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Olivier Messiaen zum 30. Todestag Musik von den Boten Gottes

Ekstatische Orchestermusik, farbschillernde Orgelwerke, rauschhafte Oratorien, und alles gefüttert mit einer enormen religiösen Spiritualität – das ist die Welt des französischen Komponisten Olivier Messiaen. Seine größte Inspirationsquelle waren für ihn die Vögel, die Boten Gottes, wie er sagte. Vor 30 Jahren starb er im Alter von 84 Jahren in Paris. Doch seine Werke sind gemacht für die Ewigkeit.

Der Komponist sitzt am Klavier und blickt in die Kamera | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Olivier Messiaen hatte Glück im Unglück. Als er 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war, durfte er im Gefangenenlager in Görlitz weiter komponieren. Erlaubt hatte es ihm Lagerkommandant Franzpeter Goebels. Der hatte selbst einen Sinn für Musik, wurde später nach dem Krieg Konzertpianist und Klavierprofessor in Detmold. Goebels besorgte Messiaen Notenpapier, geprobt wurde im Waschraum, und dann fand sogar eine Uraufführung in den Barracken statt. Es erklang das "Quatuor pour la fin du temps", das Quartett für das Ende der Zeit. Eine Musik, die mitten im Leid entstanden ist, komponiert unter unsäglichen Bedingungen. Und allein in diesem Werk findet sich wieder, was den Komponisten, Organisten und Lehrer Olivier Messiaen ausmacht: Krieg, Spiritualität und der farbenschillernde Gesang der Vögel.

Das Quartett für das Ende der Zeit hebt uns aus dieser entsetzlichen Welt. Unendlicher Dank unserem lieben Olivier Messiaen.
Cellist der Uraufführung, Etienne Pasquier

Messiaen prägt eine ganze Musikergeneration

Olivier Messiaen | Bildquelle: Styriarte Messiaen beim Beoabchten der Vögel | Bildquelle: Styriarte Olivier Messiaen wurde 1908 in Avignon geboren. Von 1919 bis 1930 studierte er am Pariser Conservatoire Orgel bei Marcel Dupré und Komposition bei Paul Dukas. 1931 wurde er Organist an der Pariser Kriche St. Trinité – ein Amt, das der gläubige Katholik mehr als sechzig Jahre lang ausübte. Außerdem unterrichtete er. Er prägte eine ganze Musikergeneration, darunter Komponisten wie Iannis Xenakis, Karlheinz Stockhausen oder Pierre Boulez. Allesamt ganz unterschiedliche Musikerpersönlichkeiten, die Messiaens Musiksprache nicht übernommen, aber mit seiner Hilfe ihren eigenen Weg entdeckt haben. Stockhausen hat von seinem Lehrer als von einem "glühenden Schmelztiegel" geschwärmt. In seinen Schülern habe er die Komponisten freigelegt und sie dann in Ruhe gelassen.

Er hat das Beste getan, um seine Kenntnis zu teilen
Pierre Boulez über Olivier Messiaen

Messiaens musikalischer Stil

Messiaen: Catalogue d'oiseaux | Bildquelle: Naxos Ein Albumcover zum Stück "Catalogue d'Oiseaux" | Bildquelle: Naxos So wie er es seinen Schülern selbst überließ, ihren eigenen Weg zu entdecken, fühlte sich Messiaen keiner künstlerischen Schule angehörig. Er hat sich aus allen Moden, aus allen Stilen stets herausgehalten – und doch hat er in seiner Eigensinnigkeit eigene Moden angestoßen: den Serialismus der 50er Jahre zum Beispiel, bei dem alle Parameter wie Lautstärke, Dauer, Klangfarbe streng in Reihen organisiert sind. Messiaen hat ihn erfunden und sich danach anderem zugewendet, nämlich den Vogelstimmen, die er über alles liebte. In seinem Stück "Catalogue d'Oiseaux" zeigt er sich als komponierender Ornithologe, bringt den zirpenden, schlagenden, hämmernden und tiriliernden Wunderkosmos der Vogelwelt aufs Papier. Die Vogellaute hat er sich von der Natur abgeschaut. So äußerte er sich einmal: "Man wandert schon früh am Morgen durch Wälder, Weinberge oder am Wasser entlang. Dadurch ist in mir auch die Vorstellung einer freien, farbigen Musik entstanden."

Diese Farben versuche ich in meiner Musik umzusetzen, um einen Farb-Schock auszulösen
Olivier Messiaen

Messiaen – der Synästhetiker

Wie wohl der zwitschernde, freiheitsliebende Gesang der Vögel für Messiaen ausgesehen haben mag? Der Komponist sah Farben, wenn er Musik hörte und hörte Musik, wenn er Farben sah. Und so war er stets davon getrieben, ein blitzendes Leuchtfeuerwerk mit seinen Klängen einzufangen, stets inspiriert von seinen wichtigsten Lehrmeistern, den Vögeln. Für ihn die größten Musiker, "Boten Gottes", wie er sie bezeichnet hat. Messiaen als sehr religiöser Komponist beschwört das Gute in seiner Musik. Seine Stücke sind heilsam, geben sich seiner schillernden Klangpalette hin, seinem tiefen christlichen Glauben genauso wie seiner ekstatischen Visionen vom Gesang der Vögel.

Am 27. April 1992 starb Olivier Messiaen nach einer Operation in einem Pariser Krankenhaus. Er liegt in Saint Théoffrey südlich von Grenoble begraben.

Sendung: "Allegro", am 27. April 2022 ab 6:05 Uhr

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