegen Politik und die 'political correctness' verteidigt" werde, sagte er im RBB. Besonders problematisch ist für ihn die Verwendung bestimmter Begriffe, die Raum für Assoziationen und Andeutungen lassen. Franzen bezieht sich dabei auch auf den Ausdruck "Opferanspruchsideologie": "Damit verbunden ist der Vorwurf, die Menschen, die sagen, sie seien Opfer, würden dadurch selber begründen, sie würden Gewalt ausüben. Und das ist tatsächlich etwas, was im rechten Diskurs, oft eine Rolle spielt. Dass die Opfer von Diskriminierung sich hier eine Macht anmaßen, um der Mehrheitsgesellschaft ihren Willen aufzuzwängen." Ob das Mauró unterlaufen sei, oder es sich um eine implizierte Botschaft handele, könne Franzen nicht einschätzen.

In der WELT schreibt Musikkritiker Manuel Brug, der Zweifel an Levits musikalischen Fähigkeiten sei "lächerlich". Außerdem sei es zwar nicht immer gescheit und überlegt, was Levit auf Twitter schreibe, einen alten längst erklärten Tweet gegen ihn zu verwenden, sei aber Instrumentalisierung. Brug kritisiert außerdem die "braungefärbte Tonlage" des SZ-Artikels. In der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" schreibt Wilhelm Sinkovicz, im Streit um Levit spiegele "die ganze Hilflosigkeit", die die Musikkritik befallen habe: "Wenn die musikalischen Argumente ausgehen, redet man über politische Gesinnungen." Sinkovicz betont die Leistung Levits, 52 Tage lang Livekonzerte via Twitter gegeben zu haben. "Am Ende des Tages wird deshalb die AfD keine Stimme weniger bekommen, aber vermutlich werden etliche Zaungäste dieser Livestreams plötzlich Beethoven für einen guten Mann halten." Auch die Kritik an Levits Klavierspiel weist Sinkovicz zurück. Es stimme, dass Levit in einer anderen Liga spiele als Daniil Trifonov. Aber im konträren Sinne: "Levit ist in seiner Generation nämlich einfach der Beste."

Die Süddeutsche Zeitung nimmt Stellung

Am Freitagabend vergangener Woche (16. Oktober) hatte die Süddeutsche Zeitung erstmals auf die heftige Kritik am Artikel von Helmuth Mauró reagiert. Bei Twitter wurde eine Stellungnahme gepostet, worin es heißt: "Ziel des Artikels war nicht die Verunglimpfung einer Person, auch wenn er fraglos polemische Elemente enthält." Auf die Verunglimpfung des Judentums habe der Artikel nicht abgezielt. "Die von Helmut Mauro beklagte 'Opferanspruchsideologie' und das 'diffuse Weltgericht' beziehen sich nicht auf Juden oder das Judentum, sondern auf Twitter als Ort, an dem dies nach Auffassung Mauros gängige Praxis ist." Die Polemik als journalistische Form habe bei der Süddeutschen Zeitung eine lange Tradition, mitunter schieße diese Form aber über das Ziel hinaus. "Jeder und jede kann der Ansicht sein, das sei hier passiert." Diese Stellungnahme stellte viele Kommentatoren nicht zufrieden – die SZ-Chefredaktion äußerte sich wohl auch deshalb nochmal selbst (s.o.). Am 21. Oktober erschien in der SZ außerdem ein Gastbeitrag von Carolin Emcke unter dem Titel "Ich bin auch müde". Darin kritisiert die Autorin den Artikel von Helmut Mauró scharf: Der Text sei voll von antisemitischen Sprachbildern und Formulierungen.

Levit äußert sich via Twitter

Igor Levit selbst reagierte am Montagabend (19. Oktober) auf die anhaltende Debatte. Auf Twitter schrieb er: "Der Artikel in der SZ hat mich getroffen. Die Stellungnahme hat mich noch mehr getroffen. Am meisten hat mich die Mail des Chefredakteurs getroffen, der betont, hinter diesem Artikel zu stehen." Dem fügt Levit eine E-Mail seiner Presseagentin an den SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach bei. In dieser heißt es: "Allein der völlig unzweideutig antisemitisch konnoterte Begriff der 'Opferanspruchsideologie' soll verletzen, und dies ist auch gelungen. Herr Mauró und auch Sie persönlich werden sich damit auseinandersetzen müssen, hier antisemitischen Ressentiments Öffentlichkeit gegeben zu haben." Zur aktuellen Entschuldigung der SZ-Chefredakteure hat Levit sich bisher nicht geäußert.

Kommentare (64)

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Freitag, 23.Oktober, 09:20 Uhr

drdsom

Mauró und Krach zu Levit

Zu Beginn der Debatte dachte ich tatsächlich noch: Von einem Feuilletonisten, der sich selbst in seinem CV als "Pauschalist" bezeichnet, kann man wohl nichts Besseres erwarten, aber ist ja "nur" das Feuilleton.

Mea culpa.

Mittlerweile, und viele gelesene Stellungnahmen aus mehr oder weniger berufenem Munde später, mache ich folgenden Vorschlag zur Güte an die Herren Mauró und Herr Kracht: Seid konsequent, erklärt euch, bittet um Entschuldigung, nehmt euren Hut und macht euer eigenes Blättchen auf.

Donnerstag, 22.Oktober, 23:26 Uhr

Karin Lackamp

Artikel von Herrn Mauro zu Igor Levit

Auch ich bin erschüttert, dass die SZ einen solchen antisemitischen Text über Igor Levit veröffentlicht. Gerade sein politisches Engagement macht diesen wunderbaren Pianisten und sprühenden Beethoven Erklärer zu einem Menschen voller Glaubwürdigkeit.

Donnerstag, 22.Oktober, 15:40 Uhr

Frauke Dube

Artikel von Herrn Mauro zu Igor Levit

Ich bin entetzt und voller Scham.

Donnerstag, 22.Oktober, 13:12 Uhr

Dr. Hans Jungk

Helmuth Mauros Haßkritik

Wenn die SZ den Karikaturisten Hanitzsch wegen einer
als antisemitisch empfundenen Karikatur entläßt, muß Helmuth Mauro noch schneller aus der SZ verschwinden. Die erste Reaktion der Chefredaktion war ziemlich schäbig, solche widerlichen Kommentare darf eine sog. liberale Zeitung nicht dulden.

Donnerstag, 22.Oktober, 03:27 Uhr

J. Jörgens

Levit

Ich an seiner Stelle von Herrn Levit würde die Entschuldigung nicht annehmen. Der Hr. Mauro macht ja schon längere Zeit Front gegen ihn.

In diesem Fall würde ich von der SZ erwarten den Hr. Mauro zu entlassen.

Abgesehen davon sollte man gut auf ihn acht geben.

Donnerstag, 22.Oktober, 00:30 Uhr

Schiller

Antisemitischer Autor in der SZ

Und?
Hat der antisemitische Autor Mauro denn auch öffentlich bei Levit entschuldigt, oder nur der Chefredakteur der SZ?
Und?
Wird der antisemitische Autor Mauro in Zukunft auch weiterhin für die SZ schreiben?
Und?
Liest bei der SZ eigentlich keiner die Gastbeiträge auf Antisemitismus Korrektur?
Und?

Mittwoch, 21.Oktober, 21:34 Uhr

Andrea Wellhöfer

Angemessener Kritikstil

Igor Levit begeistert, egal ob er Klavier spielt oder analysiert. Kein Wunder, dass sich in unserer bemitleidenswerten Neidkultur ein eher unscheinbarer Mauró auf dessen Kosten profilieren möchte. Herrn Mauró dürfte wohl bewusst sein, was er von sich gegeben hat. Die Äußerung ist absolut inakzeptabel. Es bleibt nur zu hoffen, dass er aus dem Fehltritt lernt und zu einem angemessenen Kritikstil zurückfindet.

Mittwoch, 21.Oktober, 20:46 Uhr

Weichenmeier

Mauro Artikel über Igor Levit

Die sogenannte Polemik habe ich als tief verletzend empfunden. Zudem war es keine Musikkritik. Sollte es eine solche sein? Meines Erachtens war es ein offener, gemeiner Angriff auf Igor Levit
mit unverhohlen antisemitischen Zügen.

Mittwoch, 21.Oktober, 18:38 Uhr

Uschi

Legato-Liga

Herrn Mauro und all jenen, die Igor Levit die Fähigkeit zu "perfektem Legatospiel" meinen absprechen zu können, möchte ich empfehlen, sich nur knapp drei Minuten Zeit zu nehmen -
für Levits Interpretation des 2.Satzes "Andante" aus Beethovens Klaviersonate No.25 G-Dur Op.79.
"Perfektes Legato, Formbewusstsein, emotionales Spiel, Sinn fürs Ganze, für Spannungsaufbau, für schiere musikalische Intensität" - Mauros Attribute für Trifonovs Spiel, welches ihn seiner Meinung nach weit über Levit hebt - sind da zu hören, dazu ein überaus reichhaltiges Klangfarbenspiel.
Schon möglich dass in der Liga "ganz oben" doch mehrere tätig sind ...

Mittwoch, 21.Oktober, 14:13 Uhr

Markus Baumann

Levit und SZ

Ich mag Levits Beethoven-Sonaten-Spiel zu 95%. Zu 5% vergaloppiert er sich für mein Empfinden im Tempo. Meinem Empfinden nach hat er noch nicht zu einem im Herzen wirklich empfundenen Legato-Spiel gefunden. Das kann noch werden. Ist meine ganz subjektive Empfindung. Levit als „Kämpfer gegen Rechts“ ist mir suspekt aus zwei Gründen. Erstens: Seine Aussage, AfD-Mitgiledern sei das Menschsein abzusprechen, ist ein absoluter NoGo. Das ist genauso verwerflich und in nichts besser wie beliebige rechte Parolen. Dass man ihm das einfach so durchgehen lässt und jetzt den Artikel in der SZ „anbräunt“, ist mir unverständlich. Zweitens: In einem TV-Gespräch erlebte ich Levit als schnell denkenden, seine latente Wut manchmal kaum beherrschender Zeitgenosse, der zu verstehen gibt, dass seine Meinung/seine Ansichten 100% die richtigen sind. Ein Dialog war schwer möglich. Vor dem Hintergrund dieser beiden Punkte, dünkt mich das „Wehgeschrei“ über den SZ-Artikel ein mimosenhaftes.

Mittwoch, 21.Oktober, 11:09 Uhr

Harald Mott

Halbseidene Entschuldigung der SZ

Nach gutem journalistischem Brauch hätte die Entschuldigung der SZ bei Igor Levit an gleicher Stelle stehen müssen wie der Hass-Artikel von Herrn Mauro: auf der ersten Seite des Feuilletons also, an exponierter Stelle. Nun aber auf der letzten Seite des Wirtschaftsteils, links unten. Das ist schäbig. Das beweist mir: die SZ-Redaktion meint es nicht ernst mit dieser 'Entschuldigung'. Es ist widerlich!

Dienstag, 20.Oktober, 22:44 Uhr

Ann Salandre

SZArtikel der übelsten Art zu Igor Levit

so viel Enttäuschung war selten bei mir in Bezug auf einen Artikel in der SZ wie bei diesem von von H.M. zu Igor Levit
sehr schwach, eklig, unterirdisch, das kann doch nicht sein, was ist denn das für ein Musikkritiker? geht's noch?
so ungefähr meine Reaktionen beim ersten Lesen des Artikels
beschämend, kann ich jetzt noch hinzufügen, dass ein solcher Artikel in der SZ veröffentlicht, dann sogar noch nachträglich abgesegnet wird..
aber dann kommt eine Entschuldigung der Chefredaktion...!
Schwach, ganz schwach war das, liebe SZLeitung!

Dienstag, 20.Oktober, 22:15 Uhr

Rosenkavalier

Levit

Ich bin erschüttert, daß es in diesem Forum von BR Klassik so viele „Follower“ gibt die den menschenverachtenden Ausführungen des Herrn „M“ gegen Igor Levit mit fliegen Fahnen nachrennen. Damit hat er für mich jegliche Fähigkeit verspielt eine Musikkritik zu schreiben??! Weder Hanslick noch Kaiser haben jemals einen Künstler so verunglimpft. Ich überlege mir nach über 50 Jahren SZ-Abo mich mal umzuorientieren!

Dienstag, 20.Oktober, 17:03 Uhr

hofer,margarete

sz artikel von helmut mauro

besagter artikel ist einfach nur peinlich und unqualifiziert,er wirft allerdings ein licht auf den autor, selbiger decouvriert sich geradezu,schade,dass in der sz ein derartiges geschreibe veröffentlicht wird.

Dienstag, 20.Oktober, 12:23 Uhr

Arnie Schwarzenbecker

"Stimme gegen Antisemitismus?"??

@ Antje Ghosh

Werte Frau Gosh,
Sie verkennen die Lage. Das Bigotte an Levit ist ja gerade, dass er sich NICHT konsequent gegen Antisemitismus wendet, sondern nur gegen den "rechten", hiesigen alter Schule. Der ist aber kaum relevant.
Wissen Sie wirklich nicht, von wem der stetig wachsende Antisemitismus ausgeht? Nix mitbekommen? Keine Nachrichten aus Frankreich in den letzten Tagen?
Nun, diese Ignoranz teilen Sie mit dem wackeren Sozialisten-Igor. Würde er dies klar anprangern, wär's ganz schnell aus mit Bundesverdienstkreuzen und Talkshow-Kuschelei. Wie müde der Gottbegnadete wohl dann erst würde! :-D

Dienstag, 20.Oktober, 11:41 Uhr

Noelle Schmitz

Herr Levit....

Herr Levit sollte seine Hand im Vorübergehen dieses Artikels der SZ heben,
sie senken lassen, es denken und laut sagen; "ES LOHNT SICH NICHT!" ,
anschließend mit einem LächelnWEITERGEHEN, sich ans Klavier setzen und spielen.
Es gibt Situationen, Menschen und Konflikte die das Problem eines anderen Menschen
sind - sie wollen einen nur in ihre Themen hineinziehen, uns provozieren & verstricken.
Eine Verstrickung bedeutet, daß man eine Verbindung herstellt und die schöne Energie des anderen erhält, nämlich darüber, dass der, der angegriffen wurde, sich ärgert. Das ist hier geschehen. Das wissen wir alles schon sehr lange und fallen immer wieder darauf herein. Wir merken es erst überdeutlich, wenn die eigene Energie weniger wird und fragen uns dann, was passier ist?

Konflikte, Kritik, Gewalt und Ärger
erzeugen stets Übel
in alle Richtungen
die "SICH NICHT LOHNEN!" Nicht darüber ...

Dienstag, 20.Oktober, 10:26 Uhr

Antje Ghosh

SZ "Igor Levit ist müde"

Medienpräsenz zu nutzen, ist kein Vergehen. Dass Igor Levit seine Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus erhebt, ist ihm ganz besonders zu danken. Damit ist er ein Beispiel für Aufrichtigkeit und Mut, den ich vielerorts vermisse bei der allgegenwärtige Hetze und um sich greifenden Hass. Süddeutsche aufgewacht!

Dienstag, 20.Oktober, 09:40 Uhr

Münchner Italiener

orchestrierte Opfermoralmaschine?

Kommentar zu:
Josef Realist
BR-Replik auf SZ Artikel Von Mauro

Lieber Joseph,
wenn etwas so schlecht und unausgegoren ist wie der besagte Artikel braucht es beileibe keine "orchestrierte Opfermoralmaschine", um ihn schlecht zu finden. Ohne auf Inhalte einzugehen: Finden Sie die Argumentation Mauros intellektuell gut? Für mich eher BILD-Niveau.
Wenns regnet und die Leute sagen: "Es regnet", brauchts dafür keine Maschine ;-)

Dienstag, 20.Oktober, 09:30 Uhr

Münchner Italiener

Levit/SZ

Es wäre sicher interessant, eine STilkritik über Levit aus der Feder eines Kenners zu lesen. Eine Musikkritik ist Mauros Artikel aber nun wirklich nicht. Eher eine irgendwie gallig und bräunlich riechende polemische Anfeindung und ansonsten ziemlich belanglos. Fragt sich, warum die SZ sowas druckt. Abgesehen davon: Dürfen Musiker/Künstler/Autoren ein (öffentliches) Privatleben haben? Sollte man sie nicht nach Ausübung ihrer künstlerischen Tätigkeit bis zum nächsten Mal schockfrieren? Sonst liest von denen einer vielleicht mal einen Schundroman, und dann: Kunst ade!

Dienstag, 20.Oktober, 02:27 Uhr

Arnie Schwarzenbecker

Die entscheidende Leerstelle - das "Levit-Zitat"

Übles Foulspiel vom BR-Kritiker! Rote Karte, Platzverweis.
Der SZ-Kollege Mauró hatte nämlich keineswegs die "Opferanspruchsideologie" auf Levit allein gemünzt, das kann jeder klar erkennen. Er meinte vielmehr ein komplettes Milieu, das auch Feministinnen , PoC und "Berufs-Unterdrückte" jeder Couleur umfasst, die sich aus ihrem Opferanspruch heraus selbst zu jedwedem Hass berechtigt fühlen. Hengameh "Polizistenmüll" Yaghoobifarah lässt schön grüßen...
Und viel mehr Niveau hatte es eben auch nicht, wenn der gottbegnadete Klavier-Sozialist allen AfD-Politikern ihr "Menschsein" abspricht, und das mehrmals. DAS ist ein Ausspruch, der an dunkelste Zeiten erinnert - was man Levit eben durchgehen lässt, während man Mauró zum Antisemiten stempelt. Lächerlich!
Und warum wohl erwähnt der BR-Kollege das Levit-Zitat nicht, sondern verklärt ihn zu einem, der sich lediglich "wehrt"? Da wird bewusst Ursache und Wirkung vertauscht. Wie gesagt: Foulspiel. Rote Karte.

Dienstag, 20.Oktober, 02:09 Uhr

Baack

Levits Legato

Levit ist als professioneller Pianist maximal Mittelklasse, schafft es aber, sich durch spektakuläre Aussagen bis hin zur Beleidigung ins mediale Rampenlicht zu stellen.
Mauró hat mit seiner Bemerkung zu Levits Legato recht und hätte diese sehr leicht am neuen Album „Encounter“ belegen können. Man höre nur einmal in die Busoni-Bearbeitung von „Nun komm der Heiden Heiland“ BWV 659 rein. Hier sind drei Klangebenen zu realisieren: schreitender Bass (Orgelpedal), vorimitierende Mittelstimmen (Begleitmanual), kolorierter Cantus firmus (Soloregistrierung). Haskil, Horowitz, Glemser, Brendel, Lane lösen diese Aufgabe mit Anschlagsnüancen und zielgerichteter Phrasierung, über die Levit ganz einfach nicht verfügt. So entstehen aufgrund mangelnder Binnendynamik keine Bögen und dadurch keine Gesanglichkeit. Aber wer von Vollidioten Morddrohungen erhält, darf natürlich wegen seines schlampigen Klavierspiels nicht gerügt werden.

Montag, 19.Oktober, 23:09 Uhr

Manfred Schürz

Levit-

SZ-Tradition wenn es um Juden geht. Man habe es nicht so gemeint. Siehe die Zuckerberg-Karikatur.

Montag, 19.Oktober, 21:06 Uhr

Beethovenfan

Mauro vs. Levit

Mir hat der Artikel von Helmut Mauro ausgezeichnet gefallen. Endlich mal jemand, der es wagt, frischen Wind in die gegenwärtige Musikszene zu bringen und den Levit-Weihrauch etwas zu lüften. Lasst doch einfach mal den tatsächlich überflüssigen Begriff "Opferanspruchsideologie" beiseite, so muss man dem SZ-Kritiker doch immerhin konzedieren, den mittlerweile schwer erträglichen, langweiligen Levit-Kult in einen größeren politischen und musikalischen Zusammenhang gestellt zu haben. Vielen Dank für Ihren Mut, Herr Mauro!

Montag, 19.Oktober, 19:45 Uhr

Rainer Wahnsinn

SZ/Kritik Levit

Jeder berühmte Mensch ,der durch bersondere Fähigkeiten berühmt wurde ist auch in seiner Gesamtheit zu beurteilen.

Ein Vergewaltiger der sehr gut Musik spielt ,ist vornehmlich ein Vergewaltiger.

Ergo ist die grundsätzliche Betrachtung des Gesamtmenschen Levit ok,wenn dieser sich hat etwas zu Schulden kommen lassen.

Dasselbe gilt aber auch für den Kritiker.
Oder besser gesagt für ALLE tendenziösen Kritiker...im Positiven wie im Negativen...

Wer also alles hochjubelt oder alles als schlecht bezeichnet ist nicht mehr glaubwürdig

Montag, 19.Oktober, 18:58 Uhr

Johann Sebastian Bach

Showbiz!

Liebes BR-Klassik,
ihre Replik erscheint doch arg schlicht und zudem voreingenommen: Sie gehen dem gescholtenen Herrn Mauró so gründlich auf den Leim das es eine Freude ist. Sie stilisieren Hr. Levit zu einem Künstler, dabei ist er zuvorderst ein guter Entertainer! Deswegen engagiert ihn ja auch der ÖR Rundfunk- gell? Er spielt gut/sehr gut/hervorragend Klavier und gleichzeitig erklärt er Beethoven ganz wunderbar. Ehrlich!
Das reicht aber nicht, das können andere auch. Um in diesem Showbiz wirklich vorne mit zu spielen braucht es mehr, z.B. das Beherrschen der richtigen politischen Haltung und deren pointierte Verbreitung im zeitgemäßen Format. Dann reicht's auch für einen Orden vom Bundespräsidenten, dann gibt's Publicity vom Rundfunk und dann klingelt die Kasse.
Ich wünsche noch einen schönen Abend!

Montag, 19.Oktober, 16:24 Uhr

M. Schmidt

SZ/Kritik Igor Levit

Herr Mauro meint wahrscheinlich, Igor Levit sollte seine Zeit mehr am Klavier verbringen als auf Twitter sowie seine Interpretationen vom Pathos befreien. Dem kann ich in einigen Teilen zustimmen.

Montag, 19.Oktober, 15:31 Uhr

I. Siebler Dresdem

"Musikkritiker"???

Nein, so was darf einer solchen großen Zeitung nicht passieren!
Ich bin sehr für Meinungsfreiheit, Demokratie, nur das ist Rechts aber sowas von Rechts: Hass, Wut und gegen die Menschenwürde unfassbar! Dieser Mann von "Musikkritiker" gehört eigentlich nicht in unsre Gesellschaft, wie man so schön und schnell sagt und meint: in der Demokratie hält man das aus!? Nein das ist Staatsfeindlich, egelhaft so eine Person! Nur Phui...

Montag, 19.Oktober, 14:53 Uhr

Tim Weber

Absolute Frechheit und unterste Schublade

Diese "Musikkritik" ("Igor Levit ist müde") ist in keinsterweise eine überspitzte oder polemische Darstellung. Dieser Text ist eine bodenlose Frechheit, unfair und unsachlich.

Die Süddeutsche sollte sich schämen mit solch einem antisemitischen Populisten zusammen zu arbeiten und seine Werke zu veröffentlichen.
EKELHAFT!

Montag, 19.Oktober, 14:32 Uhr

Michael Kromer

Mauro kritisiert Igor Levit

ich bin nur gelegnetlicher Klassikhörer und bin weder bei Twitter noch bei facebook. Vor allem hat das Anhören von CDs - auch von Levit - für mich mit Twitter-nichts aber auch gar nichts zu tun. An welchen Tempi, Phrasierungen und ähnlichen macht Mauro sein Kritik fest? An der körperhaltung oder der Mimik Levits? Ist Mauro wirklich Musikkritiker oder eher Angehöriger der Revolutionsgarde gegen das Eindringen nicht völkischer Musiken?

Montag, 19.Oktober, 14:22 Uhr

Anton Steinner

SZ werde ich nie wieder lesen

Danke, jetzt weisig Bescheid, dass mann diese Zeitung nicht mehr liest. Jeder hat Recht, so wie der Kritiker Mauro auch, musikgerechte Kritik an die Art und Weise der Spielinterpretation ausüben, aber das Recht des Komponisten kritesieren über seine Selbstbestimmung, Politische Ansicht und Empörung gegen den Haas an den Juden hat er nicht. Und die Redaktion unterstüzt diesen Kritiker "Verunglimpfung sei nicht das Ziel gewesen".
Einige Jornalisten haben schon die SZ verlassen, weil sie nicht die Meinung der Redaktion vertraten.

Montag, 19.Oktober, 13:38 Uhr

Jutta Fink

Kritik von Maurò

Ich bin keine Musikkennerin im landläufigen Sinn, sondern einfach nur eine Hörerin von BR-Klassik, und ich finde es unglaublich, daß nach der bekannten deutschen Vergangenheit offenbar viele nichts gelernt haben! Musik ist Musik, und der Rest ist persönlich, und da darf einer, den es direkt betrifft doch wohl mal sagen bzw twittern, was er denkt! Ist es nicht unsagbar traurig, daß nicht einfach jeder nur Mensch/ Künstler sein darf, egal welche Religion er bevorzugt????

Montag, 19.Oktober, 13:27 Uhr

Josef Realist

BR-Replik auf SZ Artikel Von Mauro

Man hätte es sich denken können- ja müssen- daß die mediale "Opfermoralmaschine" auf den Artikel von Herrn Mauro anspringt; -wie schnell und orchestriert überrascht dann doch!
Und wenn sich dann also auch ein öffentlich rechtlich finanzierter Rundfunksender wie der BR berufen fühlt, sich hier parteiisch einzumischen, kann ich nur sagen: zwar mit meinen Beiträgen, aber nicht in meinem Namen und auch nicht ihre Aufgabe!
Und übrigens: musikalisch hat Herr Mauro wohl auch Recht !

Montag, 19.Oktober, 11:40 Uhr

Anna Wesener

Kritik von Maurò - Replik im BR

Danke für Ihre Replik auf die Kritik an Igor Levit. Die SZ-Maurò Kritik an Levit teile ich so gar nicht. (Siehe auch Hinweis von Frau Schuritz auf Interpretation der späten Beethoven-Sonaten) Etwas mehr Selbstkritik der SZ / des Kritikers finde ich angebracht, danke, dass Sie die konkreten Punkte ansprechen. Sinngemäß die SZ dazu - Verunglimpfung sei nicht das Ziel gewesen - wie schön, das zu erfahren. Das repariert nicht. Dafür gibt es eine Letztverantwortlichkeit vor dem Druck.

Montag, 19.Oktober, 11:23 Uhr

Anette Wanner

Der SZ-Artikel "Igor Levit ist müde"

Verstehe nicht. Mir kamen Tränen, als ich das las. Was will Herr Mauró damit sagen? Wenn ein Mensch wegen irgendeines Kriteriums existentiell bedroht wird, wenn einem Menschen mit Ermordung gedroht wird, hat Polemik keinen Platz, hat das nichts mehr mit Humor zu tun. Dann geht es ums Leben an sich und um Solidarität.

Montag, 19.Oktober, 10:50 Uhr

Daniel Riemann

natürlich ist Kritik berechtigt

Ich finde es komisch, dass hier von manchen Kommentatoren konstatiert wird, kritisieren dürfe man Herrn Levit ja doch. Natürlich, darf man Herrn Levit kritisieren, dass ist überhaupt nicht der Punkt. Aber nicht als Musikkritiker. Also nicht in dieser Funktion bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Wenn Herr Mauro dieses auf seinem Privaten Twitter oder facebook Account macht , es Freunden erzählt oder es anders als Privatperson äußert ist das kein Problem. Das Problem ist doch, dass das nicht der Job ist , nicht der Zeitungsbereich undsoweiter.
Hier geht es nicht darum Herrn Mauro seine Kritik zu verbieten, aber Sie jedoch an der richtigen Stelle stattfinden zu lassen.

Montag, 19.Oktober, 10:43 Uhr

O. Herrmann

Artikel von Mauró - Replik der SZ

Völlig egal worüber ich eine Kritik schreibe, ob Musik, Film, Buch etc....entweder schreibe ich zum Thema und bleibe auch dabei, weil ich etwas zu sagen habe, oder ich werde persönlich, nur dann bin ich kein Kritiker sondern jemand, der den Sinn und Zweck einer Kritik nie verstanden hat.

Auch wenn es anscheinend immer mehr in Mode gerät möglichst persönlich, drastisch und unterstellend über die Personen hinter der Musik zu schreiben, ist das nichts anderes als ein schlechter Stil, den die SZ pflegt, um ins Gespräch zu kommen und mehr Leser zu erreichen.

Diese Tendenz fällt mir bei der SZ schon länger bei den inhaltlich unterirdisch schlechten Filmkritiken auf. Ist ja auch kein Wunder wenn Leute über Filme schreiben, die von sich selbst behaupten, das Medium Film gar nicht zu mögen.

Der Versuch die SZ möglichst schnell auf ein mit Twitter oder Facebook vergleichbares Niveau zu bringen, ist doch schon recht weit fortgeschritten.

Montag, 19.Oktober, 10:27 Uhr

Martin Kühl

Journalismuskultur und Igor Levit

Das sind schon komische Zeiten, diese post -post -Postpostmoderne, in der jeder alles sagen darf um hinterher zu sagen daswardochgarnichtsogemeint!!!!
Und doch ist mit Dreck geworfen worden und es bleibt was hängen.
In diesem Falle das missverständliche Wort von Opferanspruchsideologie - mit Absicht missverständlich? Oder nur dumm formuliert? Wenn ich was relevantes schreibe, lass ich jemanden drübergucken, damit mir sowas nicht passiert.
Tut mir leid, bei all dem gebildeten Gehabe hört sich das an wie damals, als man Frauen sagte, sie sollen sich nicht so aufbrezeln, selber Schuld, wenn sie dann ...
ich spüre diese altbiedere dummdreiste Pegida und so weiter Haltung: " Man darf das doch mal sagen!" (Dies mit schnarrender Stimme)

Ansonsten - Herr Levit, ich wünsche mir mehr Menschen im öffentlichen Leben, die selbständig und vielleicht ausserhalb der gängigen Denkmuster denken können und sich äußern!

Montag, 19.Oktober, 10:16 Uhr

Dr. Gertrud Rank

Igor Levit Kritik in der SZ

Ich habe genau wegen solcher Darstellungen in der SZ vor 2 Jahren mein über 40-jähriges Abo dort beendet. Die SZ ist mit Ausnahme der investigativen Abteilung weitgehend eine für viele Lebensbereiche nicht mehr relevante Tageszeitung. Da muss man sich an die FAZ halten, beispielsweise und für den lokalen Part an den Münchner Merkur.
Mein Mann und ich schätzen Igor Levits unprätentiöse Art sehr, haben seinen Beethoven-Podcast jeden Dienstag genossen. Es wäre spannend zu wissen, was Joachim Kaiser zur Person und zur Sache zusagen gehabt hätte.

Montag, 19.Oktober, 10:09 Uhr

Marianne Lindwedel

Kritik an Igor Levit

Die „Entschuldigung“ der SZ für die aus meiner Sicht abwegige Kritik von Mauro an Igor Levit in der SZ ist sehr „flau“. Mauro hat ja weniger eine Musikkritik abgeliefert, sondern ist bei erster Gelegenheit ins Politische abgeglitten und hat sich dort festgebissen.
Eine Musikkritik muss sich mit Musik befassen, in diesem Fall mit der musikalischen Leistung von Igor Levit. Was wir lesen mussten, war keineswegs eine fundierte begründete Kritik, sondern ein billiger Verriss — mit Bezug auf aus musikalischer Sicht irrelevante Themen wie die politische Haltung des Künstlers. Dabei wird ein jedenfalls abzulehnender Antisemitismus von Mauro mehr als deutlich. Es ist völlig legitim, wenn ein Künstler seine Popularität nutzt, um auf Missstände in seinem Land hinzuweisen. Und Antisemitismus ist nach dem jedem Deutschen zumindest aus der Schule bekannten Holocaust unentschuldbar.
Kein Pardon also für Mauro-Beiträge in dieser Form.

Montag, 19.Oktober, 09:41 Uhr

Marco

Helmuth Mauró

Der Journalist Helmuth Mauró soll seine Texte zukünftig seiner Chefredaktion zur Leseprobe geben bevor er sie veröffentlicht. Die Süddeutsche hat für mich einen Rechtsrutsch im Journalismus erlitten. Wo ist die professinelle Recherche geblieben?

Montag, 19.Oktober, 09:10 Uhr

Ulrich Ricker

SZ-Artikel "Igor Levit ist müde"

Ich bin ein mündiger Bürger und lese auch sehr unterschiedliche / kontroversde Beiträge. Das ist sehr wichtig - für mich.
Und ich kann urteilen.
Und ich traue mir zu zu, zu beurteilen - was heutzutage, nicht vort 100 oder 200 Jahren die Menschen so schrieben oder gar taten; jedoch Krieg verurteile ich immer und ich bin absolut für Gleichberechtigung - allezeit.
Kritik muss sein - (fast) jede.
Ein Mensch dem Meinugsfreiheit sehr wichtig ist.

Montag, 19.Oktober, 08:51 Uhr

Paco

Warum sollte eine Person nicht kritisierbar sein?

Im Rahmen einer Musikkritik ist die Kritik an der Persom des Musikers fehl am Platze. Genauer gesagt handelt es sich um einen klassischen logischen Fehlschluss, bekannt unter dem Begriff "ad hominem"-Argument. Dadurch dass man die Person kritisiert wird das musikalische Schaffen automatisch mit diskreditiert, ohne dass dies noch einen sachlichen Grund benötigte- ein schlechter Mensch kann keine gute Musik machen.

Wenn man die politischen Einstellungen oder Aktivitäten einer Person kritisieren will, kann man das in einem politischen Meinungsartikel tun.

Montag, 19.Oktober, 08:51 Uhr

Helga Damek

Levit - SZ

Vielen Dank für die klare Stellungnahme zu dem in meiner Wahrnehmung äußerst infamen SZ-Artikel über Igor Levit. Ich würde mir von der Süddeutschen eine Distanzierung oder zumindest Klarstellung und Entschuldigung wünschen. Die Stellungnahme der SZ auf Twitter, in der die Überschreitung von Grenzen als legitime Polemik und private Ansichtssache verharmlost wird, kann doch wohl nicht die offizielle Meinung der Redaktion sein.
Im Übrigen möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bei Herrn Levit und dem BR bedanken für die kritisierte "Dauerpräsenz" in Corona-Zeiten. Mir hat der wunderbare Potcast 32xBeethoven viele tröstliche Dienstag-Konzertabende beschert. Die Livestreams aus Salzburg habe ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen, ebensowenig die Konzerte mit dem BRSO in München. Das erste Konzert im Herkulessaal, für das ich glücklicherweise eine Karte ergattern konnte, war für mich pure Wiedersehensfreude. Danke.

Montag, 19.Oktober, 07:48 Uhr

Philip W.

Warum sollte eine Person nicht kritisierbar sein?

Ich finde es befremdlich, dass hier immer nur die Musik im Vordergrund steht und die Person anscheinend nicht mehr kritisiert werden darf. Ja, als Musikkritiker sollte man sich natürlich erstmal auf das Klavierspiel eines Herrn Levit konzentrieren und dieses bemängeln oder auch loben.

Allerdings darf und muss es doch auch gegeben sein, Kritik an der Person selbst zu äußern - sei sie nun berechtigt oder nicht, darüber kann man sich hinterher entscheiden. Auch die Tatsache, dass hier recht polemisch herangegangen wird, ist doch per se erstmal nichts Schlimmes, selbst BR Klassik hat das in seinem ersten Artikel gesagt.

Was hier das Problem zu sein scheint, ist, dass jemand, der in seinen Tweets ganz Deutschland unter Generalverdacht stellt (und absolut alle Mitglieder der AfD zu Nazis macht - was grob gesagt einfach nur über den Kamm scheren ist) kritisiert wird für genau jene Tweets, und das wird plötzlich zu einer Attacke, die es so nicht geben darf.

Ich frage mich aber: warum nicht?

Montag, 19.Oktober, 01:33 Uhr

Mal Weiterdenken

So was muß Levit aushalten...

Denn Levit macht nicht anders Marketing als jedes zweite ganz normale Unternehmen, das etwas mit Lifestyle zu tun haben will - dort ist es halt mal eine Rasierklingenmarke, die sich für Frauenrechte stark macht oder ein Ketchuphersteller gegen Rassismus.
Da ist die Werbetaktik natürlich schnell entlarvt und es hagelt Shitstorms.
Im Milieu der feinen "Kultur" hat das gerne mal eine vornehmere Fassade und wir machen uns deren Darstellungen gerne zu persölichen Freunden (z.B. der Schauspieler in der Polit-Talksow - warum eigentlich?) ;
vergessen schnell, das hinter der Fassade ganz normale Menschen und gewöhnliche Charatere sein können. Inseltalente - keine Allwissenden, keine Universalgenies und vor allem: keine Heilige.
Also kann und sollte man einen Musiker eben genauso kritisieren wie einen Versicherungsunternehmer oder Autoverkäufer. Und Levit hält das auch aus.

Montag, 19.Oktober, 00:08 Uhr

Jörn Florian Fuchs

HörerInnenkommentare

Ich bin erstmal über die diversen Rechtschreib-Fehler der diversen Kommentierenden erschüttert. Wenn ich einen berühmten Pianisten verteidige, sollte ich schon seinen Namen korrekt schreiben (können). Zweitens: die Polemik von Helmut Mauró reizt zu Gegenpolemik, das ist völlig klar und vermutlich sogar gewollt. Aber ist es wirklich nötig und angemessen, die Antisemitismus-Keule zu schwingen? Wäre es nicht sinnvoller, einmal grundsätzlich(er) über die Verknüpfung von Twitter & Co., Künstleragenturen und oberflächlichem 'Starbejubel'-Feuilleton (damit ist explizit die ZDF Sendung "aspekte" gemeint) zu reflektieren?

Montag, 19.Oktober, 00:02 Uhr

Susan I.

Danke

Danke für eine klare und kritische Stellungnahme zu diesem Thema in diesem und dem vorherigen Artikel dazu. Zeitungen bzw. Journalisten wagen sich heutzutage leider des öfteren nicht zu klaren (politischen) Positionen, und teils werden Dinge falsch wiedergegeben oder Personen zu unrecht kritisiert oder falsch beschrieben. Ich lese nicht oft Artikel, die spezielle Artikel anderer Zeitungen krisitieren, obwohl das denke ich oft nötig wäre und abschwächen kann, was schlechter Journalismus teils anrichtet.

Sonntag, 18.Oktober, 22:55 Uhr

Felix Tiggeler

Mauró, Levit, SZ, Framing in Reinkultur

Schon der urprüngliche Sermon von Herrn Mauró ist schwer erträgliches framing.
Die anschließende "Stellungnahme" der SZ-Redaktion verstärkt dies noch um ein Vielfaches, da sie eben nicht eine glaubwürdige Distanzierung vom rechtslastigen Text des Herrn Mauró ist.

Sonntag, 18.Oktober, 21:43 Uhr

Prof. Dr. Lutz Götze

IGOr Levit

Mauros Kritik ist völlig inakzeptabel. Levit ist nicht nur ein exzellenter Beethovenspieler, sondern auch ein politisch bewusster Zeitgenosse.Das passt Mauro nicht aber es ist gut.Ich wünschte mir mehr Künstler dieses Kalibers!

Sonntag, 18.Oktober, 21:26 Uhr

Thomas Hannig

Igor Levit

Warum wird denn der Mann seit Monaten im Radio hochgejubelt? An seinem Klavierspiel liegt es nicht...

Sonntag, 18.Oktober, 21:18 Uhr

Cilantro

Mauró

Wieso hat Mauró das nötig? Ist es ein schwacher Versuch, das über-das-Ziel-hinausschießen zu legitimieren? Was hat das noch mit Musikkritik zu tun? Wechseln wir doch einmal für einen Moment das Genre: Jede linkspolitisch aktive Punkband nutzt die sozialen Medien, um auf Missstände hinzuweisen, sich zu solidarisieren, schlichtweg all jene Dinge, wofür die Musik steht (bzw. stehen kann). Auch wenn Levit kein Punker ist, so zeigt er sich dennoch als Aktivist.

Dies hat jedoch nichts mit der (übrigens unsinnigen) Frage zu tun, ob Musik politisch sein sollte oder nicht: Es geht u.a. um Diskriminierung und wie wir (nicht nur als Musiker/innen oder Liebhaber/innen) in unserer Gesellschaft damit umgehen: Levit engagiert sich dagegen, Mauró befeuert sie.

Mir persönlich bezieht die SZ zu vage Stellung: "Jeder und jede kann der Ansicht sein, das sei hier passiert." Ja was denn jetzt? Der Titanic hätte ich das abgenommen, der SZ jedoch nicht.

Sonntag, 18.Oktober, 20:31 Uhr

Petra Schuritz

Artikel von Mauró - Replik der SZ

Danke für die pointierte Entgegnung von BR-KLassik zum SZ-Artikel über Igor Levit. Dem möchte ich nur noch hinzufügen:
Herr Mauró hätte offenbar gerne einen Künstler, einen Pianisten "aus einem Guss", der außer für seine Tasten und die Partituren bitte keinerlei Interessen entwickeln soll; jegliche politische Äußerung scheint für ihn die Ernsthaftigkeit der musikalischen Auseinandersetzung mit Instrument und Werk in Frage zu stellen. Als ob eine politische Haltung zu besitzen und sie auch zeitgemäß zu äußern gleichbedeutend wäre mit pianistischer Durchschnittlichkeit! Ich halte im Gegensatz dazu, einen Künstler, der auch im Leben jenseits von Musikzimmer und Konzertsaal steht, für deutlich sensibilisierter, ein Werk in all seinen Facetten auszuleuchten.
Zum Einsatz des Privaten à la Paris Hilton: 2013 spielte Levit die letzten Beethoven-Sonaten ein -zu dieser Zeit nirgendwo in den neuen Medien aktiv- die Kritik: nahezu einhellig positiv, dabei kein geringerer als Joachim Kaiser.

Sonntag, 18.Oktober, 19:41 Uhr

Raimund Adamsky

Mauro

Helmut Deutsch und Mauro Peter kann man hören. Levit kann man hören, wie auch Trifonov oder weitere. Helmut Mauro kann man nicht hören.

Sonntag, 18.Oktober, 19:36 Uhr

Ralf Hasselberg

Mauro-Levit

Das ist mal wieder typisch. Der Artikel ist eine verbale Intensiv-Attake, die nicht, absolut nichts mit Musik zu tun hatte. Der Mann muss völlig besoffen gewesen sein oder Afd-ler oder schlimmer. Für mich ist das derart unter der Gürtellinie, dass eine fristlose Kündigung notwendig ist.

Dann liest man den Kommentar der SZ und ich musste mir die Augen reiben! Kritik mit dem Internet, blos weil das Internet als berechtigte Plattform genutzt werden kann auch dafür und diesmal NICHT anonym! Vielleicht sollten mehr Posten bei der SZ überprüft werden!!!!

Levit steht dazu und er hat Grund dazu! Er ist in einer Position, in der er auch andere mobilisieren kann. Aber, wen wollte Mauro mobilisieren? Typisch: die Opfer zum Täter zu machen. Der Jude ist immer schuld.

Das ist eine Schade für Deutschland nach diesem verdammten Weltkriegen!

Aber eines Mauro hast Du wirklich geschafft: Zielscheibe! Die Verantwortlichen gleicht mit! Feuer frei! Wollt ihr so die Auflage steigern? Schande!

Sonntag, 18.Oktober, 19:17 Uhr

sabine.schmidt13¹gmx.de

Igor Levit Musikkritik Mauro

Sehe geehrte Damen und Herren,
obwohl ich alt bin und erst seit kurzem im Internet unterwegs, kenne ich Igor Levit, weil er die sehr gute Idee hatte zu Coronazeiten im Netz Menschen zu ermutigen und sein Legato war mir schnurz. Herrn Mauro lernte ich leider erst jetzt kennen wegen seiner üblen unentschuldbaren Wortwahl. Dass die Sueddeutsche jetzt diesen unsaeglichen Artikel noch als legitime Kritik verteidigt, gibt mir zu denken. Ich werde dieses Feuilleton nie mehr lesen. Ich wuensche Herrn Levitt viel Unterstuetzung, Mut und Erfolg. Gruessse Sabine Schmidt

Sonntag, 18.Oktober, 18:59 Uhr

Thomas Ulrich

Stellungnahme der Süddeutschen Zeitung

Genau die Stellungnahme der Süddeutschen Zeitung, die ihren Kritiker in Schutz nimmt, führt dazu, dass Menschen die sich gegen Rechts und Antisemitismus zur Wehr setzen, dafür noch kritisiert werden. Damit wird einem Erstarken der rechten und antisemitischen Einstellungen in Deutschland Vorschub geleistet. Die Folgen sind Gewalt gegen Andersdenkende oder Andersausehende!

Sonntag, 18.Oktober, 18:19 Uhr

Langhoff, Joachim

SZ-Artikel von Mauro über Levit

In aller Kürze: Herrn Mauros Kritik ist unterste Schublade und niveaulos! Sie zeugt weder von Musik- geschweige denn von Menschenkenntnis!

Sonntag, 18.Oktober, 18:04 Uhr

Klaus Mölln

Mauró Kritik

Kritik (die ich inhaltlich teile) an einer Kritik sollte doch sprachlich korrekt sein: Der Genitiv von "Autor" ist "Autors", nicht "Autoren". "Autoren" ist ein Plural.

BR-KLASSIK: Danke für den Hinweis, wir haben es ausgebessert.

Sonntag, 18.Oktober, 17:52 Uhr

Bachmann

Levit

Mir ist auch aufgefallen, daß in den für alle Künstler extremen Covod-Zeiten in den Medien in den letzten Wochen und Monate - z.B BR Klassik- Herr Levid sehr präsent war. Immer wurden seinen Aktivitäten kommentiert, seine Stücke gespielt, so als ob es aktuell all die anderen Künstler/Pianisten nicht gib? Ich fand das eine unbegründetet Bevorzugung, da ich sein Klavierspiel - was wirklich Geschmacksache ist - jetzt auch nicht so einzigartig finde. Warum immer nur er? Mich hat das gewundert und ich dachte mir wo, kommt diese Sponserpräsens her?
Diese Diskusion öffnet mir jetzt etwas die Augen. Ohne Vitamin B und Protektion ist auch der beste Künstler ein armes Wüstchen oder er ist blind oder war irgendwann mal die Geliebte von Herrn Hollander/Wien oder einem Dirigenten, dann ist alles viel einfacher. In Covidzeiten hat er immens viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als es andere Pianisten/Künstler. Warum wundert das einen nicht bei einem nicht wirklich überragenden Pianisten?

Sonntag, 18.Oktober, 17:15 Uhr

Margarete Müller

Mauro-Levit

Natürlich ist das eine persönlich Verunglimpfung ,die mit einer Kritik des Klavierspiels von Levit nicht zu tun hat.
Auch Wagner verunglimpfte den Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy ,weil dieser Jude war und setzte widerliche verletzende Herabwürdigungen seiner Musik in Umlauf.
Kommt mir irgendwie sehr ähnlich vor !

Sonntag, 18.Oktober, 17:04 Uhr

Dr Niendorf,Hans Peter

Mauro Legatokritik an Levit,hier Stellungnahme der

Ich finde diese SZ Stellungnahme windelweich und ausweichend.Es ist keine Stellungnahme. Es wird was geschrieben,weil es erwartet wird. Musikkritik darf nicht zur Personenkritik verkommen. Im Schauspiel vielleicht schwierig.In der Musik ist es einfach ohne Personenkritik auszukommen.Ich find eine Distanzierung der SZ von der Kritik ist erforderlich.

Sonntag, 18.Oktober, 15:55 Uhr

Jan Rieckhoff

Kommentar zur Stellungnahme causa Igor Levit

Eine enttäuschend schwache Reaktion der SZ, die mit ihrem Schlusssatz sich selber die Erlaubnis für sämtliche Fehltritte erteilt. Implikation dabei: Wer sich davon verletzt fühlt, hat selber Schuld.

Sonntag, 18.Oktober, 14:26 Uhr

J.

Omnipräsent

Wenn ich diese Diskussion lese, dann muss ich dem "die heilige Kuh hat BSE" von Lisa Eckhart zustimmen. Leider. Nur weil Levit aufgrund seiner Religion zur diskriminierten Opfergruppe gehört, darf er auch nicht alles.

Außerdem stimmt es schon, dass Levit auf dem Twitter omnipräsent ist, ich bin eher passiv und selten auf Twitter wegen Corona-Informationen, ich folge Levit nicht, nur paar Medien und Politiker, und selbst so habe ich den "ich bin müde" Tweet von Levit auf meinem Timeline angezeigt bekommen (das war auch nicht der einzige Tweet von ihm, der angezeigt wurde). Ich kann mich auch deshalb so deutlich dran erinnern, weil ich von dem Tweet genervt war. Und zu sehen, wie er dafür in Sekundentakt Likes bekommt, war interessant.

Bei Levit denke ich mittlerweile, dass seine Tweets und Statements auf der Bühne auch zu seiner Performance als Pianist gehören. Dann gehören sie auch in die Konzertkritik?

Bezüglich der Kritik an seine Beethovensonaten stimme ich Mauro zu.

Sonntag, 18.Oktober, 13:56 Uhr

grimmchristoph@t-online.de

Mauro

Mauro sollte sich schämen.

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